11.06.2021 - 11:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Kultur-Aufwind im Stadttheater dank Pandemieflaute

Nach Monaten mit Sofa-Konzerten zu Hause ging es am Donnerstag wieder auf die Sessel im Amberger Stadttheater: Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn mit Case Scaglione und dem Hornisten Stefan Dohr lockte mit Ligeti und Mozart.

Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn mit dem Hornisten Stefan Dohr gastierte im Stadttheater Amberg.
von Peter K. DonhauserProfil

Im Stadttheater Amberg gilt die "AHA-Formel", Augen und Ohren bleiben aber maskenfrei. Weniger Besucher sind möglich, als Ausgleich gibt es zwei Vorstellungen des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn mit je 60 Minuten Spieldauer am Stück, der Rezensent war in der ersten um 17 Uhr. Die Musiker sitzen auf Distanz; eine Herausforderung, sich in den Streichergruppen gut zu hören und zu koordinieren, aber dies gelingt gut.

Zu Beginn Mozart mit Hornsolo, die Konzerte KV 412 und KV 495. Stefan Dohr (geboren 1965) ist Solohornist in einem der weltbesten Orchester, bei den Berliner Philharmonikern. Kein Wunder: Mit seiner überlegenen, mühelos wirkenden Spieltechnik verfügt er über bewundernswerte Gestaltungsmittel, die Mozarts Musiksprache plastisch und ausdrucksstark über die Bühne bringen. Ein diskretes, geheimnisvolles Piano, ein schmetterndes Forte, lebendig beseelte lange Töne (großartig in der Romanze von KV 495). Frech-spritziges Spiel im Rondo dieses Satzes im Kontrast mit leisen, lausbübisch-verschmitzten Passagen. Die Württemberger können begleiten, sie hören dem Solisten zu, tauschen mit ihm bei den Wechselreden nahtlos den Stab wie beim Staffellauf.

Dies ist auch ein Verdienst des aufmerksamen Dirigats von Case Scaglione (seit 2018), der mit seiner exemplarisch klaren und ökonomischen Schlagtechnik die Musiker animiert und zusammenführt, aber nie schulmeisterlich gängelt.

Ligetis Kunst der Verästelung

Ein Extralob an die Württemberger für die Vorstellung der „Ramifications“ von György Ligeti (1923-2006). Sie sind 1967 entstanden, kurz nach dem grandiosen „Lux Aeterna“ für 16-stimmigen Chor. Sie atmen dessen meditativen Ansatz, das ist Musik, die Klangwelten im Kopf des Hörers wecken soll. Daher auch die ausdirigierten Leertakte am Ende, eine Aufforderung, die Musik individuell weiter zu denken. Der kompositorische Aufwand mit Binnenstrukturen und Vierteltonharmonik verdient Bewunderung.

Mozarts geniales Talent

Bewunderung gilt immer wieder dem jungen Mozart, der in der Sinfonie A-Dur KV 134 ein staunenswertes Werk vorlegte. Jugendliche Frische und Frechheit sind zu erwarten, doch das handwerkliche Komponier-Können und die Ausdrucksfähigkeit dieses 16-jährigen Bürscherls nötigen einfach Respekt ab. Energie-Impulse und Witz zu Beginn, herzlich-heitere Momente im vielschichtigen Andante und dann plötzlich Seufzer, Ernst und Dramatik wie in den besten Opern. Mozart hat zwar nie eine Schule besucht, kannte aber schon halb Europa.

Scaglione weiß um die authentische Wirkung von Mozarts Musik und versucht nicht, sie mit übertriebenen Gesten und Effekten aufzudonnern. Seltsam nur die verwaschenen Rückprall-Striche im Finale. Das Mozartspiel der Württemberger klingt leichtfüßig, elegant, natürlich. Einfach sympathisch!

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