12.02.2019 - 15:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Kraftakt nach TV-Auftritt

Am Freitag bekommt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Hartnäckigkeit einer Ambergerin zu spüren. Kornelia Schmid reist nach Berlin und liefert dem Politiker, was er im vergangenen Sommer eingefordert hat.

Die Maybrit-Illner-Sendung vom 24. Mai 2018. Es diskutieren (von links) Ilse Biberti, Kornelia Schmid, Bettina Michel, Maybrit Illner, Katja Kipping und Jens Spahn über das Thema Pflege. Kornelia Schmid lässt nicht locker - am Freitag fährt sie nach Berlin, um an die Diskussion anzuknüpfen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Kornelia Schmid hat ihre Hausaufgaben gemacht. "Das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen. Gleich nach dem Gespräch mit dem Minister sind wir tätig geworden", erzählt die 59-jährige. Schmid gibt am Freitag im Bundesgesundheitsministerium eine Petition ab - die Krönung einer bundesweiten Kampagne, die die Ambergerin im Sommer vergangenen Jahres angeleiert hat. Die Eingabe hat das Ziel, die Bedingungen für die häusliche Pflege zu verbessern und bundesweit anzugleichen.

Bürokratischer Dschungel

"Da herrscht ein bürokratischer Dschungel, in dem sich ein Normalsterblicher überhaupt nicht mehr auskennt", empört sich Schmid. "Und es kommt zu Ungerechtigkeiten, die keiner nachvollziehen kann." Die Frau weiß, wovon sie spricht. Seit 25 Jahren pflegt sie ihren an Multipler Sklerose erkrankten Ehemann Erich. Zusammen mit ihrer Mutter hat sie sich von 2009 an um den schwerstkranken Vater gekümmert - bis zu dessen Tod 2012. Ein Jahr später gründete sie die inzwischen auf über 7000 Mitglieder angewachsene Facebook-Gruppe "Pflegende Angehörige", leitet mittlerweile auch einen gleichnamigen Verein. Konkret geht es um das sogenannte Entlastungsbudget für pflegende Angehörige, dessen unbürokratische Einführung sich die Große Koalition auf die Fahnen geschrieben hat. Schmid war wegen dieses Themas im Mai 2018 in der ZDF-Talkshow Maybrit Illner mit Gesundheitsminister Spahn aneinandergeraten.

Kornelia Schmid übergibt Petition für bessere Pflege

Amberg

Der Minister redete sich vor laufenden Kameras heraus, eine rasche, deutschlandweite Einführung sei schwierig, weil jedes Bundesland andere gesetzliche Vorgaben habe. Da wollte Schmid Abhilfe schaffen. Sofort startete sie mit ihrem Mitstreiter Hendrik Dohmeyer aus Bremen in jedem Land eine Initiative, mit dem Ziel, eine bundesweite Angleichung herzustellen. Im August folgte ein Telefonat mit Spahn und jetzt ist die Aktion so weit abgeschlossen, dass die einzelnen Petitionen an die zuständigen Landesregierungen und den Bundesminister übergeben werden können.

Einmal hin und zurück

Nachdem Kornelia Schmid am Freitagmorgen ihren Mann versorgt hat, steigt sie um 8 Uhr in den Zug Richtung Hauptstadt. Um 12.30 Uhr kommt sie dort an. Schon eine halbe Stunde später trifft sie die SPD-Fachpolitikerin Sabine Dittmar zu einem Gespräch. Um 14.30 Uhr erörtert Schmid mit dem Leiter der Unterabteilung "Pflegesicherung" im Gesundheitsministerium, Martin Schölkopf, das weitere Vorgehen ("Ich hoffe, da werden Nägel mit Köpfen gemacht."). Um 16 Uhr trifft sich die Ambergerin noch mit Mitstreitern anderer Vereine, um eine bessere Vernetzung zu vereinbaren und um 18.30 Uhr steigt sie wieder in den Zug Richtung Heimat. Ankunft 23 Uhr. Schmid: "Ich muss ja noch meinen Mann ins Bett bringen."

Die Web-Site der Initiative

Bericht über Kornelias Schmids Engagement

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