22.04.2021 - 15:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Kultur und Tourismus liegen 2020 in Amberg am Boden

"Vorstellung fällt aus" - das war im Jahr 2020 in Amberg wohl der im Kulturbetrieb am häufigsten gebrauchte Satz. Die städtische Kulturbilanz in Zahlen fällt von daher entsprechend bescheiden aus.

Ein leeres Stadttheater gehört seit dem Beginn der Corona-Pandemie leider schon zu unserem Kulturalltag.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Reiner Volkert, der Leiter des Amberger Kulturamts, sprach am Mittwoch bei den Bekanntgaben aus dem Kulturausschuss, die von der ursprünglichen Sitzung abgekoppelt worden waren und nunmehr rein digital gegeben wurden, von den "Zahlen des Schreckens". Corona hat die städtische Kultur- und Tourismusszenerie über weite Strecken des Jahres 2020 nahe pulverisiert. Die paar wenigen Lichtblicke des Sommers konnten die Bilanz letztendlich auch nicht mehr retten, wie die Zahlen zeigen.

Nur noch 2023 Zuschauer

Im Stadttheater beendete Corona am 11. März 2020 vorzeitig die Spielzeit 2019/2020. Bis dahin waren gut drei Viertel der im Theater angesetzten Veranstaltungen über die Bühne gegangen. Logischerweise sanken damit auch die Zuschauerzahlen gegenüber der Vorsaison ziemlich deutlich - von 19.235 (2018/2019) auf 13.257. Noch härter erwischte es dann die laufende Spielzeit, die nach 34 Corona-bedingt eher spärlich besetzten Vorstellungen mit 2023 Zuschauern am 29. Oktober schon wieder vorbei war und wohl auch in den kommenden Monaten nicht wirklich Fahrt aufnehmen wird. Entsprechend gingen natürlich auch die Abo-Zahlen in der Saison zurück.

496 Veranstaltungen oder Kurse mit 7219 Teilnehmern wurden im Jahr 2019 in der Volkshochschule angeboten, 2020 waren es nur mehr 273 mit 4839 Interessenten, wie Volkert ausführte. Ähnlich wie an der Volkshochschule verlief das Jahr 2020 auch für das Stadtmuseum, wie dessen Leiterin Julia Riß bilanzierte. 12.269 Besucher kamen noch 2019 in die Herzkammer der Amberger Geschichte, 2020 waren es nur noch deren 3177. "Mit einem leichten Rückgang hatten wir schon gerechnet", sagte Julia Riß angesichts der Tatsache, dass 2019 mit den Themen Gropius, Bauhaus und Rosenthal schon sehr gut gewesen waren. Besonders augenfällig war der Besucherschwund bei der Außenstelle in der Glaskathedrale. 3289 Besucher hatten 2019 noch von diesem Angebot Gebrauch gemacht. 2020 waren es nur noch 228 - die Glaskathedrale war nur bis 26. Februar geöffnet.

Stadtbibliothek spürt es auch

Bei der Stadtbibliothek fiel die Delle für das vergangene Jahr nicht ganz so drastisch, trotzdem ebenfalls deutlich spürbar ins Gewicht. Das lag laut Leiterin Bettina Weisheit vor allem daran, dass es bei den sonst üblichen Führungen mit den Schulklassen 2020 ganz schlecht ausschaute. "Bei dieser Gelegenheit haben wir gerne Leserausweise ausgegeben", sagte Bettina Weisheit. Waren es 2019 noch 5057, die in der Bibliothek registriert waren, so ging deren Zahl im Verlauf des Jahres 2020 um fast 20 Prozent auf 4243 zurück.

Trotz der Tatsache, dass die Bibliothek im Jahr 2020 13 Wochen lang komplett geschlossen war, verzeichnete das Team immer noch mehr als 220.000 Entleihungen. 2019 waren es noch mehr als 243.000 gewesen.

Fast 50 Prozent weniger Gästeankünfte

"Das Interesse an der Kultur war, wenn sie möglich war, sehr groß."

Fabian Kern, Kulturreferent der Stadt Amberg

Fabian Kern, Kulturreferent der Stadt Amberg

Fast 50 Prozent weniger Gästeankünfte, ein fast ebenso deutlicher Rückgang bei der Zahl der Übernachtungen - den Tourismus erwischte es im Vorjahr ebenfalls heftig, wie es Heike Kober, die Leiterin der Tourist-Info, ausführte. Dabei profitierte die Stadt im Sommer 2020 tatsächlich noch sehr stark vom Fünf-Flüsse-Radweg. Radeln durch die Heimat und Urlaub daheim erfreuten sich in der kurzen Phase der Sommer-Lockerungen sehr großer Beliebtheit. "Wir verzeichnen auch jetzt ein sehr großes Prospekt-Interesse für den Fünf-Flüsse-Radweg", machte Heike Kober Mut für die hoffentlich kommende Sommersaison.

Dabei sind die blanken Zahlen für 2020 erst einmal nicht ermutigend. Statt der üblichen rund 20.000 Teilnehmer an den Plättenfahrten waren es kaum 4000. Und auch die Zahl der Stadtführungen ging deutlich spürbar zurück. Doch sagen diese Zahlen nicht alles, wie es Kulturreferent Fabian Kern am Ende zusammenfasste: "Das Interesse an der Kultur war, wenn sie möglich war, sehr groß." Der Bedarf sei groß, das Interesse vorhanden. "Das alles lohnt diese Arbeit."

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