An sieben Tagen im Jahr herrscht im Stadtteil Raigering Ausnahmezustand - dann ist Kirwa-Zeit. Im vergangenen Jahr feierte der 1907 gegründete Burschenverein von Mittwoch, 24., bis Dienstag, 30. Juli, im Prinzip durch. Doch heuer ist wegen Corona alles völlig anders. "Eine Kirwa darf es nicht geben," sagt Martin Sterk, dessen Garten traditionell als Schauplatz dient. So ganz ohne Tradition und Brauchtum wollten die Raigeringer aber dann doch nicht ins Wochenende gehen. Eine entsprechende Lösung war schnell gefunden: Bevor Sterk am Samstag um 17 Uhr unter strengster Einhaltung aller Pandemie-Vorschriften seinen Biergarten öffnete, waren die Burschen um ihren Vorsitzenden Oliver Zweck bereits fertig: Zu neunt hatten sie einen 14 Meter hohen Baum in die Senkrechte gehievt. Zehn Mann wären dafür maximal erlaubt gewesen, doch zu neunt ging es auch. Dafür ist der Baum heuer "nur" 14 Meter hoch. Ein größeres Exemplar, üblich sind so um die 30 bis 40 Meter, hätte den Einsatz von mehr als zehn Helfern erfordert. Darauf haben die Burschen mit Blick auf die Vorgaben verzichtet. So gibt es in Raigering zwar einen geschmückten Baum beim Sterk-Garten, aber kein Austanzen, keine Gesänge, kein Kirwabär-Treiben und auch kein Geldbeutelwaschen. "Wir machen nur das, was auch erlaubt ist", sagt der Brauerei-Chef und verweist auf die Abstandsregeln und Hygienevorschriften. Wer in den Biergarten will, benötigt einen Mund-Nase-Schutz und muss seine Daten hinterlassen. Das galt auch für die Burschen, die am Sonntagmittag einer Tradition folgten: Sie trugen schwarze Hosen, weiße Hemden und Hüte - und sie stießen mit den Moidln bei der einen oder anderen Maß auf das Brauchtum an. Denn das ist in Corona-Zeiten nicht verboten.
Kaum hatten die Burschen am Samstag vor dem Sterk-Garten ihren Baum aufgestellt, war auch schon die Polizei da. Allerdings aus einem anderen Grund: Am Freitag waren zwischen 15.30 und 22.30 Uhr persönliche Gegenstände eines Fieranten verschwunden, der seinen Verkaufswagen auf dem Festgelände geparkt hatte. Als der Geschädigte am Samstag um 17 Uhr zurückkehrte, musste er feststellen, dass zudem versucht worden war, den Anhänger aufzuhebeln. Laut Polizeiangaben blieb es beim Versuch. Der Gesamtschaden beträgt rund 1500 Euro. Zeugen sollen sich unter 890-320 melden.










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