01.06.2021 - 15:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Knapper Impfstoff bremst die Amberg-Sulzbacher Impfzentren

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Corona-Impfstoff bleibt ein knappes Gut. In den Impfzentren in Amberg und Sulzbach-Rosenberg laufen deshalb momentan nur Zweitimpfungen. Wer seinen Termin dafür schon hat, hat seine Dosis aber sicher, verspricht das BRK.

Im Impfzentrum Sulzbach-Rosenberg werden Spritzen für Corona-Impfungen vorbereitet. Momentan allerdings nur für Menschen, die die erste Dosis schon bekommen haben.
von Heike Unger Kontakt Profil

"Sehr schleppend" laufe es bei den Erstimpfungen derzeit, bedauert BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller, der für die Corona-Impfzentren in Amberg und Sulzbach-Rosenberg verantwortlich ist. Gerade mal 79 Dosen Moderna habe man in den vergangenen sieben Tagen für Erstimpfungen ausgeben können. Die Lieferung kam am 25. Mai, seitdem habe man keine weiteren für Erstimpfungen mehr bekommen. Also konzentrieren sich die Impfzentren jetzt auf die Folge-Termine für diejenigen, die ihre erste Spritze schon bekommen haben. 1740 solcher Termine gab es laut Schaller in den vergangenen sieben Tagen. Auch das sei deutlich weniger, als es in den zurückliegenden Wochen der Fall war: Der Impfstoff ist einfach weiterhin knapp.

Als der Nachschub vorübergehend richtig rollte, herrschte in den beiden Impfzentren Drei-Schicht-Betrieb an sieben Tagen die Woche. Davon ist Schaller derzeit abgerückt. Zwar habe man gestern wieder einen Drei-Schicht-Tag gehabt, davor aber auch mal ganze Tage geschlossen. Die Zweitimpf-Termine geben neue, unregelmäßige Öffnungszeiten vor. "Das Wenige, das da ist, verwenden wir für die Zweitimpfungen", sagt der BRK-Chef. Natürlich verlangt das "mal auf, mal zu" den Mitarbeitern in den Impfzentren größte Flexibilität ab. Aber Schaller sieht darin kein Problem: "Wir haben ja gewusst, worauf wir uns einlassen."

Für Zweittermine ist genug da

Immerhin: Wer seinen Zweit-Termin hat – und den bekommt jeder ja gleich mit seinem ersten verbindlich zugesagt – "muss sich keine Sorgen machen", wie Schaller versichert: Für vereinbarte zweite Termine ist der Impfstoff da. Das gilt übrigens auch für die Unter-60-Jährigen, die vor einiger Zeit in einer Sonder-Impfaktion zunächst Astrazeneca bekommen haben. Sie behalten beim zweiten Termin ihre Wahlfreiheit, auf Biontech oder Moderna umzusteigen. Das, erzählt Schaller, wollen aber gar nicht so viele Menschen: Die meisten blieben bei Astrazeneca. Dieses Vakzin bekommen die Impfzentren übrigens gar nicht mehr regulär für Ersttermine, sondern nur noch für Sonderaktionen. Im regulären Betrieb werden nach Schaller Worten nur noch Biontech und Moderna gespritzt. Der in Deutschland inzwischen auch zugelassene weitere Impfstoff von Johnson & Johnson ist in den beiden Zentren nur in so minimalen Mengen verfügbar, dass er hier lediglich "für Sonderfälle" zurückbehalten wird. Das Mittel wird unter anderem Obdachlosen angeboten, weil man davon nur eine Injektion braucht.

Mancherorts häuften sich zuletzt Berichte, wonach Impflinge versuchen, einen Verschiebung ihrer Termine zu erreichen, weil sie in Urlaub fahren wollen. Das, sagt Schaller, komme "ab und zu" auch in Amberg und Sulzbach-Rosenberg vor. Aber solche Wünsche zu erfüllen, sei schlichtweg nicht möglich. Und vom Freistaat auch untersagt. Er erlaube eine Verschiebung nur, wenn es um unaufschiebbare medizinische Eingriffe oder um einen Trauarefall in der engen Familie geht. "Die Leute verstehen das aber auch", ist Schallers Erfahrung. Würde man jetzt, wo der Impfstoff immer noch knapp ist, auch noch anfangen, vereinbarte Termine hin- und herzuschieben, dann würde das Chaos verursachen, sagt Schaller: "Dann käme es wirklich zu Problemen." Abgesehen davon, dass man, damit die Mittel auch wirken, die Abstände zwischen den beiden Spritzen auch nicht willkürlich wählen kann. "Die beste Sicherheit haben Sie, wenn Sie die Standard-Intervalle einhalten."

"Prio 3" braucht noch Geduld

Im Raum Amberg-Sulzbach gibt es derzeit laut Sebastian Schaller noch rund 6000 Menschen der Prioritätsstufe 3, die sich angemeldet, aber noch keinen Termin im Impfzentrum bekommen haben. Auch hier macht sich die Knappheit der Vakzine bemerkbar. "Es gab Zeiten, da hätte ich die 6000 in einer Woche durchgeimpft", meint der BRK-Geschäftsführer. Das geht momentan nicht, weil der Impfstoff dafür fehlt. Insofern müssten sich die Betroffenen tatsächlich noch gedulden. "Das kann schon noch vier Wochen dauern", schätzt Schaller. Er ist aber zuversichtlich, dass ab Mitte des Monats wieder Erstimpfungen möglich sein werden. Bis 30. September sollen die Impfzentren auf jeden Fall noch in Betrieb bleiben. "Ob's dann zu Ende ist, muss man sehen: Diese Entscheidung trifft der Bund." Sebastian Schaller jedenfalls ist überzeugt davon, dass beides notwendig ist, um gut durch die Pandemie zu kommen – die Impfzentren und die Impfungen in den Hausarztpraxen.

Aktuelles zur Corona-Situation in der Nordoberpfalz: Newsblog zur Pandemie

Oberpfalz
Kommentar:

Mehr versprechen heißt nicht mehr Impfungen

Auch wenn es deutlich besser läuft als zu Beginn der Impfkampagne: Es bleibt schwierig, weil es immer noch nicht genügend Stoff für die Spritzen gibt. An den Impfzentren liegt es nicht, sie könnten mehr tun, als gerade möglich ist. Vielleicht sollte die Politik dafür weniger versprechen: Die schnelle Aufhebung der Priorisierungen und die Zusage, dass jetzt auch Kinder geimpft werden können, sorgen nämlich nicht für mehr Impfstoff, sondern für mehr Gedrängel um ihn.

Von Heike Unger

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.