Ging es in der Vergangenheit oft um Minuten, wenn ein Mensch einen Schlaganfall erlitt, liegt das sogenannte "therapeutische Fenster", also der Zeitraum innerhalb dessen noch ohne Folgen für die Patienten behandelt werden kann, dank des technischen Fortschritts inzwischen bei 4,5 Stunden. Möglich macht das unter anderem die Thrombektomie, also die Entfernung von Gefäßverschlüssen im Gehirn. Die sogar bis zu 16 Stunden nach dem Schlaganfall noch wirksam eingesetzt werden kann. Das Amberger Klinikum verfügt über die entsprechende Ausrüstung, gilt also nicht nur in Fachkreisen als Top-Adresse bei der Behandlung von Schlaganfällen.
Dr. Frank Huber, der Chefarzt für Neurologie, stellte im Verwaltungsrat des Klinikums jetzt den Plan vor, das Klinikum in das Schlaganfall-Netz Tempis zu integrieren. Dabei geht es darum, den Patienten eine Schlaganfallbehandlung auf sehr hohem Niveau zukommen zu lassen, indem man sie sehr schnell in ein für sie geeignetes Klinikum verlegt und dort versorgt. Tempis (Telemedizinisches Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung) ist vor einigen Jahren im südbayerischen Raum um München herum entstanden und umfasst inzwischen auch das Uniklinikum Regensburg sowie Krankenhäuser in Schwandorf, Cham und Burglengenfeld.
Aufnahme in Tempis
Weil Amberg unter anderem die Thrombektomie in einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung anbieten kann, soll das Klinikum in diesem Tempis-Verbund aber kein "Normal"-Krankenhaus mit Stroke-Unit, sondern eine Anlaufstelle für die schwierigeren Fälle aus der Region werden. Voraussetzung dafür ist die Zertifizierung, also Auszeichnung, als "Überregionale Stroke-Unit", die das Klinikum im Juni 2022 erhalten hat. Daraufhin wurden erste Kontakte und Gespräche mit den Netzwerk-Koordinatoren von Tempis geführt, im Januar 2023 erfolgte die offizielle Antragsstellung zur Aufnahme ins Netzwerk. Nachdem das bayerische Gesundheitsministerium die entsprechenden Planungsgrundsätze bekanntgegeben hat, steht nun der Integration des Klinikums St. Marien in Tempis nach Aussage von Chefarzt Dr. Frank Huber nichts mehr im Wege – und zwar als höherwertiges Thrombektomie-Zentrum. Aktuell seien die entsprechenden Verträge in Vorbereitung.
Praktisch gesehen würde die Aufnahme in Tempis für das Amberger Klinikum bedeuten, dass nicht nur die "normalen" sowie schwerwiegende Schlaganfälle aus der näheren Region hier behandelt werden. Vom Netzwerk verspricht man sich unter anderem auch, dass beispielsweise das Uniklinikum in Regensburg durch die Verlegung von Patienten nach Amberg entlastet werden kann. Was umgekehrt wieder zu einem Ansteigen der Behandlungszahlen in Amberg führen würde.
Netzwerke immer wichtiger
"Netzwerkversorgung wird in Zukunft für die Kliniken immer wichtiger", ordnet der Ärztliche Direktor des Klinikums, Dr. Harald Hollnberger, diese Entwicklung ein. Nicht jedes Krankenhaus, nicht jede Klinik kann seiner Aussage nach alle Leistungen vorhalten. Insofern sei es eben wichtig, Zentren wie das Klinikum St. Marien in solchen Verbünden wie Tempis zu machen.
Dass das Amberger Klinikum sich erst jetzt auf diesen Weg macht, hängt nach Aussage von Dr. Huber damit zusammen, dass man bisher mit dem Klinikum in Weiden ein eigenes kleines Netzwerk unterhalten habe. Das aber inzwischen aufgegeben worden sei. Weiden suche jetzt im Gegensatz zu Amberg den Anschluss ins Steno-Netzwerk, das eher den fränkischen Großraum Nürnberg/Erlangen/Bayreuth abdeckt.
Behandlung von Schlaganfallpatienten in Amberg
- Das Klinikum St. Marien versorgt rund 600 Schlaganfallpatienten pro Jahr
- 500 Schlaganfallpatienten liegen auf der überregionalen Stroke-Unit
- Letzte Zertifizierung: Juni 2022
- Seither darf sich das Klinikum St. Marien "überregionales Schlaganfallzentrum" nennen
- Das Klinikum ist in der Lage sogenannte Thrombektomien (Entnahme von Gefäßverschlüssen aus dem Gehirn) im Haus durch eigene Radiologen zu machen
- Sie haben dafür einen eigenen Dienstplan mit einer Rund-um-die-Uhr Versorgung (24/7)













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