13.01.2022 - 17:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Kiffen soll legalisiert werden: Was ein Staatsanwalt und ein Polizist davon halten

Der Cannabis-Konsum soll in Deutschland erlaubt werden. Das steht im Koalitionsvertrag. Ein Amberger Staatsanwalt und ein Sulzbach-Rosenberger Polizist sehen in der Legalisierung vor allem Gefahren.

Die Ampel-Regierung will das Kiffen in Deutschland erlauben.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Kiffen im Coffeeshop: In Amsterdam längst Realität. Die Ampel-Regierung will den Konsum von Haschisch und Marihuana nun auch in Deutschland erlauben. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein. Dadurch wird die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet.“

Wenngleich noch unklar ist, wie die Legalisierung konkret ablaufen soll, eines steht fest: Für die Arbeit der Gerichte und der Polizei ändert sich einiges. Das zeigt alleine schon die Statistik. Zwischen 1. Dezember und 30. November hat es in Amberg, Amberg-Sulzbach und Schwandorf 1574 Betäubungsmittel-Straftaten gegeben, mit denen sich die Gerichte auseinandersetzen haben müssen.

„Das Groß aller Betäubungsmittel stellen Cannabis-Produkte wie Haschisch und Marihuana dar“, erklärt Jürgen Konrad, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Amberg. Zudem sei die Region mit Crystal-Speed überschwemmt. Kokain spiele fast gar keine Rolle, Heroin schon eher. Außerdem kommt es laut dem Oberstaatsanwalt immer mal wieder vor, dass Exotisches aufploppt: LSD oder sogenannte Magic Mushrooms etwa.

Joint als Einstiegsdroge

Eine Cannabis-Legalisierung sieht Konrad kritisch: „Ich erwarte nicht, dass es billig wird. Mit dem Preisgefüge am Schwarzmarkt wird das legale Cannabis nicht mithalten können.“ Deshalb glaubt der Oberstaatsanwalt: Der Schwarzmarkt bleibt fortbestehen. Außerdem sagt er: „Meine jahrzehntelange Erfahrung in der Justiz ist die, dass die schweren Jungs, die mit harten Drogen zu tun haben, mit 14, 15 oder 16 Jahren damit angefangen haben, einen Joint zu rauchen.“ Die Mär von der Einstiegsdroge stimme. Sie eröffne denjenigen, die etwa Marihuana oder Haschisch konsumieren, einen gewissen Markt und ein bestimmtes soziales Umfeld.

Auch Alexander Ehemann von der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg bezeichnet Cannabis als Einstiegsdroge. Er sagt: „Ich sehe durch die Legalisierung jetzt nicht die Welt untergehen. Aber es werden dadurch neue Felder entstehen, die uns dann wieder beschäftigen.“ Das Unrechtsbewusstsein in Bezug auf Betäubungsmittel könnte sinken und die Neugierde auf Cannabis-Produkte steigen. "Die Legalisierung nimmt der ganzen Sache ein bisschen die Delinquenz. Wie ich jetzt in der Kneipe ein Bier trinke, rauche ich dann eben einen Joint." Und einige setzen sich dann sicher trotzdem hinters Steuer. "Das Autofahren unter Drogeneinfluss bleibt ja etwa weiterhin strafbar."

"Nur noch mehr Konsumenten"

Aktuell würden Aufgriffe von geringen Cannabis-Mengen bei Verkehrs- oder Personenkontrollen zur Normalität im Polizeialltag zählen. Wegen der sich anbahnenden Legalisierung ist es laut Ehemann aber generell nicht so, dass dadurch die Fallzahlen in den Keller gehen. Wird der Cannabis-Konsum freigegeben, sei damit zu rechnen, dass dadurch "nur noch mehr Konsumenten generiert werden".

Ehemann, der nach eigenen Aussagen auch schon in der Drogenprävention gearbeitet hat, weist auf die Gefahren von Haschisch und Co. hin: "Beim Konsum in der Pubertät besteht die Gefahr auf bleibende Entwicklungsschäden."

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"Ich erwarte nicht, dass es billig wird. Mit dem Preisgefüge am Schwarzmarkt wird das legale Cannabis nicht mithalten können."

Jürgen Konrad von der Staatsanwaltschaft Amberg

"Die Legalisierung nimmt der ganzen Sache ein bisschen die Delinquenz. Wie ich jetzt in der Kneipe ein Bier trinke, rauche ich dann eben einen Joint."

Alexander Ehemann von der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg

 

 

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