18.01.2019 - 14:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenn die Männer zum Einsatz gerufen werden

Irgendwann in der Nacht von Samstag auf Sonntag kommt Marco von der Feuerwehrsitzung nach Hause. Er weckt seine Freundin. "Wir müssen ausrücken. Katastrophenalarm." Dann geht er zum Schrank, und fängt hektisch an zu packen.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Katja ist zunächst irritiert, versteht die Welt nicht mehr. Nach und nach erfährt sie alles: Mehr als 100 Feuerwehrler aus dem Landkreis fahren Richtung Berchtesgadener Land, das im Schneechaos versinkt. Wo es für Marco genau hingeht, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch nicht, ob er dort Handyempfang hat und sich melden kann. Und wie gefährlich es werden könnte, erst recht nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 24-Jährige ist ziemlich aufgelöst und auch ihr Freund wirkt nervös. Nach einer kurzen Nacht mit Diskussionen und auch ein paar Tränen, ist es Sonntagmorgen. Marco plündert die Vorratskammer und das Gefrierfach. Seine Truppe wurde angewiesen, ihre Verpflegung selbst mitzubringen. Auch Kissen, Decke und Isomatte kommen mit. Der Feuerwehranzug landet natürlich in der Reisetasche. Wieviele Klamotten? Marco ist überfragt. Er weiß noch nicht mal, wie lange er weg sein wird. Drei Tage, eine Woche oder zwei? Gegen Mittag bricht der 27-Jährige auf. Ein kurzer Kuss zum Abschied, dann ist Katja allein. Die Angst um ihren Schatz und die Ungewissheit bleibt zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleicher Einsatz, gleicher Tag, anderes Paar: Bei Christina und Christoph ist die Situation entspannter. Der 46-Jährige hat gerade Wochenenddienst im Internat des Max-Reger-Gymnasiums, als er alarmiert wird. Er teilt seiner Frau Christina mit, dass er nur kurz zum Packen vorbeikommen wird. Für sie ist die Sache sofort klar: "Ich weiß, dass er das gerne macht." Angst um ihren Mann hat sie nicht. Sie verlässt sich auf sein gutes Team. "Die wissen, was sie tun." Sonntagmittag bringt die Apothekerin ihren Mann zur Feuerwehr. Nochmal fest drücken und einen dicken Kuss gibt's auch, dann heißt es "Servus" sagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christoph wird vermutlich bis Mittwoch weg sein. Jedenfalls ist er nur so lange von der Arbeit freigestellt. Immer wieder schickt er per Whats-App Fotos, wie es bei ihm so aussieht. "Unsere mittlere Tochter wäre am liebsten mitgefahren. Die Kinder finden das spannend, dass der Papa dort ist, worüber im Fernsehen berichtet wird", erzählt die dreifache Mutter. Sie, ihr Sohn (16) und ihre beiden Töchter (14 und 10) warten so lange auf ihren Papa und leben ihren Alltag weiter. Untergebracht sind alle Helfer aus dem Landkreis und der Stadt Amberg in einer Turnhalle. Sie schlafen auf Feldbetten und fahren täglich 100 Kilometer einfache Strecke zu ihrem Einsatzort in Schönau am Königsee.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Mittwoch ist es dann schon wieder so weit. Der erste Schwung Feuerwehrler kehrt zurück. Alle kommen heil an, auch, wenn die Fahrt in der Feuerwehrauto-Kolonne sich etwas zieht. Ziemlich erschöpft sind die Männer. Christoph ist schon am Nachmittag daheim und erzählt seiner Familie von den letzten Tagen. Die Einheimischen hätten immer darauf geachtet, dass es den Helfern an nichts fehlt. Auch Katja ist erleichtert, Marco wieder daheim zu wissen. Nach vier Tagen Einsatz packt er seine Tasche wieder aus. Die plötzliche Trennung haben sie gut gemeistert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ehepaar Christoph und Christina Matz aus Amberg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Video: Schichtwechsel nach vier Tagen Einsatz

Amberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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