22.05.2019 - 16:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Hinter den Kulissen des Amberger Welttheaters

Die Schauspieler haben es nicht leicht. Im strömenden Regen hat die heiße Probenphase für das Amberger Welttheater begonnen. Am Freitag wird das Stück "Der Herbst des Winterkönigs" Premiere feiern. Ein Blick hinter die Kulissen.

Weil es vor Probenbeginn schnell gehen muss, schminken sich die Darsteller auch gegenseitig.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

"Heute Gruppenfoto" verkündet ein Zettel optimistisch an der Tür zum Refektorium. Dort ist die Maske für das Welttheater untergebracht. Von hier aus hat man einen guten Blick auf die Bühne. Während die Darsteller im Trockenen geschminkt werden, rinnt draußen das Wasser in Sturzbächen über das Kopfsteinpflaster. Seit Wochenbeginn stehen alle Darsteller abends kostümiert und geschminkt auf der Bühne.

"Wieder niad rasiert"

Angesichts des Wetters keine leichte Aufgabe. "Das wird heute rutschig. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht fallen", übertönt die tiefe Stimme des Winterkönigs alias Andy Kuntz den Trubel im Refektorium, bevor ihm selbst der Puder ins Gesicht staubt. Eine der Maskenbildnerinnen ist Barbara Söllner. Sie schimpft mit einem Profi-Darsteller: "Du bist auch wieder niad rasiert." Die 61-Jährige greift in ihre Hosentasche und droht Georg Lorenz mit dem Einweg-Rasierer. Der Schauspieler lächelt milde. Er ist in seiner Konzentrationsphase. Als Abraham Scultetus würde er sich das vermutlich nicht mehr gefallen lassen. Die Laiendarsteller der Knappschaftskapelle, der Stadtwache, der Freudenberger und Haagerthaler Bauernbühne wuseln aufgeregt durcheinander, schminken sich zum Teil gegenseitig, um Zeit zu sparen. Viele sind nach Feierabend auf den Mariahilfberg gehetzt, um rechtzeitig zu Probenbeginn um 20 Uhr kostümiert zu sein. Zum Beispiel Karin Preißl. Die Arzthelferin aus Amberg gehört aktuell zum Hofstaat der Königin und bekommt Löckchen verpasst. "Zum Glück gibt's hier was zu Essen." Doch dazu muss man in den Regen hinaus. Im Innenhof des Klostergartens steht ein Zelt. Dort werden die Schauspieler verpflegt. Es gibt belegte Semmeln und Obst. Über allem thront ein Bild von Roger Boggasch. Der verstorbene Komponist ist immer noch Teil der Truppe. Draußen versucht derweil Setfotograf Michael Sommer seine Arbeit für das Programmheft zu machen. Er nutzt eine kleine Regenpause, um die Schauspieler für Einzelporträts vor die Kamera zu holen.

Kostüme saugen sich voll

Probenbeginn in Kostümen: Die Darsteller versammeln sich auf der Tribüne.

Kurz nach 19 Uhr blickt Karlheinz Brandelik zweifelnd gen Himmel. Der Darsteller aus der Riege der Stadtwache macht sich Sorgen um die Kostüme. "Unsere sind aus Samt. Die saugen sich voll und werden so schnell nicht mehr trocken." Die fahrende Schausteller-Truppe, aufwändig und übertrieben geschminkt, hat stattdessen Angst um ihre farbenfrohen Gesichter. "Das zerfließt doch", meint eine der sieben Todsünden. Vorsichtig setzt die Völlerei, alias Thomas Wilhelm, ihren Hut auf: Er ist garniert mit Wurst, Trauben, Ei und Spargelspitzen. Bis zuletzt zögert Produktionsleiter Jürgen Huber das Umziehen hinaus. Oben rum trägt er noch seine Softshell-Jacke, darunter ist er schon in sein Kostüm des Spielansagers geschlüpft. Der 44-Jährige hat eine lange Nacht hinter sich. "Wir haben bis vier Uhr morgens das Licht eingestellt."

"Das wird heute nichts mehr", meint eine Frau aus dem Volk angesichts des Zettels an der Refektorium-Tür und beißt hungrig in ihre Wurstsemmel. Es ist 15 Minuten nach acht. Regisseurin Astrid Vossberg erscheint in der Maske und bittet die restlichen Darsteller auf die Tribüne. Mit wallenden Gewändern rauschen sie hinaus. Die Woll-Lust schäkert noch kurz mit den Bandmitgliedern von Vanden Plas, die ihre Plätze auf dem überdachten Freialtar eingenommen haben. Mitleidig schauen die Musiker auf die Schauspieler, die ihre Bühne im strömenden Regen haben. "So, wir machen heute das Gruppenfoto", lautet die erste Anweisung der Regisseurin. Die Show muss weitergehen.

Info:

Drei Fragen an Jürgen Huber

Jürgen Huber ist im Stress. Der 44-Jährige aus Hahnbach steht nicht nur als Spielansager zum dritten Mal auf der Bühne des Welttheaters, sondern hat diesmal auch die Rolle des Produktionsleiters inne.

Jürgen Huber.

ONETZ: Mit welchen Gefühlen blicken Sie der Premiere entgegen?

Jürgen Huber: Mit sehr durchwachsenen. Wenn man das Wetter so anschaut, dann ist das mehr als schlecht. Wir arbeiten seit Monate am Welttheater, jetzt sieht es gerade danach aus, als müssten wir uns im Regen damit beschäftigen. Trotzdem bin ich guter Dinge, weil ich Optimist bin. Bei dem Job bleibt einem auch nichts anderes übrig.

ONETZ: Mussten Sie noch mal Ihren Text lernen?

Jürgen Huber: Überhaupt nicht. Eigentlich. Den Text lernen nicht, aber neu betonen lernen. Die Astrid hat sehr viele neue Ansätze und dem Spielansager viele neue Farben an die Hand gegeben. Das Problem dabei ist, dass man den alten Text erst einmal löschen muss, damit man die neue Betonung reinkriegt. Das war die größte Schwierigkeit.

ONETZ: Ihr Wunsch für die Premiere?

Jürgen Huber: Tatsächlich, dass das Wetter besser wird. Damit die lange Arbeit, die wir alle gemacht haben, sich auch rentiert. Im Augenblick prasseln sehr viele Fragen auf mich ein. Ich bin ja noch Produktionsleiter und Regieassistenz, was die Fragen umso mehr machen. Da kann man nur eine buddhistische Sichtweise einnehmen und lächeln.

Alle Termine zum Welttheater

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.