16.01.2020 - 17:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Kein versuchter Mord, aber auch keine Bewährung

Die Vorwürfe: Widerstand und tätlicher Angriff auf Polizeibeamte sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis. Das Urteil: Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Der Täter: ein 52 Jahre alter Monteur aus Amberg.

Ein Amberger Monteur ist in Regensburg zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden.
von Autor AHSProfil

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg hatte sich unter dem Vorsitz von Richter Michael Hammer mit diesem Fall zu beschäftigen. Wie bereits berichtet, war der Angeklagte am 1. Mai vergangenen Jahres zu mitternächtlicher Stunde auf der Straubinger Westtangente unterwegs, als er von zwei Polizeibeamten zu einer Kontrolle heraus gewunken wurde. Den Aussagen der beiden Beamte zufolge habe er sich mit hoher Geschwindigkeit dem Kontrollpunkt genähert. Zunächst habe er abgebremst, um dann wieder Gas zu geben und sei auf die Beamten zugefahren. Diese haben sich nur mit einem Sprung zur Seite retten können. Daraufhin verfolgten sie das Auto und stellten den Angeklagten auf einem Hof.

Die Angaben der Polizeibeamten im Laufe des Ermittlungsverfahrens führten letztendlich dazu, dass dem Amberger ein zweifach versuchter Mord vorgeworfen wurde. Deshalb saß er ab 1. Juli vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Nach einem Ortstermin unter realen Bedingungen im Dezember vergangenen Jahres sah jedoch die Schwurgerichtskammer insoweit keinen dringenden Tatverdacht mehr und hob den Haftbefehl auf. Der vorläufigen Einschätzung des Schwurgerichts folgte der Staatsanwalt und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Der Verteidiger sah nur den Tatbestand des Fahrens ohne Fahrerlaubnis erfüllt. Er sprach sich für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen à zehn Euro aus.

In seiner mündlichen Urteilsbegründung setzte sich der Gerichtsvorsitzende intensiv mit den Aussagen der beiden betroffenen Polizeibeamten auseinander, die während des Ermittlungsverfahrens und auch im Zeugenstand ihre Sachverhaltsdarstellungen immer wieder korrigierten. Dies sei der Dramatik der damaligen Situation geschuldet, sagte Richter Hammer, der die Zeugenaussagen im Kern als durchaus glaubhaft wertete. Der Angeklagte konnte die Kontrollstelle überschauen und habe nicht blind Gas gegeben. Für eine Tötungsabsicht sei kein Motiv erkennbar. Ebenso gebe es für eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit infolge des vorangegangenen Alkohol- und Kokainkonsums keine Anhaltspunkte. Das Durchbrechen der Kontrollstelle sei eine Spontantat gewesen, die "in eine verletzungsgeneigte Handlung" mündete.

Da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter laufender Reststrafen-Bewährung stand, auch hier saß er alkoholisiert am Lenkrad, kam eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung nicht in Betracht.

Die Vorgeschichte

Amberg
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