27.02.2020 - 17:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Keine Angst vor Corona-Virus

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Hatschi! Bellender Husten. Wer in diesen Tagen erkältet ist, erntet womöglich ängstliche Blicke von Passanten. Das Corona-Virus ist zur Pandemie in den Nachrichten geworden. Wie bereiten sich Krankenhäuser in der Region Amberg-Sulzbach vor?

Wie bereiten sich die Krankenhäuser in der Region Amberg-Sulzbach auf die Ausbreitung des Corona-Virus' vor?
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Bei Roland Brey, dem Leiter des Gesundheitsamts Amberg-Sulzbach, ist dieser Tage eine Nachfrage in Sachen Corona-Virus eingegangen: Dürfen wir im Verein jetzt noch ein Fußballturnier veranstalten? Für den Mediziner ein durchaus alarmierendes Zeichen, welche Dimensionen die Corona-Welle inzwischen angenommen hat. "Ich glaube, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen sind jetzt schon größer als die medizinischen", sagt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Brey will das neuartige Sars-Virus keineswegs verharmlosen, doch weist er gleichzeitig darauf hin, dass es in Stadt und im Landkreis gleichzeitig 450 gemeldete Fälle von Influenza, also Grippe, gebe. Ohne den medialen Großaufschlag, den Corona derzeit hat.

Die Coronavirus-Panik geht um in Europa

Deutschland und die Welt

Brey hegt ohnehin den leisen Verdacht, dass das Corona-Virus auch schon länger bei uns unterwegs ist. "Aber wahrscheinlich ist es im Grippegeschehen einfach untergegangen." Erst jetzt, wo gezielt getestet werde, fallen seiner Ansicht nach die bisher unentdeckten Corona-Patienten auf. "Wir haben wahrscheinlich tausende von Menschen mit Grippesymptomen, da sind eventuell auch welche mit Corona dabei." Grund zur Panik besteht seiner Einschätzung nach aber nicht. Denn der Verlauf der Krankheit sei so ähnlich wie bei einer Grippe. "Das ist ja nicht die Pest, die da plötzlich kommt."

Nachfragen beim Gesundheitsamt

Brey versteht die Menschen, die sich beim Gesundheitsamt melden und verunsichert nachfragen, weil sie beim Karneval in Venedig oder in China waren. Auf Corona getestet werde aber nur, wenn auch wirklich ein Verdacht bestehe. Viel wichtiger ist es laut Brey auch, die ganz "normalen" Hygiene-Grundsätze zu beachten: häufiges Händewaschen zum Beispiel. "Aber bei uns ist es leider so, dass man überall, wo man hinkommt, die Hände entgegen gestreckt bekommt." Weniger Körperkontakt mit Fremden, beispielsweise der Verzicht auf den Friedensgruß in den katholischen Kirchen, da wäre seiner Einschätzung nach schon viel gegen die Ausbreitung des Virus getan.

"Augenmaß ist die Devise", sagt Brey, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Krankenhäuser zwar vorbereitet sind, trotzdem manche Dinge knapp werden. Beispielsweise die Gesichtsmasken und Schutzanzüge, die oft auch noch in China produziert werden. "Aber China liefert nicht mehr." Aus diesem Grund sei beispielsweise die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts ergangen, Gesichtsmasken zu desinfizieren und dann wiederzuverwenden. "Das Problem ist hier einfach die Vorratshaltung, weil ein Krankenhaus ja bestimmte Dinge nicht für Monate voraus bevorraten kann."

Kliniken gut vorbereitet

Das Klinikum St. Marien sieht sich gut vorbereitet für etwas, das nach der Einschätzung seines Ärztlichen Direktors Dr. Harald Hollnberger wohl auch kommen wird: den Umgang mit Corona-Patienten. Das Klinikum greife dabei auf Einsatzpläne zurück, die vor zwei Jahren für die Influenza-Epidemie gemacht worden seien. "Trotzdem versuchen wir ruhig und gelassen zu bleiben", sagt Hollnberger im Wissen, dass sich das Vorgehen bereits vor zwei Jahren gut bewährt hat. Sollte Corona bei uns ausbrechen würden zunächst die speziell eingerichteten Zimmer mit einer Schleuse belegt. "Wir scheuen aber auch nicht davor zurück, eine ganze Abteilung zur Isolationsstation zu machen." Sorgen macht Hollnberger allein die Tatsache, dass auf dem Beschaffungsmarkt für manche medizinischen Artikel tatsächlich bereits Engpässe herrschen.

Was tun gegen das Corona-Virus?:

Hygiene ist das A und O

Gegen Corona gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine spezielle Impfung und kein besonderes Medikament. Beste Vorsorge ist nach Einschätzung von Experten immer noch das gründliche Waschen der Hände. Wer niesen muss, sollte das in die eigene Armbeuge tun. Und wenn es sich vermeiden lässt, sollte man auch das exzessive Händeschütteln unterlassen. Im Prinzip gelten die gleichen Regeln, die auch zum Schutz gegen die Grippe anzuwenden sind. Denn auch der neuartige Corona-Virus wird nach bisherigen Erkenntnissen der Mediziner über eine Tröpfcheninfektion übertragen – beispielsweise durch anniesen.

Friedensgruß vermeiden

Als erste deutsche Diözese hat Stuttgart-Rottenburg die Empfehlung ausgesprochen, grundsätzlich auf den Friedensgruß, der vor allem in der katholischen Kirche praktiziert wird, zu unterlassen. Wer dem Banknachbarn ein Zeichen des Friedens geben will, kann es beispielsweise machen wie die Katholiken in asiatischen Ländern: Sie legen die Hände zusammen und verbeugen sich leicht. „Ratsam ist vorübergehend auch eine Zurückhaltung bei der Nutzung des Weihwasserbeckens in den Kirchen“, gibt die Deutsche Bischofskonferenz den Gläubigen mit auf den Weg. Mundkommunion und Umarmungen seien derzeit möglichst nicht vorzunehmen.

Grundsätzlich gilt laut Deutscher Bischofskonferenz: „Die Grundregel zur Minderung der Erkrankungsgefahr lautet: Wer Symptome einer Erkrankung aufweist oder bei wem der Verdacht auf Erkrankung besteht, soll auf die Teilnahme an Gottesdiensten verzichten.“ Das gelte sowohl für Priester als auch für Ministranten und die Gläubigen.

Daher muss das St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg derzeit tief in die Tasche greifen. "Zehnmal so viele Gesichtsmasken haben wir bestellt", sagt Vorstand Klaus Emmerich mit einem kurzen Lachen. Dann wird er ernst und erklärt: "Krankenhäuser sind immer sehr gut auf Pandemien eingestellt." Der Noro-Virus oder die Influenza - sie alle seien ebenfalls Pandemien.

Die üblichen Hygienevorschriften und Pläne dafür seien schon längst in Kraft. "Patienten bleiben im Zimmer, auch das Essen wird dorthin gebracht. Gesichtsmasken, Desinfektion der Hände sind sowieso klar." Die Krankenhaus-Mitarbeiter tragen Einweg-Schutzkleidung, die sofort nach Verlassen des Patientenzimmers entsorgt wird.

Abstimmung mit Gesundheitsamt

Am Freitag will sich Emmerich unter anderem mit dem Gesundheitsamt abstimmen, ob es weitere "spezifische Schutzmaßnahmen" für den Corona-Virus brauche. "Ich möchte vor allem die Menschen beruhigen. Denn die Krankenhäuser in Deutschland sind in großem Maße auf solche Vorfälle vorbereitet." Unter anderem könnte es bei dem Treffen um die Frage gehen, wie man mit Krankenhaus-Besuchern umgeht, die geschützt werden sollen oder aber selbst das Virus in die Einrichtung bringen könnten. "Purer Aktionismus ist aber kontraproduktiv´."

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