21.10.2020 - 14:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Klinik-Mitarbeiter fordern bessere Bezahlung

Er bestieg eine Stehleiter und sprach zum Volk wie ein Wanderprediger: Alexander Gröbner von der Gewerkschaft Verdi schwörte die Beschäftigten des Klinikums St. Marien am Mittwoch auf den Arbeitskampf ein.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Arbeitskampf klingt etwas zu martialisch für die Form der Auseinandersetzung, die die Mitarbeiter des Amberger Klinikums gewählt haben. Sie brachten ihre Position in einer "Aktiven Mittagspause" auf der Wiese vor dem Haupteingang zum Ausdruck, coronakonform und patientenfreundlich - mit Masken und Abstand, per Delegierte aus den einzelnen Stationen und nicht einmal eine halbe Stunde lang. Das zeigt laut Verdi-Vertrauensmann Reinhard Birner, wie verantwortungsvoll die Beschäftigten am Krankenhaus mit der Forderung nach einer angemessenen Entlohnung umgehen, gerade jetzt, wo die Coronazahlen auch in Amberg wieder ansteigen.

Alexander Gröbner, der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Oberpfalz, sprach den rund 100 Demonstrierenden aus der Seele. Beifall bekam er, als er das vorliegende Angebot der Arbeitgeber eine "Mogelpackung" nannte. Immer wenn die Gewerkschaft ein Anliegen durchsetze, knallten die Arbeitgeber eine Gegenforderung auf den Tisch, damit unter dem Strich wieder eine Null herauskomme. "Das ist eindeutig keine Grundlage für einen tragfähigen Kompromiss", sagte Gröbner. Derzeit sei zwar von einer Lohnerhöhung von 3,5 Prozent die Rede, allerdings in drei Stufen und über drei Jahre verteilt. "Laut dem Angebot der Arbeitgeber gibt es heuer erst einmal 0,0". Das sei gerade im Corona-Jahr ein völlig falsches Signal.

"Wir haben den Pflegenotstand nur deswegen", erklärte Gröbner, "weil die Finanzierung grottenschlecht ist". Und noch etwas rief er den Politikern zu: "Diejenigen, die vermögend sind, haben in der Corona-Krise gewonnen. Geld ist also genug da." Es komme darauf an, wie es verteilt werde und da sei die Politik gefordert. Zur Geldverteilung hatte auch Gewerkschaftssekretärin Marina Mühlbauer noch etwas anzumerken. Sie lobte zwar die Bemühungen, die Pflegekräfte an den Kliniken für ihren Einsatz während der Corona-Krise zu belohnen. Allerdings dürfe das nicht dazu führen, die Belegschaften an den Krankenhäusern zu spalten. In vielen Fällen herrsche Unverständnis, weil die eine Pflegekraft aufgrund ihrer spezifischen Tätigkeit in den Genuss des Bonus' komme, die andere aber nicht.

Am Donnerstag treffen sich die Tarifparteien des Öffentlichen Dienstes in Potsdam zur dritten Verhandlungsrunde. Verdi fordert für die 2,3 Millionen Beschäftigten bundesweit eine Erhöhung der Löhne um 4,8 Prozent, mindestens jedoch 150 Euro und die Anhebung der Auszubildenden-Vergütung um 100 Euro.

  • Das Klinikum St. Marien steht unter kommunaler Trägerschaft der Stadt Amberg
  • Am Klinikum arbeiten rund 1900 Menschen
  • Aufgegliedert ist das Krankenhaus auf 17 Fachabteilungen
  • 578 Betten stehen für Patienten zur Verfügung
  • Die durchschnittliche Verweildauer wird immer kürzer, lag zuletzt bei 5,59 Tagen
  • 2018 wurden insgesamt 42 531 Patienten behandelt
  • Das Finanzierungsdefizit des Klinikums lag 2019 bei 3,3 Millionen Euro

Kommentar zur Aktiven Mittagspause in Amberg

Amberg

Auch in Weiden haben Beschäftigte demonstriert

Weiden in der Oberpfalz

Der Geschäftsbericht 2018 des Klinikums St. Marien in Amberg

Info:

Aktuelle Corona-Lage am Klinikum

Die zweite Welle der Corona-Pandemie ist aktuell noch nicht am Klinikum St. Marien angekommen. Laut Pressesprecherin Sandra Dietl wurden am Mittwoch vier Patienten im Zusammenhang mit Covid-19 stationär in St. Marien behandelt - keiner davon war so schwer erkrankt, dass er auf die Intensivstation verlegt werden musste. Die Intensivstation in Amberg hat 47 Plätze, 26 Betten sind derzeit belegt.

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