16.05.2021 - 08:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Kein Holz-Exportboom im Landkreis Amberg-Sulzbach

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Weil gerade so viel Holz nach China oder in die USA exportiert wird, steigen die Preise für Bauholz? So einfach ist die Rechnung nicht, sagen die Vertreter der Waldbauern aus dem Raum Amberg-Sulzbach. Sie zeigen eine Alternative auf.

Rundholz frei Waldstraße - das ist die Recheneinheit der Waldbesitzer. Hier liegt es auf neben einem Forstweg im Hirschwald zum Abtransport bereit.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Nach dem Landregen steht der Wald ordentlich im Saft. Das sieht und riecht man draußen im Hirschwald. Die Buchen treiben aus und der Wind trägt den Geruch von Waldboden und Harz über die Lichtung. Mitten drin liegt ein Haufen schönstes Schnittholz, stämmige Fichten, 15 Meter lang, geschält und bereit für den Abtransport. "Holz ist genug da", sagt Uli Hausmann aus Mertenberg, der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Amberg-Schnaittenbach. "Wer Bauholz braucht, der bekommt es auch." Ganz ohne Preisexplosion.

"Wer Bauholz braucht, der bekommt es auch."

Uli Hausmann, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach

Uli Hausmann, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach

Kommt allerdings drauf an, was genau man braucht. "Leimbinder können wir nicht liefern", erklärt der FBG-Vorsitzende Gerhard Gradl (Kastl). Normale Balken für den Dachstuhl, Bretter und Latten aber schon. Genaugenommen liefert nicht die FBG, sondern liefern die regionalen Sägewerke das geschnittene Holz. Sechs bis acht davon gibt es rund um Amberg. Mit ihnen arbeitet die Forstbetriebsgemeinschaft eng zusammen.

Die FBG Amberg-Schnaittenbach vertritt rund 2300 private Waldbesitzer in der Region. Sie haben sich zusammengeschlossen, um die jährlich anfallenden Arbeiten im in den Wälder effizienter erledigen zu können. Nicht jeder kleine Waldbesitzer hat die Maschinen und auch die nötige Erfahrung, um auf eigene Faust Holz einzuschlagen. Durch den Zusammenschluss ist nicht nur eine Art Maschinenring für den Wald entstanden, sondern auch ein nicht zu verachtender Marktteilnehmer. Durch die Bündelung ihrer Interessen können die Mitglieder besser auf Angebot und Nachfrage reagieren.

Für den aktuellen Boom bei der Holzwirtschaft ist aber scheinbar auch die FBG zu klein. "Das ist das Spiel der Großen", erklärt Hausmann und ruft Bauherren und Verbraucher dazu auf, sich nicht verrückt machen zu lassen. "Wir sollten den regionalen Markt und die regionale Wertschöpfung im Blick haben", sagt er. "Es gibt viele Möglichkeiten, die Bedarfe vor Ort zu decken." Derzeit kostet der Festmeter Fichtenholz (Rundholz frei Waldstraße) zwischen 90 und 95 Euro. Kiefer ist viel günstiger zu haben, hier sind es 60 bis 65 Euro. Bei der beim Hausbau gern genommenen Lärche liegt der Preis bei 120 bis 130 Euro.

"Die kleinen Waldbauern haben von den derzeit explodierenden Exportpreisen nichts."

Gerhard Gradl, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach

Gerhard Gradl, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach

"Die kleinen Waldbauern haben von den derzeit explodierenden Exportpreisen nichts", sagt Gerhard Gradl. Er hat noch etwas, das ihn wurmt: das erst Ende März in Kraft getretene Forstschäden-Ausgleichgesetz. Mit ihm will der Bund den Holzmarkt regulieren. Weil die großen Schadholzmengen der vergangenen Jahre den Preis ins Trudeln gebracht hatten, ist der Fichtenholz-Einschlag nun rückwirkend zum 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021 auf 85 Prozent des durchschnittlichen Einschlags der Jahre 2013 bis 2017 beschränkt. Die großen Forstbetriebe können den Mengenverlust ausgleichen, indem sie das Holz, das sie verkaufen können, eben auf einer größeren Fläche einschlagen. Die kleinen Waldbauern müssen sehen, wie sie zurecht kommen. "Für einen Waldbesitzer, der zum Beispiel nur drei Hektar hat, rentiert sich der Einschlag aktuell kaum noch."

Wird dann auch das Brennholz teurer? "Ein Engpass ist zur Zeit nicht abzusehen", erklärt Hausmann die aktuelle Marktlage. Größere Preissprünge nach oben oder unten seien deswegen gerade nicht zu erwarten. Das könne sich natürlich ändern. Zum Beispiel, wenn Stürme großflächig für Windbruch sorgen, oder durch erneute Dürreperioden der Borkenkäfer wieder zuschlagen kann. Doch danach sieht es zumindest nach der aktuellen Regenwoche nicht aus. Die Feuchtigkeit tut den Bäumen gut und gefällt dem Käfer nicht so sehr - ein Segen für den Privatwald in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach, an dem der internationale Exportboom einigermaßen vorbeizugehen scheint.

Hintergrund zur großen Nachfrage nach Baustoffen

Tirschenreuth
Info:

Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach

  • Rund 2300 Mitglieder aus Amberg und dem Landkreis Amberg-Sulzbach
  • 25.000 Hektar Waldfläche in der Region
  • Privater und kommunaler Waldbesitz
  • Bis zu 90.000 Festmeter Holzeinschlag pro Jahr
  • Für den Einschlag werden Unternehmen engagiert
  • https://fbg-amberg.de/

 

 

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