Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (164 vor Christus) nach dem erfolgreichen Makkabäer-Aufstand. Eine Rolle dabei spielte ein Leuchter, die Menora, dessen Licht im Tempel niemals erlöschen sollte. Der Überlieferung nach war nach der Eroberung der Syrer nur noch ein Krug geweihtes Öl vorzufinden. Dieses reichte jedoch bloß für einen Tag. Um neues, geweihtes Öl zu produzieren, wurden aber acht Tage benötigt. Wie durch ein Wunder brannte das Licht allerdings acht Tage - so lange, bis neues, geweihtes Öl hergestellt worden war.
Daran erinnern die acht Lichter des Chanukka-Leuchters. Jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende alle brennen. Tatsächlich hat der Leuchter aber neun Arme oder Lichterhalter, das neunte Licht ist der Diener (hebräisch: Schamasch). Mit diesem werden die anderen angezündet. Während des Gebets in der Synagoge am Sonntagabend übernahm Noah, der im Mai seine Bar Mizwa gefeiert hatte, das Kerzenzünden. Im Anschluss gingen alle nach oben in den Gemeindesaal.
Dort gaben Kantor Michael Azogui aus Israel und Pianist Doron Burstein ein Konzert, spielten und sangen traditionelle jüdische Lieder, die zu Chanukka sehr beliebt sind. Zum Beispiel Maos Zur (Festung und Fels), das - wie viele andere Chanukka-Lieder - davon erzählt, wie das jüdische Volk durch Gottes Hilfe viele Male aus feindlichen Händen errettet wurde. Sehr populär ist auch das israelische Lied "Jeruschalajim schel Sahav" (Jerusalem aus Gold), das Azogui und Burstein ebenfalls vortrugen und in dessen Refrain die Gemeinde einstimmte. Laut Rabbiner Elias Dray, der alle Lieder kurz vorstellte, stammt es von 1967. Besungen wird darin die Sehnsucht nach Jerusalem, da die Altstadt damals noch unter jordanischer Kontrolle stand und somit für Juden nicht zugänglich war. Als kurz darauf der Sechs-Tage-Krieg begann und die israelische Armee den Tempelberg einnahm, wurde eine weitere Strophe eingefügt - aus Freude über die Wiedervereinigung Jerusalems. Dray erklärte auch, das Pianist Burstein erst vergangene Woche für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gespielt hatte, als dieser am Kerzenzünden für Chanukka am Brandenburger Tor in Berlin teilnahm.
Laut Rabbiner Elias Dray stehen die Kerzen am Chanukka-Leuchter zwar für die wundersame Vermehrung des Öls für die Menora im Tempel, aber auch für viele alltägliche Wunder, wofür man Gott danken müsse: "Dass wir atmen, sehen und laufen können, dass unser Körper funktioniert, auch das ist ein Riesen-Wunder." In der Pause des Konzerts gab es ein Festessen, das Frauen der israelischen Kultusgemeinde vorbereitet hatten. Und nach dem Rinderbraten mit Knödel und Blaukraut wurden noch süße Krapfen gereicht - traditionell wird nämlich zu Chanukka in Öl Gebackenes gegessen.
Und die Kinder freuten sich natürlich über das Chanukka-Geld, das ihnen der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde schenkte.













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