26.09.2018 - 11:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Liebesglück statt Krieg

"Salims Flucht vor Monstern" - so lautete damals der AZ-Titel - endete schon 2015 in Amberg. Seitdem hat sich der Asylbewerber aus Syrien gut integriert - mit deutscher Sprache und Vollzeitjob. Nun konnte er seine Frau aus Aleppo nachholen.

Blumen für die Frau seines Herzens: Salim Abo Harash ist überglücklich, dass er seine Gattin nach über zweieinhalb Jahren Trennung wieder in die Arme schließen darf. Er konnte Alaa endlich nachholen nach Amberg, wo der 29-Jährige bereits 2015 als Flüchtling eine neue Heimat gefunden hat.
von Thomas Amann Kontakt Profil

(ath) Endlich leben die zwei wieder vereint in einer kleinen Wohnung im Stadtsüden. Darauf hatten sie lange warten müssen, nachdem Salim mit der ersten großen Flüchtlingswelle im August vor drei Jahren über die damals noch offene Balkanroute nach Deutschland gekommen war. Er war seinerzeit so vernünftig gewesen, erst einmal selbst an seinem neuen Zufluchtsort "stabil" werden zu wollen. Sprich, er wollte neben der Anerkennung als Flüchtling zunächst eine Arbeit finden, um für sich selbst sorgen zu können. Schon im ersten AZ-Bericht Mitte August 2015 betonte Salim, er möchte nicht dem Staat auf der Tasche liegen; er sei bereit, jedwede Arbeit anzunehmen, die er kriegen kann.

Seit 2016 Arbeit als Friseur

Natürlich nannte der 29-Jährige damals auch den Beruf, der er gelernt hatte: Friseur. Das war sein erstes Glück. Beate Tran, die Inhaberin des Friseurgeschäfts Hairstar an der Hockermühlstraße, hatte das in der AZ gelesen und bot dem jungen Mann aus Syrien einen Job an. Ab April 2016 konnte er hier seine Arbeit aufnehmen und gehört bis heute zum Team in dem multikulturellen Betrieb, der damals einen Experten für Herren und ihre Bärte suchte. Das ist Salim seit langem, weil sich in seiner arabischen Heimat die Männer oft beim Friseur die Bärte stutzen und exakt trimmen lassen. Obwohl das genau das Feld von Salim ist, blieb er nicht auf dieser Stufe stehen, sondern erklärte sich schnell bereit, den Beruf des Damenfriseurs draufzusatteln. Das ist eine Umschulung, die der 29-Jährige 2017 begonnen hat.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur sein generelles Interesse, Neues zu lernen, sondern auch seine Bereitschaft, über seinen Schatten zu springen. Für einen gläubigen Moslem ist es nämlich nicht selbstverständlich, tagtäglich Frauen als Kunden zu bedienen. Salim hat damit kein Problem - im Gegenteil, er möchte in seiner neuen Freiheit in der westlichen Gesellschaft auch diese Vorteile ohne strikte Trennung von Mann und Frau nutzen.

Langes Warten auf Ehefrau

Die Trennung von seiner geliebten Alaa hätte Salim allerdings nicht mehr lange verkraftet. Über zweieinhalb Jahre hat sie gedauert. In dieser Zeit hatte der 29-Jährige nur telefonisch, per Skype und Whats-App Kontakt zu seiner Frau in Aleppo. Wenn man bedenkt, dass das jahrelang die umkämpfteste Stadt im Bürgerkrieg war, bekommt man eine Ahnung, wie sehr die beiden gelitten haben. Auch Salim, der täglich um die Gesundheit und Sicherheit von Alaa und ihrer Familie fürchten musste. Andererseits blieb den beiden nach eigener Schilderung kaum etwas anderes übrig, als dass einer vorausgeht und sozusagen schaut, wie er im fremden Land Zuflucht findet. Erst wenn das und die Versorgung auf eigene Faust sichergestellt sind, sollte der andere nachkommen.

Eine Vorsichtmaßnahme, wie Salim erläutert, weil seinerzeit eben auch niemand sagen konnte, wie die Flucht übers Mittelmeer gelingt, die 2015 schon brandgefährlich war. Auch damals waren Schlepperbanden so grausam und schickten die Menschen in überfüllten Booten über die offene See. Salim wurde schließlich von der griechischen Küstenwache aus dem Wasser gefischt und an Land gebracht. Von dort startete dann der lange Weg über die Balkanroute bis nach Bayern.

Aber all das ist jetzt umso mehr vergessen, als dass das Ehepaar wieder glücklich vereint ist. Alaa will so schnell wie möglich Deutsch lernen, um im nächsten Jahr ebenfalls arbeiten zu können. Wohl nicht als Sportlehrerin, was ihr erlernter Beruf wäre, aber vielleicht in einem Kindergarten als Unterstützung fürs Erziehungspersonal, träumt sie schon mal. Apropos Kinder: Alaa ist schwanger, womit der nächste Riesenwunsch der beiden nach einer glücklichen Familie in Erfüllung geht.

Bleibt für sie nur noch zu hoffen, dass sie vielleicht auch vor diesem neuen familiären Hintergrund und mit ihrer eigenständig organisierten Versorgung Ende nächsten Jahres eine weitere Verlängerung ihres Aufenthalts oder gar eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen. Denn es sieht nicht danach aus, dass der Bürgerkrieg in Syrien bis dahin beendet ist, vom Verschwinden der IS-Terrormiliz mit ihren Repressalien gegen weite Teile der Bevölkerung ganz zu schweigen.

Hintergrund:

Erst im August hat die Bundesagentur für Arbeit eine positive Zwischenbilanz bei der Integration von Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt gezogen. Ihre Erwartungen seien knapp übertroffen worden, sagte Vorstandschef Detlef Scheele der Deutschen Presse-Agentur. Jüngsten Zahlen zufolge hatten im Mai über 300 000 Menschen aus den acht Haupt-Asylländern einen Job – und damit 103 000 mehr als im Vorjahresmonat. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia. „Das läuft alles ganz gut“, meinte Scheele im dpa-Interview. Die Flüchtlingssituation auf dem Arbeitsmarkt gebe keine Veranlassung, schwarz zu malen.

238 000 der Neubürger mit Job – und damit der Großteil – seien sozialversicherungspflichtig beschäftigt, betonte Scheele. „Das sind Zahlen, die sind gut. Dafür, dass die Menschen aus humanitären Gründen gekommen sind und nicht, um hier einen Job zu finden.“ Auch die Ausbildung zeichnet laut BA-Chef ein positives Bild. Knapp 28 000 junge Flüchtlinge hätten inzwischen eine Lehre angefangen, seit Oktober 2017 sich rund 35 000 als Bewerber um einen Platz gemeldet. „Wir haben immer gesagt, dass die, die als Kinder und Jugendliche eingereist sind, bessere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben“, sagte Scheele. (ath)

Salims Flucht vor Monstern

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Felix Börner

Friseure braucht das Land !

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