07.12.2018 - 18:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Letzter Flaggenappell in der Leopoldkaserne

"Zur Flaggenparade - stillgestanden!" Als der Kasernenkommandant der Leopoldkaserne am Freitag um 8 Uhr den Befehl zum Einholen der Bundesflagge gibt, gehen in Amberg 300 Jahre Militärgeschichte endgültig zu Ende.

Oberstleutnant Gereon Gräf (Dritter von links) befehligte als Kasernenkommandant die letzte Flaggenparade bestehend aus Stabsfeldwebel Patrick Schaaf und Hauptfeldwebel Harald Leucht (Zweiter und Vierter von links). Anschließend wurde die Dienstflagge an den Standortältesten, Oberstleutnant Alexander Kolb, übergeben.
von Tobias GräfProfil

Der Standortälteste, Oberstleutnant Alexander Kolb, spricht im Interview über den Zäsurcharakter des letzten Flaggenappells, die weitere Nutzungsperspektive des Areals und fehlenden Wehmut bei Soldaten.

Die letzten Soldaten haben die Leopoldkaserne bereits im Sommer verlassen, als der hier ansässige Stab der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" an den neuen Standort in Cham umzog. Obwohl der Wachdienst damals seine Tätigkeit einstellte, verblieb die Kaserne in militärischer Hand und wurde vom Logistikbataillon 472 in Kümmersbruck mitverwaltet. Mit der "kleine Flaggenparade" am Freitagmorgen übergab dessen Kommandeur, Oberstleutnant Alexander Kolb, das Areal endgültig in die Obhut des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums (BwDLZ).

ONETZ: Herr Kolb, warum hat den letzten Flaggenappell nicht ein Offizier der Panzerbrigade abgenommen, also ein Angehöriger der zuletzt hier stationierten Einheit?

Alexander Kolb:: Mit dem Umzug der Brigade von Amberg nach Cham habe ich die Funktion des Standortältesten für den Bereich Amberg und Kümmersbruck von Brigadekommandeur General See übernommen, damit oblag also auch die Leopoldkaserne meiner Verantwortung.

ONETZ: Was sollte mit der „kleinen Flaggenparade“ zum Ausdruck gebracht werden?

Also zunächst mal handelt es sich hierbei um ein Zeremoniell, das täglich in jeder militärischen Liegenschaft stattfindet. Dabei wird die Flagge morgens durch eine Abordnung gehisst und abends wieder eingeholt. Bereits im März fand auf dem Marktplatz ja ein großer Zapfenstreich als feierlicher Akt statt, mit dem die Brigade sich öffentlichkeitswirksam von der Stadt verabschiedet hatte. Das letzte Einholen der Flagge war deshalb als formaler Abschluss bewusst klein gehalten, da es hier nur noch um die Abgabe des Gebäudes ging.

ONETZ: Mit dem Appell gingen 300 Jahre städtische Militärtradition zu Ende. Waren Sie sich der Geschichtsträchtigkeit dieses Moments bewusst, haben Sie dabei Wehmut verspürt?

Obwohl ich als Kommandeur des Logistikbataillons in Kümmersbruck stationiert bin, war es für mich mehr als eine Pflichtaufgabe. Im Moment des Einholens der Flagge ist es mir richtig bewusst geworden, auch dass es für Amberg einen großen Einschnitt bedeutet. Wehmut habe ich andererseits jedoch nicht verspürt. Denn man muss wissen: Für uns Soldaten ist es in den letzten Jahren ein Stück weit alltäglich geworden, dass Einheiten aufgelöst und Standorte geschlossen werden. Viele Standorte, an denen ich selbst gedient habe, gibt es inzwischen nicht mehr, darunter weit größere Städte als Amberg, wie zum Beispiel Nürnberg.

ONETZ: Wie geht es nun mit dem leerstehenden Areal in der unmittelbaren Zukunft weiter?

Die Kaserne befindet sich nun in der Obhut des BwDLZ und wird Ende des Jahres weiter an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben. Die Bundeswehr hat somit nichts mehr damit zu tun, auch der Status als militärischer Sicherheitsbereich wird aufgehoben und die Warnschilder demnächst abmontiert. Allerdings bleibt die Anlage aus Sicherheitsgründen weiterhin verschlossen und ist nicht öffentlich zugänglich.

ONETZ: Welche Rolle spielte das Logistikbataillon bei der Abwicklung des Areals? Hat die Übergabe reibungslos funktioniert?

Wir haben unseren Auftrag solide abgeschlossen, die Übergabe erfolgte plan- und fristgerecht. Mein Bataillon hat die Brigade beim Umzug unterstützt, unter anderem mit Materialtransporten nach Cham. Doch auch die Mitarbeiter des BW-Dienstleistungszentrums hatten einen großen Anteil daran, dass alles reibungslos lief, sie haben sich verdient gemacht.

ONETZ: Zuletzt wurde über unterschiedliche Möglichkeiten der weiteren Nutzung der Kaserne spekuliert. Landtagsabgeordneter Harald Schwartz setzt sich für die Kaserne ein, sogar der Aufbau eines Nato-Kommandos wurde kurzzeitig erwogen. Da die Bundeswehr in den nächsten Jahren wieder aufwachsen soll – wäre es nicht sinnvoll, das Areal zu behalten und weiterhin militärisch zu nutzen?

Derzeit befinden sich deutschlandweit zwölf Liegenschaften der Bundeswehr, die eigentlich geschlossen werden sollen, in der Diskussion um eine Weiter- oder Wiedernutzung. Meinen Erkenntnissen nach gehört die Amberger Leopoldkaserne jedoch nicht dazu, es gibt keinerlei Anzeichen bisher. Als Standortältester begrüße ich natürlich die Bemühungen von Herrn Dr. Schwartz, der Stadt Amberg könnte man eine positive Entscheidung nur wünschen. Ob das allerdings von Erfolg gekrönt sein wird, das kann ich Ihnen nicht sagen.

ONETZ: Wird die Bundeswehr in einigen Jahren die Aufgabe der Leopoldkaserne rückblickend bereuen? Schon einmal wurde in Amberg ein Areal – das Bundeswehrkrankenhaus – vorschnell verkauft, nur um es danach erneut anzumieten. Das führte bei vielen zu Kopfschütteln.

Über die Entscheidung des Bundeswehrkrankenhauses kann man sicherlich nachdenken, ja. Allerdings werden hier in der Schweppermannkaserne gerade neue Sanitätsgebäude errichtet, um das Krankenhaus zukünftig nicht mehr weiter anmieten zu müssen. Amberg war ein traditionsreicher Standort, die Entscheidung zur Aufgabe der Leopoldkaserne tat sicherlich weh, sowohl der Bevölkerung als auch der Panzerbrigade 12, das ist unstrittig. Allerdings spielen bei der Standortwahl viele Faktoren eine Rolle, unter anderem der Zustand der Infrastruktur, so dass am Ende eine Abwägung getroffen werden muss. Immerhin muss anerkannt werden, dass es mit dem Umzug nach Cham gelungen ist, die Brigade in der Oberpfalz zu halten.

Kaufverhandlungen:

Die Bundeswehr hat den Mietvertrag der Leopoldkaserne mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zum Ende des Jahres gekündigt. Die Kaserne wird zum Jahreswechsel an die Bima übergeben. „Wir sprechen mit der Bima bereits seit längerer Zeit über die Nachnutzung der Leopoldkaserne“, erklärt Oberbürgermeister Michael Cerny. „Wobei ich immer die Auffassung vertreten habe, dass ich den Bund in der Verpflichtung sehe, sich um die denkmalgeschützten Gebäude zu kümmern und auch einen Ersatz für die 300 Dienstposten der Bundeswehr zu schaffen.“

Für die Bima steht ein wirtschaftlicher Verkauf des Geländes im Vordergrund, wobei die Stadt ein Vorkaufsrecht hat und laut Cerny auch vergünstigte Konditionen angeboten werden. „Voraussetzung für die Bima ist aber ein von der Kommune vorgelegtes Nutzungskonzept, auf dessen Basis dann die Bundesanstalt eine Wertermittlung durchführt, die dann wiederum die Basis für den Kaufpreis bilden soll.“

Ein Vorgehen, das der Rathauschef für fragwürdig hält. „Denn die Wertsteigerung von ,Kaserne‘ zu ,Wohn- und Gewerbe‘ erfolgt ja durch die Stadt und wir bekommen dann eine Vergünstigung auf einen durch unsere Planung gestiegenen Kaufpreis.“ Deshalb habe sich die Stadt mit der Bima darauf verständigt, dass ein von beiden Seiten akzeptierter Gutachter eine Wertermittlung auf Basis eines fiktiven Nutzungskonzeptes erstellt.

Auf dieser Basis könnte dann gegebenenfalls ein Ankauf durch die Stadt erfolgen. Der Gutachter hierzu sei bereits beauftragt, die Wertermittlung finde aktuell statt und soll bis zum Frühjahr abgeschlossen sein. (upl)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.