Schilder mit "Milliardäre besteuern, Klima retten", "Ändert sich nichts, ändert sich alles", "No Plan(et) B", "Die Demokratie braucht dich" und "Wählt demokratisch", am Marktplatz spielt Max Högl Woody Guthries Polit-Klassiker "All you Fascists Bound to Lose". Das bedeutet: In Amberg war Klimastreik, der gleichzeitig eine Demo gegen Rechts und für die Demokratie war. Trotz klirrender Kälte versammelten sich rund 200 Teilnehmer im Maltesergarten, um in einem bunten Meer aus Plakaten und Bannern, mit Protestrufen, Trillerpfeifen und Trommeln zum Marktplatz zu ziehen. Dieses Mal gab es eine deutlich höhere Polizeipräsenz als bei den bisherigen Veranstaltungen. Jede größere Querstraße, wie zum Beispiel Rossmarkt oder Weinstraße, sperrten die Beamten mit einem quergestellten Polizeiauto ab, in jeder kleineren, wie dem Oberen Apothekergässchen, stand ein Polizist. Unter den Demoteilnehmern waren auch drei der Direktkandidaten für die Bundestagswahl. Neben Piet Gürtler (Grüne) und Susanne Witt (ÖDP) war auch der SPD-Kandidat David Mandrella da, obwohl er kurz drauf schon beim Generation-Z-Day im Energiekompetenzzentrum erwartet wurde, um mit jungen Menschen über Politik zu sprechen. "Wenn ich da schon hingehe, um über die wichtigen politischen Themen der jungen Leute zu sprechen, dann möchte ich mich hier auch dafür einsetzen", sagte er.
Stimme erheben
Carina Brandl von Fridays for Future Amberg sagte bei der Kundgebung auf dem Marktplatz, dass das Thema Klima im aktuellen Wahlkampf viel zu kurz komme. "Man hört das Wort nur, wenn es darum geht, Windräder abzubauen, den Klimaschutz zurückzufahren oder die Ziele weiter nach hinten zu stellen. Im Kanzlerduell gab es nicht eine Frage zum Klima und das, obwohl es ein Thema ist, das uns alle akut betrifft." Sie sprach von den Hochwassern der Vergangenheit, darüber, wie es den Wäldern geht, von der Wasserknappheit in manchen Teilen der Bundesrepublik. Alles schreite so rasend schnell voran, dass es sowohl für Tier als auch für Mensch unmöglich sei, sich dem anzupassen. "Niemand verlangt absoluten Verzicht, keiner ist perfekt. Aber was ihr ganz konkret tun könnt, um einen Beitrag zu leisten, ist, nutzt eure Stimme, heute hier am Marktplatz und nächste Woche in den Wahlkabinen." Was es jetzt brauche, das sei eine "zukunftsweisende sozial- und klimagerechte Politik" anstelle eines Verhaltens, das die Demokratie gefährde.
Milliardärssteuer gefordert
Antonia Enßner vom Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte erklärte, dass das Bündnis solidarisch mit den Vertreterinnen von Fridays for Future zusammenstehe. "Denn Klimagerechtigkeit und Demokratie gehen Hand in Hand. Für unsere gemeinsame Zukunft braucht es Lösungen für den sozial gerechten Ausbau und die Finanzierung erneuerbarer Energien für eine lebensfreundliche Zukunft für unsere Kinder." Es brauche den demokratischen Diskurs auf Augenhöhe, um "platte braune und blaue Parolen zu entkräften". "Wir brauchen keine Politik der Spaltung, keine hohlen Versprechungen."
Günther Sparrer von Greenpeace Weiden sprach über das Geld. "Angeblich ist Klimaschutz teuer", sagte er. Klimafreundliches Heizen, Bildung und der Ausbau von Bus und Bahn kosteten zu viel Geld. "Wir alle wissen, mit dieser Bundestagswahl steht viel auf dem Spiel, besonders für unsere Herzensthemen. Wir von Greenpeace sagen, es ist genug Geld da", sagte er und zeigte auf ein Banner, auf dem stand "Milliardäre besteuern, Klima retten". "Wenn die Superreichen, die die Klimakrise besonders stark anheizen, endlich ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl leisten, dann kann der Staat bis 2030 200 Milliarden Euro generieren. Geld, das wir dringend brauchen, um die sozialökologische Transformation zu finanzieren. Deswegen fordern wir eine Milliardärssteuer." Das heißt konkret: Vermögen ab 100 Millionen Euro soll mit zwei Prozent besteuert werden.
Kinder müssen es ausbaden
Beate May vom Bund Naturschutz fand drastische Worte. Es sei klar, dass sich die Welt längst mitten in einer Klimakatastrophe befinde. Es gelte, alles zu tun, um die Folgen abzumildern. "Die, die es ganz sicher mit voller Wucht treffen wird, das sind die, die hier auf Papas Schulter sitzen, im Kinderwagen liegen oder hier am Marktplatz rumfetzen. Ihr seid die wahren Verlierer. Und ich bin zutiefst beschämt, dass wir euch so eine Welt hinterlassen, dass wir so egoistisch alles ausgebeutet, alles zerstört haben."
Politiker sprechen mit Jugendlichen
Nur ein paar Meter weiter, im Energiekompetenzzentrum der Stadtwerke am Marktplatz, lief parallel zum Klimastreik der von der Email-Apotheke initiierte Generation-Z-Day. Dort saßen Jugendliche auf dem Podium, die direkt mit den Politikern ins Gespräch kommen konnten. Für die Neuntklässler des Max-Reger-Gymnasiums, Regina Sachsenhauser, Victoria Zeltner und Katharina Winkler und die 19-jährige Ladsika Balasingam war das aus ihrer Sicht schon mal ungewöhnlich. Denn auch wenn die Demo auf dem Marktplatz kein Thema bei der Podiumsdiskussion war, hatten die Jugendlichen ganz konkrete Vorstellungen davon, was Politik können muss. "Uns wurde nie gezeigt, wo wir uns richtig informieren können", monierte Katharina zum Thema "Beeinflussen Desinformationen unsere Wahlen?" Politik müsse einfacher erklärt werden, forderte Ladsika. Der Unterricht zu den Themen Politik und Gesellschaft beginne in der Oberstufe meist zu spät. Für Bundestagsabgeordnete Susanne Hierl (CSU) gehört ein Austausch mit Schülern zum Alltag: "Ich habe über 3000 Schüler getroffen, durch alle Schularten, wir sind nicht weit weg", beschrieb sie die Rolle der Politiker. Hans Martin Grötsch (FW), der aktuell für den Bundestag kandidiert, schrieb sich "einfach mal den Jugendlichen zuhören" auf die Fahnen. Für SPD-Kandidat David Mandrella war das alles kein Thema. "Ich bin selber erst 23 und Lehrer", er habe direkten Draht zu den Jugendlichen. Stattdessen empfahl er der älteren Generation, sich in Sachen Desinformationen fortzubilden. "Wenn ich mir die Kommentarspalten bei Facebook so anschaue, müssen alle lernen, mit Social-Media umzugehen."




























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