Buchstäblich alle Hände voll zu tun hatte die Trio- Besetzung des "Philharmonia Quartett Berlin" bei ihrem Konzert, um den Erwartungen des Publikums und den Ansprüchen der Komponisten Beethoven, Mozart, Schubert und als Zugabe Reger gerecht zu werden. Es waren nur drei Musiker-Musketiere, die ihr 35-jähriges, überaus erfolgreiches Bühnenjubiläum als Quartett im Stadttheater Amberg feiern konnten: Daniel Stabrawa (Geiger und erster Konzertmeister), Neithard Resa (Solobratschist) und Dietmar Schwalke (Cellist) - alle Mitglieder der Berliner Philharmoniker und echte Meister ihres Instruments. Christian Stadelmann, zweiter Geiger, fehlte leider krankheitsbedingt.
Mit diesem gravierenden Ausfall sei wohl „die Zeit des "Philharmonia Quartett Berlin" zu Ende gekommen“, erläutert Resa mit belegter Stimme die Situation. Aber das sehr vielseitige und sogar mit dem Echo Klassik dekorierte Spitzenquartett erkämpft sich am Donnerstagabend auch zu dritt eine Spitzenposition im Herzen des fachkundigen Publikums. Nach dem Motto: ‚einer für alle, alle für einen’ trumpfen sie mit ihren wohltönenden Waffen auf, dialogisieren perfekt und expandieren zu klanglicher Höchstleistung.
Die extrem anspruchsvolle Komposition Beethovens Streichtrio in G-Dur op 9 Nr. 1 fordert den Spielern alles ab und führt sie fast an die Grenzen des Spielbaren. Das alles geschieht mit einer Eleganz und Leichtigkeit, die Staunen macht. Die hohen technischen Anforderungen parieren die professionellen Spieler mit einer unglaublichen Sicherheit und mit atemberaubendem Elan. Ein spannendes Frage-Antwort-Spiel für drei Instrumente passiert auf der schmucklosen Bühne und zieht in den Bann.
Als reizvolle Miniatur und Bindeglied zwischen zwei großen Klassik-Heroen erweist sich Franz Schuberts Streichtrio B-Dur D471. Mit feinem Gespür für die Besonderheiten überzeugen die Drei mit virtuosem Spiel.
Mitreißend und spannend erzählt nach der Pause das Divertimento, KV 563, für Streichtrio. Es ist Mozarts längstes Kammermusikwerk und es enthält laut Kammermusikführer „zwei der schönsten und anspruchsvollsten Partien für Bratsche und Cello, die jemals geschrieben wurden, wobei er selbst stets die erstere spielte“. Volkstümlich verspielte Variationen wechseln in sechs kunstvollen Sätzen von fast 50 Minuten Spieldauer. Die drei Herren sind keine jungen Heißsporne mehr, aber mit kraftvoller Spielfreude meistern sie jede Schwierigkeit und zaubern ein königliches Musikvergnügen ins wundervoll verstaubte Ambiente des Stadttheaters, das den passenden Rahmen für diese Art von Musik gibt.
Alles ist akribisch geplant und ausgetüftelt und wirkt doch so leichtfüßig und locker, so zerbrechlich und doch auch wuchtig. Das Publikum ist hingerissen und dankt mit stürmischem Applaus. Zur Belohnung gibt’s noch eine Max-Reger-Zugabe.













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