29.01.2021 - 08:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Krankenhäuser im Kreis Amberg-Sulzbach bleiben wichtig, nicht nur wegen Corona

"Jetzt, in der Pandemie, hätten wir die eine oder andere Einrichtung gut brauchen können": Der Amberg-Sulzbacher Landrat verbindet ein Plädoyer für die Kreis-Kliniken mit einem Hinweis auf Kliniken in Nachbarregionen, die aufgeben mussten.

Eine Radiologin hält eine Röntenaufnahme eines Sparschweins gegen einen Leuchtkasten: Der Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger sieht das derzeitige Finanzierungssystem der Krankenhäuser und daraus resultierende Klinik-Schließungen mit Sorge.
von Heike Unger Kontakt Profil

Beim Thema "Krankenhäuser erhalten" hat Landrat Richard Reisinger seine Meinung nicht geändert. Im Gegenteil. In einem Gespräch mit der Redaktion zum Jahresbeginn sieht er sich wegen der aktuellen Pandemie sogar noch bestätigt in dem, wofür er sich seit Jahren einsetzt: Die Krankenhäuser im Landkreis Amberg-Sulzbach als eigenständige Häuser zu erhalten. Über mehr Kooperation mit dem Amberger Klinikum könne man sprechen. "Das werden wir prüfen, auch weiterhin. Ich hab' das auch dem Oberbürgermeister zugesagt", berichtet Reisinger, der zu diesem Thema Post von Ambergs OB Michael Cerny bekommen hat.

Es bleibt beim Nein zur Fusion

Bei einem anderen Thema aber bleibt der Landrat hart: "Zu einer Fusion sag' ich Nein." Und er bleibt auch bei seiner wiederholt geäußerten Begründung, dass die Standorte der Krankenhäuser in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach bei einem solchen Zusammmenschluss mit Amberg als die kleineren Partner in Gefahr wären. "Am Anfang kann man zwar noch ein Bekenntnis zur Standortsicherung abgeben. Aber im Laufe der Jahre wird man dann schnell unbedeutender. Und irgendwann gereift man dann auch an den kleinen Standorten zu der Erkenntnis, ,eigentlich können wir nicht mehr viel beitragen'. Und dann ist es schon zu spät."

Vohenstrauß

Reisinger verweist beim Blick in die Krankenhaus-Landschaft auf einen Aspekt, der alle Häuser betrifft – und zwar die kleinen Häuser genauso wie die großen Kliniken. "Unser gemeinsames Problem ist: Die stationäre Versorgung ist einfach chronisch unterfinanziert." Die Umstellung des Systems auf die so genannten Fallpauschalen, die jedem Krankenhaus für eine bestimmte Behandlung einen bestimmten Betrag zugestehen, sei "gut gemeint" gewesen. Doch inzwischen hätten deshalb schon alle Landräte bei der Kanzelerin vorgesprochen. "Ich war auch dabei." Selbst Angela Merkl habe eingeräumt, dass dieses System nicht ideal sei. "Aber momentan gibt's halt kein besseres."

Ohne Zuschuss wird's eng mit Geburtshilfe

Dabei stehe bei den Fallpauschalen auch immer der Vorwurf im Raum, dass diese, weil sie ökonomisch angesetzt sind, "vielleicht die eine oder andere Behandlung beeinflussen. Dass man dann das macht, was profitabel ist." Reisinger will das so nicht stehen lassen. "Das darf man uns so pauschal nicht vorwerfen. Wir machen wirklich auch sehr viel in den Krankenhäusern, was nicht profitabel ist" – wodurch dann aber der Patient profitiere, auch wenn das die Fallpauschalen für die Kliniken nicht hergeben.

Natürlich müsse man auch dankbar sein für Zuschüsse wie das Krankenhaus-Bauförderprogramm oder Unterstützung der Geburtshilfe. Doch hier hakt Reisinger gleich ein. "Da hat man schon festgestellt, wenn man die Geburtshilfe nicht mehr fördern würde", etwa durch das vom Freistaat aufgelegte Programm, "dann wird's auf einmal eng im Land, dann schließt eine Geburtshilfestation nach der anderen". Also sei die Finanzhilfe hier nicht nur ein karitativer Akt, sondern auch notwendig, um die Geburtshilfe in Bayern zu sichern.

Vielen Kliniken reicht das Geld nicht mehr

Solche Unterstützung tue gut, räumt Reisinger ein. "Aber trotz der Zuschüsse reicht's halt für die mittlerweile deutliche Mehrzahl an Krankenhäusern nicht mehr. Egal, ob groß oder klein."Der Landrat verweist darauf, dass die Bevölkerung immer älter werde, die Lebenserwartung weiter steige, ebenso wie die medizinischen Möglichkeiten. "Man wird das alles nicht mehr ambulant versorgen können", glaubt er mit Blick auf den mancherorts schon eingeschlagenen Weg, Krankenhäuser zu schließen und sie durch ambulante Anlaufstellen zu ersetzen.

Die Kosten, die bei der medizinischen Versorgung entsünden, seien "letztlich Krankenkassenkosten. Versicherungskosten sind dann Lohnkosten. Und da will man verständlicherweise keine höhere Belastung", beschreibt Reisinger die Krux in diesem System. Das sei aber ein Thema für "die große Politik. Da bin ich zu weit entfernt". Trotzdem sei ihm klar, dass dieses System zu durchbrechen "eine Revolution" wäre. "Und ein Riesenaufwand. Aber es wird so wahrscheinlich nicht weitergehen können."

Froh über zwei Krankenhäuser im Landkreis

Wenn man mitverfolge, wie viele Krankenhäuser inzwischen "vom Netz gehen – das ist schon erschreckend", meint Reisinger. Er fragt sich, wo denn dann deren Patienten versorgt werden. "Ob das dann wirklich alles in ambulanten Zentren stattfinden kann?" Er bezweifelt das. Gerade jetzt, mitten in der Pandemie, wäre es hilfreich, wenn inzwischen geschlossene Häuser noch da wären, meint Reisinger. Er sei jedenfalls froh, "dass wir die zwei Standorte haben als Landkreis, in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach". Dadurch könne man sich auch in Sachen Corona "intelligent austauschen", und Patienten entsprechend "ab- und zuverlegen".

Corona: Infizierte Patienten von Auerbach nach Sulzbach-Rosenberg verlegt

Auerbach

Die Bedeutung der Krankenhäuser, auch der kleineren, habe Corona jetzt wieder ins Bewusstsein gebracht. Ob das allerdings von Dauer sei – "schau ma mal". Denn wenn der Lockdown vorbei sei, komme auch wieder die Stunde der Ökonomen. "Dann kommen Rechnungshöfe und fragen, ,hätt’s des gebraucht?'. Dann denkt man nicht mehr aus der Not heraus."

 

 

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