12.12.2018 - 00:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Junge platteln wie die Alten

Holzhacker, Haidauer und Bankerltanz: Mit vollem Elan ist die Kinderschuhplattl-Gruppe des Vereins Pusca Bavaria beim traditionsreichen Tanz dabei.

von PKMOProfil

Als Jürgen Sperlich und sein Bruder Walter in den 80er-Jahren im Kloster Ensdorf die hohe Kunst des Schuhplattelns lernten, hätten sie es sich wohl nicht träumen lassen, dass in genau denselben Lederhosen heute ihre Kinder platteln. Aber genauso sollte es kommen.

Zusammen mit Robert Roggenhofer trainieren sie seit 2016 ehrenamtlich eine Kinderschuhplattl-Gruppe ihres Vereins Pusca Bavaria, in dem alle drei sonst selbst als Plattler aktiv sind. Da es die Klosterschule in Ensdorf nicht mehr gibt, wurden die Hosen kurzerhand ausgeliehen.

Einmal pro Woche, am Samstag, treffen sich die 13 Buben und Mädchen in der Alten Reitschule in Amberg, um an ihren Schrittfolgen zu arbeiten. "Es fördert die Motorik und das Rhythmusgefühl der Kinder", erklärt Jürgen Sperlich. Sein Bruder Walter ergänzt: "Man merkt auch wer musikalische Vorerfahrung hat. Damit fällt es oft leichter, mit dem Rhythmus klar zu kommen."

"Wahre Naturtalente"

Bis man eine Schrittfolge kann, dauert es meistens nur ein paar Wochen. Schwieriger ist es dann, die Schlagkombination auf den Takt der Musik zu übertragen. "Manche Kinder sind wahre Naturtalente, andere brauchen auch mal ein Jahr bis sie es richtig gut können", sagt Jürgen Sperlich mit einem Schmunzeln. Was die Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren gelernt haben, konnten sie dieses Jahr schon bei einigen Auftritten, unter anderem beim Altstadtfest, unter Beweis stellen. Wie viel Spaß es den Mädchen und Buben macht, die traditionsreichen Tänze einzustudieren, lässt sich nicht nur an ihren fröhlichen Gesichtern ablesen, sondern auch an ihrem Eifer, einen Tanz nach dem nächsten vorzuführen. Der Holzhacker, der Haidauer und der Bankerltanz gehören dabei zum festen Repertoire.

Jede Menge Spaß

Wie der Name schon vermuten lässt, stehen bei Letzterem zwei Bänke im Mittelpunkt. An jedem Ende der überkreuzten Bänke steht ein Tänzer, der mit Bankrütteln, Schenkelklopfen und Klatschen in rhythmischer Abfolge für Stimmung sorgt. Am Ende springen die Tänzer sogar auf die Bänke und werden dabei immer schneller. Vor allem mit einer großen Portion Spaß vermitteln die Trainer ihren Schützlingen das Brauchtum des Schuhplattelns und leisten zwischendrin immer mal Gedankenstützen für die Schritte, in dem sie selber einfach mitplatteln. An ihrem Ehrenamt mögen die Sperlichs und Roggenhofer besonders, dass es hilft, eine Tradition zu erhalten: "Wenn wir das nicht weitergeben würden, würde das irgendwann einschlafen. Zumindest an die eigenen Kinder wollten wir es weitergeben, so dass die es vielleicht einer nächsten Generation beibringen", meint Jürgen Sperlich.

Ursprünglich beheimatet ist das Schuhplatteln in Oberbayern und im Allgäu. Angelehnt ist die Tanzart dabei an den Balztanz des Auerhahns, der seine Angebetete umgarnt.

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