25.03.2021 - 14:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Klinikum St. Marien Amberg: Vorstand streicht Parkticket-Bonus des Personals

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Das Klinikum St. Marien in Amberg steuert auch wegen der Pandemie auf das nächste Millionen-Defizit zu. Stadtrat und Verwaltungsrat erwarten Konzepte, was finanziell verbessert werden kann. Der Vorstand trifft eine unpopuläre Entscheidung.

Wer in St. Marien arbeitet und sein Auto im Parkdeck an der Marienstraße abstellt, muss ab April zehn Euro mehr pro Monat bezahlen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Der Stadtrat hat im Vorjahr beschlossen, neun Millionen Euro mehr an neuen Schulden aufzunehmen, um die Defizite des Klinikums St. Marien der vergangenen fünf Jahre in dieser Höhe auszugleichen. Oberbürgermeister Michael Cerny vertritt dazu eine klare Meinung. "Wir wissen, dass das nicht lange gut geht, wenn diese Defizite so hoch sind. Die Stadt kann das nur vorübergehend stemmen. Der Defizitausgleich übersteigt irgendwann einmal das, was wir als Darlehen noch aufnehmen dürfen", sagt der Rathauschef und Vorsitzende des Klinikum-Verwaltungsrats in einem Interview mit Oberpfalz-Medien, an dem auch Manfred Wendl, Vorstand in St. Marien, teilnahm.

Neue Regelung ab 1. April

In dem Gespräch, das Redakteur Thomas Kosarew führte, bestätigte Wendl, dass die erste Einsparungsmaßnahme bereits getroffen worden ist. Das Klinikum streicht ab Donnerstag, 1. April, den Mitarbeiter-Zuschuss für die Tickets auf den eigenen Stellplätzen und im Goldbeck-Parkhaus an der Marienstraße. Wendl: "Das ist ein Teil in dem Gesamtkonzept unserer Maßnahmen, wie wir uns im Klinikum besser aufstellen." St. Marien habe bisher für die Mitarbeiter die Hälfte der Gebühren im Parkhaus übernommen. Das sei eine freiwillige außertarifliche Leistung. Wendl: "An diesem Punkt haben wir uns nach Beratungen mit dem Verwaltungsrat darauf verständigt, dass wir diese freiwillige Leistung streichen. Zum 1. April. Das ist richtig."

Konkret geht es laut Manfred Wendl um exakt zehn Euro pro Monat und Person: "Auf unseren eigenen Parkplätzen haben wir bisher auch zehn Euro pro Monat an Parkgebühren verlangt. Das wird auf 20 Euro erhöht. Damit wir eine Gleichbehandlung aller Mitarbeiter haben. Diejenigen, die im Goldbeck-Parkhaus an der Marienstraße sind, wurden bisher mit zehn Euro bezuschusst. Das fällt nun weg. Für alle Mitarbeiter wird das Parken überall künftig das Gleiche kosten."

"Auf unseren eigenen Parkplätzen haben wir bisher auch zehn Euro pro Monat an Parkgebühren verlangt. Das wird auf 20 Euro erhöht."

Klinikumsvorstand Manfred Wendl

Am Klinikum gibt es laut Wendl aktuell 289 Einfahrtberechtigungen für Mitarbeiter auf eigenen Parkflächen und 35 fest reservierte Stellplätze. Insgesamt können also 324 Mitarbeiter auf den eigenen Parkflächen des Krankenhauses ihr Auto abstellen. Bei Goldbeck sind für das Klinikum insgesamt 845 Einfahrt-Tickets reserviert. Summiert man diese Zahlen, ergibt sich ein Betrag von etwa 160.000 Euro, die sich das Krankenhaus künftig pro Jahr sparen wird. Auf die Frage, ob das angesichts eines zu erwartenden Defizits von 3,8 Millionen Euro noch einen großen Unterschied macht, antwortet Wendl: "Wir haben das natürlich intensiv diskutiert. Aber wir müssen im Klinikum alle Anstrengungen unternehmen, um uns wirtschaftlich zu stabilisieren und die jetzt möglichen Maßnahmen umsetzen." Bisher seien das freiwillige Leistungen gewesen. Es gebe auf den Zuschuss zu den Parkgebühren keinen tariflichen Anspruch. Der Vorstand sagt im Interview aber auch: "Wir haben das bisher gern getan. Wir sind momentan aber in einer Situation, wo wir uns da finanziell schwertun."

St. Marien soll kommunal bleiben

Die Stadt Amberg habe im Vorjahr mit einem Zuschuss in Millionenhöhe die aufgelaufenen Defizite ausgeglichen und damit klar zum Ausdruck gebracht, "dass die Stadt hinter dem Klinikum und den Mitarbeitern steht". Gemeinsam sei ein ganz klares Ziel formuliert worden: "Wir wollen das Klinikum kommunal erhalten. Die Streichung freiwilliger Leistungen ist ein Beitrag, um dieses Ziel zu erreichen."

Manfred Wendl weist an dieser Stelle des Gesprächs darauf hin, dass während der Pandemie "viele Hilfen beschlossen" worden seien, von denen auch das Personal profitiert habe: "Für Pflegekräfte, für Mitarbeiter. Wir haben im Vorjahr Zuschüsse zu den Verpflegungsgeldern bekommen, die in voller Höhe an die Mitarbeiter weitergegeben wurden. Letztes Jahr wurden auch Zulagen für Pflegekräfte gezahlt."

Zudem seien durch einen Tarifabschluss Löhne und Gehälter im Öffentlichen Dienst gestiegen, vor allem für die Beschäftigten in den Krankenhäusern. Und dann seien da noch die Pflegezulage sowie die Aufstockung der monatlichen Intensiv- und Wechselschichtzulagen. Da fielen die zehn Euro pro Monat für das Parken nicht so sehr ins Gewicht, wie sich vermuten ließe.

Dem Klinikumsvorstand ist noch etwas wichtig: St. Marien habe am alten Güterbahnhof am Pfalzgrafenring eine Parkfläche angemietet, auf der auch weiterhin kostenlos Parkplätze angeboten werden. Wendl dazu: "Die Entfernung zu diesen Parkplätzen beträgt etwa 800 Meter beziehungsweise circa acht bis zehn Minuten Fußweg."

Hier geht's zum kompletten Interview mit Klinikumsvorstand Manfred Wendl

Amberg
Kommentar:

(K)ein Schlag ins Gesicht

Nicht sehr viel könnte in Corona-Zeiten gerade in Krankenhäusern demotivierender sein, als dem Personal an den Geldbeutel zu gehen. Unzählige der rund 2000 Mitarbeiter leisten seit einem Jahr Außergewöhnliches und empfinden die Bonus-Streichung daher als Schlag ins Gesicht. Wer sich aber jeden Tag aufopfert, um Patienten bestmöglich zu versorgen, sollte auch daran interessiert sein, dass sein Arbeitgeber gesund bleibt beziehungsweise wird. Finanziell. Es mag für Betroffene ein schwacher Trost sein: Im Gegensatz zu vielen anderen müssen sie nicht in Kurzarbeit gehen oder gar um ihre Existenz bangen. Das allein wäre vielen anderen Beschäftigten zehn Euro im Monat wert.

Thomas Kosarew

Das Klinikum St. Marien hat am alten Güterbahnhof am Pfalzgrafenring eine Parkfläche angemietet. Diese Plätze bleiben für Mitarbeiter kostenlos.
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