10.10.2018 - 10:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Jugend bleibt ohne Herberge

Im Jahr 2003 schließt Rosemarie Herbst für immer die Jugendherberge in der Fronfestgasse. Längst wohnt in dem Gebäude, das die Vils überspannt, eine Familie. Doch der Wunsch nach einem neuen Jugendhotel ist immer noch lebendig.

Seit fast 15 Jahren existiert die ehemalige Jugendherberge in der Fronfestgasse nicht mehr. Die Suche nach einer Nachfolgelösung gestaltet sich aber äußerst schwierig.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

(ass) Es waren finanzielle Gründe, die 2004 zum Beschluss des Hauptausschusses geführt haben, die Jugendherberge in der Fronfestgasse aufzugeben. Das 1936 kühn über die Vils geschwungene Gebäude mit rund 190 Quadratmetern Nutzfläche entsprach einfach nicht mehr den Standards der Zeit. Das Fehlen moderner Toilettenanlagen und eine veraltete Raumaufteilung ließen eine weitere Nutzung des ursprünglich für die Nationalsozialistische Jugend erbaute Herberge nur mit großem finanziellen Aufwand realistisch erscheinen.

Zudem änderte zu dieser Zeit das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) gerade sein Konzept weg von den Massenunterkünften mit Stockbetten hin zu modernen und hellen Jugendhotels. Dafür war das Gebäude aber ohnehin zu klein, die erforderlichen Umbauten hätten zudem Unsummen verschlungen, die weder das DJH noch die Stadt Amberg aufzubringen gewillt waren. Das endgültige und formale Aus war die logische Folge davon. Die Stadt verkaufte das Haus ein Jahr später, seither wohnt eine Amberger Familie in diesem geschichtsträchtigen Haus.

Immer wieder Versuche

Und es gibt seitdem keine Jugendherberge mehr im Stadtgebiet. Immer wieder tauchte aber in der Vergangenheit der Wunsch auf, wieder eine solche in Amberg zu schaffen. Entweder gemeinsam mit dem DJH oder aber in Privatinitiative. Stets aber wurden diese Gedankengänge aus unterschiedlichen Gründen wieder verworfen. Den vorerst letzten Vorstoß unternahm der Jugendhilfeausschuss in einer seiner Sitzungen.

An die Verwaltung erging der Auftrag, sich mit dem Jugendherbergswerk in Verbindung zu setzen, die örtliche Gastronomie abzufragen und eventuell Privatleute zu finden, die ein derartiges Projekt stemmen können und wollen.

Thomas Boss, der neue Leiter des Jugendamts, erstattete jetzt einen ernüchternden Bericht. Danach erteilt ihm der bayerische Landesverband des DJH eine komplette Abfuhr. "Dort bestehen keine Überlegungen für einen neuen Standort", sagte Boss am Dienstag im Jugendhilfeausschuss. Das DJH konzentriere sich viel mehr auf den Erhalt und die Modernisierung der bestehenden Objekte. Allerdings stehe es der Stadt frei, in Eigenregie eine Jugendherberge zu schaffen, lautete die Auskunft. Übrigens sei es auch kein Problem, eine solche Einrichtung ganz offiziell "Jugendherberge" zu nennen, denn: "Der Begriff ist nicht geschützt."

Keine Reaktion auf Anfrage

Weiter erging laut Thomas Boss eine entsprechend Anfrage an den regionalen Hotel- und Gaststättenverband in Person seines Kreisvorsitzenden Norbert Stöckl. Der habe ihm eine Anfrage im Bereich Amberg-Sulzbach und Regensburg zugesagt. "Darauf ist keine einzige Meldung eingegangen", schilderte Boss das ernüchternde Ergebnis. Bliebe also noch die dritte, die private Schiene.

"Aber jemand Privates zu finden, das ist hier ungemein schwer", dämpfte er eventuelle Euphorie im Gremium. Das Fazit: Amberg wird wohl auch künftig ohne Jugendherberge auskommen müssen. Es sei denn, es findet sich ein wagemutiger und findiger Privatmensch, der sich auf das Abenteuer mit einem Jugendhotel einlässt.

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