29.10.2019 - 16:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Kohlerevier Amberg

Neben der heutigen Justizvollzugsanstalt ist einst die Fürstenhofzeche. Sogar die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth fährt mit Kohle aus Amberg.

Die ehemalige Fürstenhofzeche befand sich links neben den Baulichkeiten, heute am Beginn der Köferinger Straße unmittelbar neben der Justizvollzugsanstalt. Das Bild zeigt ein Detail aus dem Schweiger-Relief im Stadtmuseum Amberg.

Spricht man vom Bergbau in Amberg, denkt man an Eisenerz. Doch wer weiß schon, dass in Amberg, zumindest sporadisch, in der Fürstenhofzeche, unmittelbar neben der heutigen Justizvollzugsanstalt, auch nach Kohle gegraben wurde? Beim Graben eines Brunnens, 1581, neben dem Fürstenhof, der churfürstlichen Jagdhundehaltung, stieß man auf "schwarze Steine", mit denen man anfangs nichts anzufangen wusste. Nach Einschaltung eines Sachverständigen nutzte man diese in der benachbarten Ziegelei für einen Probebrand. Doch bereits ein Jahr später griff der Ziegler wieder zur Holzkohle. Steinkohle war ungewohnt und wegen des hohen Schwefelgehaltes und der damit verbundenen Geruchsbelästigung unbeliebt. Jahre später erinnerte man sich zwar wieder an das Kohleverkommen, füllte jedoch 1634 den Schacht wieder auf, damit "kein Mensch und kein Vieh zu Schaden kommt".

Nachdem über Jahrhunderte Raubbau am Wald getrieben wurde, mangelte es an Brennholz. So kam 1761 seitens der Regierung die Weisung, nach Kohle zu suchen. Nach erfolgloser Suche fand man im Regierungsarchiv zufällig Belege über den einstigen Abbau. Die Zeche wurde aufgewältigt, die Kohle verkauft beziehungsweise an "Unvermögliche gratis verabfolgt".

Gleichzeitig erhielten die Abnehmer Gebrauchsanweisungen, wie die Öfen und Kamine zu gestalten sind und wie geheizt werden muss. Wieder war die Ziegelei Hauptabnehmer.

In Sulzbach scheint der Holz-Mangel noch gravierender gewesen zu sein. Die dortige Hofkammer warb 1790 für die Verwendung Amberger Steinkohlen und lobte einerseits Belohnungen für die Hauptabnehmer aus, versuchte andererseits diejenigen zu strafen, die von der Verwendung der Kohle abrieten. Nach Ausbau der Holzflößerei an der oberen Vils sanken die Holzpreise, die Verwendung von Kohle war nicht mehr interessant.

Der Major des Amberger Regiments, Karl Vitus von Fuchs, ergriff 1820 wieder die Initiative. Seine Vorstellung war, wöchentlich 200 Zentner an das Strafarbeitshaus und an die Gewehrfabrik zu liefern. Die Bayerische Akademie der Wissenschaft stellte über die Qualität der Kohlen ein vorteilhaftes Zeugnis aus, doch der Absatz war mäßig. Dies sollte sich 1830 mit Inbetriebnahme der ersten Dampfmaschine auf dem Amberger Erzberg ändern. 200 Zentner pro Tag wurden in Aussicht gestellt, ein Kohleschuppen am Erzberg errichtet. Sogar die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth fuhr mit Amberger Kohle.

Doch die Erlöse waren unbefriedigend, die Grube verfiel, der Bergbau wurde 1840 eingestellt, häufiger, erfolgloser Besitzerwechsel folgte. Vorübergehender und letztmaliger Erfolg war nach dem Zweiten Weltkrieg dem Amberger Bauunternehmer Kammerer beschieden. Mit zwölf Bergleuten der Luitpoldhütte begann 1946 der erneute Abbau. Trotz unangenehmen Geruchs war die Kohle vor allem bei "Berechtigten" gefragt. Diese erhielten von der Zuteilungsstelle der Stadt Bezugsmarken. Unbefriedigende Erlöse, geringe Ausbeute und schließlich die Währungsreform 1948 führten zum endgültigen Aus der Fürstenhofzeche.

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