20.12.2019 - 16:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Klackernder SUV steht schon wieder vor Gericht

Den einen macht es wahnsinnig, für den anderen ist es "maximal ein leichter Komfortmangel". Es geht um das Geräusch und Ruckeln, das ein Audi Q 5 beim Selbsttest seiner ABS-Anlage macht. Das wurde wieder einmal vor Gericht verhandelt.

Der Audi Q5 verleugnet seine Herkunft aus Mexiko nicht. Doch ein Käufer ist mit der Qualität des Fahrzeugs überhaupt nicht zufrieden. Ihn stört das KIackern, das das ABS-System bei einem Selbsttest verursacht.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Schon im September hatten sich die Parteien im Landgericht vor Zivilrichter Jan Prokoph getroffen, um dem "Klackern", wie es Bernd H. (Name geändert) juristisch auf den Grund zu gehen. Der Vielfahrer hatte sich vor einiger Zeit einen neuen Audi Q 5 gekauft. Der testet bei jedem Neustart bei circa 40 Stundenkilometer seine ABS-Anlage. Hörbar als leichtes Klicken, spürbar in Gas- und Bremspedal.

Für Bernd H. ist das unerträglich, er will seinen 60 000-Euro-Wagen an den Händler zurückgeben. Nun hatte der Kläger schon vor dem Gang zum Gericht etliche Hebel in Bewegung gesetzt, um den vermeintlichen Mangel beseitigen zu lassen. "Stand der Technik" lautete immer wieder die Begründung, warum er mit seinen Bemühungen nicht recht weit kam. Ob es sich bei dem Geräusch aber tatsächlich um einen Mangel handelt, konnte das Gericht im September auch nicht klären, ein Gutachter musste her.

Gutachter sieht keinen Schaden

Der legte am Montag im Landgericht das Ergebnis seiner Untersuchung vor. Peter Prechtl aus Pfatter hatte sowohl das Fahrzeug von Bernd H. als auch einen Vergleichs-Audi hinsichtlich des Klackerns untersucht. Sein Fazit: "Das Geräusch ist nur hörbar, wenn man darauf achtet. Und es ergibt sich eine geringe Vibration an Lenkrad und Pedalerie." Seiner Meinung nach also kein Grund, das Fahrzeug als mangelhaft zu bezeichnen. "Man benötigt schon konzentrierte Aufmerksamkeit, um es zu merken", gab er zu Protokoll.

Amberg

Als "Beweis" für seine Aussage hatte er einige Audio-Aufnahmen mitgebracht, die er bei seinen Testfahrten angefertigt hatte. Wobei besagtes Geräusch nur sehr leise zu hören, teilweise nur zu erahnen war. "Da war ja der Blinker lauter", stellte Richter Jan Prokoph hinterher fest und ergänzte: "Generell macht das durch die Welt bewegen eben Geräusche." Im Hinblick auf den Zivilprozess bedeutet die Einschätzung des Gutachter in Kombination mit der in "Ohrenschein" nehmen der Geräusche nichts Gutes für den Kläger. "Rechnen Sie mal damit, dass das bei mir unter Umständen nichts wird", gab der Richter Bernd H. - erst einmal unverbindlich - auf den Weg.

Käufer sehr unzufrieden

Nun wollte sich der aber nicht mit dem zufrieden geben, was sich da vor Gericht abgespielt hat. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass das ein geringer Mangel sein soll", sagte er und spielte seinerseits ein Audio-File des Klackerns vor, das er mit seinem Handy aufgenommen hat. "Wenn man so ein Fahrzeug kauft, dieses aber vibriert und schlägt, das kann nicht sein", sagte er mit Blick auf den Audi-Konzern: "Von wegen Vorsprung durch Technik". Denn tatsächlich, so hatte der Gutachter nüchtern festgestellt, scheint dieses Geräusch und Vibrieren beim Selbsttest des Antiblockiersystems bei einigen Audi-Modellen Stand der Technik zu sein. Wohl ein produktionstechnisch verursachtes Problem, an dessen Behebung nach Auskunft des Klägers bei Audi bereits gearbeitet wird, weil es zahlreiche Beschwerden gab.

Richter setzt sich ans Steuer

"Wenn ich so ein Auto kaufe, dann erwarte ich mehr Fahrgefühl wie in einem Dacia oder Lada", schimpfte der Kläger und lud schließlich den Richter dazu ein, mit dem Auto mal eine Probefahrt zu unternehmen. Da der Wagen auf dem nahen Parkplatz beim Landratsamt stand, willigte Jan Prokoph ein und setzte sich sogar selbst ans Steuer des Q 5. Zu welchem Ergebnis das führt, wird er demnächst bei der Urteilsverkündung bekanntgeben, so teilte er mit.

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