13.09.2020 - 14:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Keine Schranken für die Bahn

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Amberg, Hirschau, Gebenbach: Unbeschrankte Bahnübergänge können gefährlich sein. Eine Gesetzesänderung zur Finanzierung von Umbauten soll helfen, Risikostellen zu beseitigen. An entsprechenden Stellen in der Region ist das eher kein Thema.

Schranke oben, wenn kein Zug fährt: Es gibt noch einige technisch ungesicherte Bahnübergänge in Bayern. In Amberg sind es zum Beispiel zwei, die aber an einer privaten Straße liegen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Wenn sich bislang eine kommunale Straße oder ein Weg mit einer Eisenbahnstrecke gekreuzt hat und der unbeschrankte Bahnübergang mit einer Baumaßnahme entschärft werden sollte, mussten Bund, Bahn und Kommunen die Kosten zu je einem Drittel übernehmen.

Im März brachte das Bundesverkehrsministerium eine Gesetzesänderung auf den Weg: Künftig trägt der Bund die Hälfte, die Eisenbahn ein Drittel, das Land ein Sechstel der Kosten. Es soll ein Anreiz sein, dass noch mehr Bahnübergänge verschwinden.

Hälfte technisch gesichert

In Amberg liegen die beiden Übergänge an der Sandstraße und an der Neumühler Straße auf öffentlichen Verkehrsflächen. Beide sind beschrankt. Laut der Deutschen Bahn sind von den insgesamt 3131 Bahnübergängen in Bayern (Stand 2018) aber etwa nur die Hälfte „technisch gesichert“. An 1631 gibt es keine Schranke.

So ist das wiederum auch am Bahnübergang in Neumühle an zwei weitere Stellen. Einmal in Richtung eines Discounters und einmal zu einem Gasthof. Nach Auskunft der Stadt befinden sich jedoch beide Übergänge auf Straßen in Privatbesitz.

Wie gefährlich ein Zusammentreffen mit einer Lok sein kann, erlebten drei Insassen eines VW-Busses im Herbst 2019 an genau dieser Stelle. Ihr Fahrzeug kollidierte mit einer Rangierlok auf einer Bahnstrecke, auf der normalerweise nur die Kaolinwerke in Hirschau/Schnaittenbach bedient werden. Die Lok erfasste auf ihrer Tour stadtauswärts den Kleinbus mit seinem ortsunkundigen Fahrer und zwei Mitfahrern. Zwei der Arbeiter zogen sich mittelschwere Verletzungen zu, der dritte leichte. Gegenüber der Polizei erklärte der 29-jährige Lokführer, dass er vor dem unbeschrankten Bahnübergang zweimal ordnungsgemäß einen Warnton abgegeben hat. Der VW-Bus-Fahrer fuhr trotzdem los. Der Zusammenstoß auf den Gleisen war unvermeidbar.

Zwei Warntöne und trotzdem gefahren: VW-Bus kollidiert mit Lok

Amberg

Die Deutsche Bahn verweist indes auf positive Veränderungen. „In den vergangenen Jahren hat die Bahn mit den Gemeinden und Eigentümern der Straße viele Übergänge beseitigt. Seit 1950 konnte die Anzahl der Kreuzungen zwischen Schiene und Straße mehr als halbiert werden“, wird Sprecherin Nicole Knapp in einer Pressemitteilung zitiert. Diese Entwicklung, Aufklärung sowie zunehmend technische Sicherungen sorgten nach Unternehmensangaben für weniger Unfälle: 1995 waren es noch 603, 2018 sank die Zahl auf 146.

Nur Andreaskreuze an Kaolinbahn

Ortswechsel: In Hirschau kreuzt die Bahnstrecke, auf welcher eine Güterlok zweimal am Tag zum Kaolinwerk fährt, an mehreren Stellen die Straße durch den Ort. Immer wieder macht sich eine Gruppe, bestehend aus Vertretern der Bahn, Stadt und Polizei, bei Verkehrsschauen ein Bild der Lage. Als problematisch sieht Bürgermeister Hermann Falk am ehesten den Übergang an der Kreuzung Nürnberger mit Amberger Straße. An beiden Seiten zeigen nur Andreaskreuze den Übergang an. Er sagt: „Aktuell gibt es keine Überlegungen, hier etwas zu ändern.“ Ob die Bahn den Übergang selbst angreife, wisse er nicht. Die Flächen um die Strecke seien im Besitz der Bahn.

Der Bahnübergang in Hirschau, wo sich Nürnberger und Amberger Straße treffen, ist nur mit Andreaskreuzen auf jeder Seite angezeigt. Eine technische Sicherung wie eine Schranke oder Lichtanlage gibt es hier nicht.

Falk weiß seit Anfang September aus dem Mitteilungsblatt des Bayerischen Gemeindetags von der Gesetzesänderung. Er geht davon aus, dass er vom Landkreis beziehungsweise aus München Post bekomme, wenn man dort denke, der Bahnübergang sei gefährlich. "Dann diskutieren wir im Stadtrat darüber." Sollte seine Verwaltung den Auftrag erhalten, Kontakt mit der Bahn aufzunehmen, geht Falk nicht davon aus, dass schnell etwas passiere. "Mit der Bahn wäre das ein längerer Weg, bis man etwas sieht." Die grundsätzliche Änderung, dass seine Gemeinde bei einer möglichen Baumaßnahme nichts mehr bezahlen müsse? "Das schafft sicherlich einen Anreiz, dass mehr Bahnübergänge jetzt vielleicht angegangen werden."

Gebenbach: Langsam wie ein Traktor

Bürgermeister Peter Dotzler hat auf seinem Gemeindegebiet in Gebenbach sieben Stellen, an denen Feldwege beziehungsweise Gemeindestraßen über die Gleise führen. "Es fahren aber wenig Züge, und vor allem ist es kein Personenverkehr", sagt er. Etwa viermal am Tag fahre die Bahn mit etwa 30 Kilometer pro Stunde durch, erklärt er. So langsam wie ein Traktor.

Und genau ein Bulldog war es, der im April mit einer Lokomotive in Konflikt geriet. Just als die Lok an dem Feldweg vorbeifuhr, wollte ein 51 Jahre alter Traktorfahrer, der mit einem Güllefass unterwegs war, den Übergang überqueren. Der Landwirt bemerkte zwar den herannahenden Zug, bremste abrupt ab und versuchte noch, schnell rückwärts zu rangieren. Auch der Lok-Führer leitete eine Vollbremsung ein. Allerdings ließ sich ein Zusammenstoß nicht mehr vermeiden. Verletzt wurde niemand.

Gebenbach: Lok kollidiert mit Traktor

Gebenbach

Dotzler weiß auch erst seit kurzem von der Gesetzesänderung. "Ich sehe aktuell aber keinen Handlungsbedarf. Wer weiß, wie lange es die Kaolin-Strecke überhaupt noch gibt?" Er sagt, dass es schwierig sei, die beiden innerörtlichen Straßen zu verlegen, um den Bahnübergang zu vermeiden. Der Unfall, der im April geschah, sei harmlos gewesen. "Der Traktor ist fast gestanden." Einen großen Schock habe der Bauer eben erlitten. "Hier passieren keine schweren Unfälle."

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