13.09.2019 - 10:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Mädchen sollen bei Bergfest in Amberg "beim Pippimachen helfen"

Kinder spielen im Wald am Mariahilfberg. Da tritt ein Mann an sie heran, zieht seine Radlerhose herab und will, dass ihm beim Wasserlassen geholfen wird. Jetzt, über zwei Jahre später, findet der Prozess gegen einen Verdächtigen statt.

Ein 64-Jähriger aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach steht vor Gericht, weil er auf dem Mariahilfbergfest 2017 Kinder sexuell belästigt haben soll.
von Autor HOUProfil

Nach einem Zeugenaufruf in der Amberger Zeitung hatte die Begebenheit, geschehen an einem Nachmittag im Juli 2017 beim Bergfest. Hohe Wellen in der Stadt geschlagen. Das kam nicht von ungefähr. Zwei Mädchen, damals fünf und sechs Jahre alt, hatten mit Angehörigen das Bergfest besucht und waren hinter der Toilettenanlage an der Nordseite des Geländes zum Spielen in den angrenzenden Wald gegangen.

Unter den Bäumen trat ihnen ein Mann gegenüber, der ganz offenkundig sexuelle Absichten hatte. Er zog nach späteren behördlichen Ermittlungen seine kurze Radfahrerhose herab, entblößte den Unterleib und manipulierte am Geschlechtsteil. Dann forderte er eines der Kinder auf, ihm - so ging es nun aus Unterlagen hervor - "beim Pippimachen zu helfen". Daraufhin griff wohl das dazu animierte Mädchen kurz an das noch immer nicht bedeckte Körperteil.

Onetz-Bericht über den Vorfall im Juli 2017

Vor dem Schöffengericht, das unter Vorsitz von Markus Sand tagte, saß nun ein 64-Jähriger aus dem Landkreis, der vom Moment seiner Festnahme an geschwiegen hatte und das auch im Sitzungssaal tat. Nur so viel äußerte sein Verteidiger Bernhard Weber: "Mein Mandant hat diese Straftat nicht begangen." In der vom Richter daraufhin eingeleiteten Beweisaufnahme wurde zunächst deutlich: Etwa eine halbe Stunde nach dem Ereignis hatte sich die Mutter von einem der Mädchen an einen zufällig auf dem Mariahilfberg anwesenden Polizisten gewandt. Der Hauptkommissar ging in das fragliche Waldstück, sah den nun angeklagten 64-Jährigen und nahm ihn fest. Nicht lange darauf wurde er einer Funkstreifenbesatzung übergeben, begann die Kripo zu ermitteln. Wichtig dabei: Der Mann trug ein knallgelbes Radlertrikot. Er wurde so auch erkennungsdienstlich fotografiert. Den Vorfall hatten zwei weitere Kinder beobachtet. Auch sie wurden vernommen. Die Beschreibungen des Täters klafften in den Angaben weit auseinander. Insbesondere, was die Farbe des Shirts betraf. Hinzu kam, dass auch die Einordnungen zum Aussehen des Mannes nicht zueinander passten. Die Worte "Glatze" und "dick" kamen vor. Beides traf auf den jetzt Beschuldigten nicht zu.

Bei einer sogenannten Wahllichtbildvorlage durch die Kripo hatten die beiden Mädchen den 64-Jährigen unter etlichen anderen vorgelegten Fotos als denjenigen identifiziert, der sich unsittlich betätigte. Allerdings bemerkte Richter Sand einschränkend, die Kinder seien bei der nach einer halben Stunde erfolgten Festnahme in der Nähe gewesen. "Er war von daher der Einzige, den sie auf den Bildern erkannten." Auch das also war für den Vorsitzenden kein schlüssiger Punkt zur Überführung.

Als die Beweisaufnahme beendet war, beschrieb der Vorsitzende den Eindruck des Schöffengerichts. "Zu einer Verurteilung wird das nicht ausreichen", bilanzierte er und sah sich dabei im Einklang mit Anwalt Weber. Staatsanwältin Franziska Paintner gab sich damit nicht zufrieden. Sie verlangte nach weiteren Zeugen, hielt auch eine Befragung der heute sieben und acht Jahre alten Mädchen nicht für ausgeschlossen. Diese Vernehmungen hatte der Richter von Beginn an vermeiden wollen.

Prozess abgebrochen

Die Diskussion darüber, ob neue Zeugen notwendig seien und ob sie womöglich erhellende Aspekte ins Verfahren hätten einbringen können, dauerte einige Zeit. Dann brach der Vorsitzende den Prozess ab. Mit der Konsequenz: Er wird irgendwann von vorne beginnen. Ob mit oder ohne zusätzliche Zeugen, wird sich erst noch zeigen müssen.

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