Update 11.10.2018 - 16:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Das Kreuz mit dem Blick

Es geht um die Aussicht. Darin ist sich der Bauausschuss schon mal generell einig. Doch ansonsten herrscht beim Thema Südhang nicht der große Durchblick. Jetzt muss ein Ortstermin her.

Um diesen Blick hinunter ins Dreifaltigkeitsviertel und weiter zum Bergsteig geht es. Ein Bebauungsplan soll nun verhindern, dass er verbaut werden kann. Die Begeisterung dafür hält sich insbesondere bei der CSU-Fraktion arg in Grenzen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Zur Geschichte: Ein Hausbesitzer am Südhang hat den Bauantrag gestellt, sein Gebäude ein wenig aufzustocken, um hier noch eine Wohnung unterbringen zu können. Eine Anwohnerin ist strikt dagegen, sie sieht nicht nur ihren Blick hinauf zum Berg gestört, sondern auch den Fernblick von der anderen Seite - wohin auch immer der reicht. Unterschriften wurden gesammelt und der Stadtrat steckte in der Klemme zweier Interessen. Kurzerhand verfügte er deshalb die Aufstellung eines Bebauungsplans an dieser Stelle, um das Malheur auf diesem Weg aus der Welt schaffen zu können.

Am Mittwoch landete dieser Bebauungsplan im zuständigen Bauausschuss, der aber nur teilweise glücklich war mit dem, was die Stadtplaner für diesen eher kleinen Bereich des Südhangs - er umfasst lediglich die Hausnummern 6, 8 und 10 - vorgelegt haben. Insbesondere die CSU-Fraktion haderte mit diesem doch eher "willkürlich" ausgewählten Bergbereich, wie Michaela Frauendorfer deutlich machte. "Das ist für mich hart an der Grenze", gab sie zu verstehen und meinte wohl die Gefahr, dass die von einem Bebauungsplan geforderte Gestaltungs- als eine Verhinderungsplanung verstanden werden könnte. Mit den entsprechenden juristischen Folgen.

Willkürlich sei diese Auswahl nicht, verteidigte Baureferent Markus Kühne seine Planer. Vielmehr lasse sich hier die Blickachse festmachen, die es zu erhalten gelte. Und Hans-Jürgen Bumes (Grüne) hatte gar das Gefühl, man habe mit diesem Entwurf die geforderte Objektivität zurückgewonnen. Unterstützt von Stadtheimatpflegerin Beate Wolters, die darauf hinwies, dass man von dieser Stelle aus natürlich nicht die Innenstadt sehen könne, sehr wohl aber das Dreifaltigkeitsviertel sowie den Bergsteig - auch Teile von Amberg.

Ganz praktisch geht Dieter Amann von der SPD an die Sache heran. Das Haus, um das sich alles dreht, sei seiner Information nach ja schon 1,10 Meter höher gebaut worden, als es der Plan ursprünglich vorgesehen habe. "Das steht da in diesen Einfamilienhäusern wie ein richtiger Block", sagte er. Trotzdem, so konterte Helmut Weigl (CSU), es bleibe ein Geschmäckle bei dem allen.

"Es könnte auch so scheinen, dass wir das Baurecht wegen eines Bauantrags ändern", stellte er nüchtern fest. Ganz falsch, so die städtische Baujuristin Jasmin Hannisch, die natürlich witterte, dass Weigl auf die möglicherweise sehr fragile juristische Haltbarkeit eines solchen Bebauungsplan anspielte. "Wir müssen uns eben von diesem konkreten Bauvorhaben lösen und uns die Frage stellen: Was ist an Sichtbeziehungen da und welche Eingriffe sind nötig?" Bernhard Schöppl (CSU) war das alles zu fiktiv, wie er unmissverständlich klar machte. Am Südhang Nummer 4, da stehe auch ein Haus, das Grundstück sei aber ausgenommen. "Mir ist so ein kleiner Teilbereich einfach zu wenig." Er weise außerdem darauf hin, dass vor dem vielbeschworenen "Arber-Blick" ein großer Baum stehe.

Wichtig ist, so wiederholte OB Michael Cerny, dass es um den Erhalt und die Pflege von Blickachsen geht. "Sobald wir mit diesem Plan einen Bau verhindern wollen, kann jeder dagegen klagen." Nun soll ein Ortstermin klären, was gemacht werden soll und kann.

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