Im ersten Quartal 2024 gingen in der Stadt Amberg insgesamt 113 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,1 Megawatt in Betrieb (Quelle: Marktstammdatenregister). Im Gesamtjahr 2023 waren es 684 Anlagen mit einer Leistung von 7,76 Megawatt gewesen. Ist also der Boom, sich eine eigene PV-Anlage aufs Dach zu setzen oder große Freiflächenanlagen zu errichten, ungebrochen? Oder lässt die Konjunktur bereits nach, die Nachfrage sinkt und die Menschen brauchen einen öffentlichen finanziellen Anstubser, um ihre Lust auf Photovoltaik wieder aufzufrischen?
Von einer Bürgerversammlung im November 2021 existiert noch ein Antrag, die Stadt Amberg möge doch bitte Maßnahmen ergreifen, die es Immobilienbesitzern schmackhaft machen, ihr Dach mit einer Photovoltaikanlage zu bestücken. Der Antrag war damals angesichts eines gerade anlaufenden Solarbooms noch vor Abschluss der Prüfung zurückgestellt worden, weil der im Februar 2022 beginnende Ukrainekrieg ohnehin die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen schlagartig nach oben katapultierte. Im letzten Umweltausschuss legte ihn der zuständige Referent Bernhard Mitko jetzt erneut zur Beratung vor. Allerdings mit dem Beschlussvorschlag, diesen auch weiterhin zurückzustellen.
Es fehlen die Handwerker
Als Begründung gab Mitko an, dass die Stadt Amberg erstens im statistischen Vergleich für 2023 ohnehin sehr gut abschneide, was den Zuwachs an PV-Anlagen angehe. Zweitens sei inzwischen zwar der Engpass an Modulen überwunden, doch fehle es drittens immer noch an Kapazitäten von Handwerkern, die diese Module aufs Dach schrauben. "Aktuell braucht es diesen Anreiz nicht", so der Referent. Sein Vorschlag: Abwarten und die Entwicklung weiter im Auge behalten. Sollte die PV-Konjunktur tatsächlich merklich abflauen, könne der Antrag dann ja wieder aus der Schublade hervorgezogen werden.
Ein Vorschlag, dem der Ausschuss zwar einstimmig gefolgt ist, der aber trotzdem zu Diskussionen über den Sinn oder Unsinn einer solcher öffentlichen Förderung geführt hat. Man könnte so eine Förderung ja auch als ein Signal der Stadt verstehen: Ja, wir finden Solarenergie auf den Dächern gut, argumentierte zum Beispiel Claudia Ried (Grüne). Weil der Mensch halt oft nicht rational entscheide. Ein kleiner Turbo könne da eventuell nicht schaden angesichts einer doch allmählich sinkenden Nachfrage nach PV-Anlagen in der Stadt. "Der Energiepreis geht wieder nach unten", nannte Claudia Ried einen Grund dafür, warum weniger Amberger als bisher ihre eigene Energie produzieren wollen.
Auf Wiedervorlage
"Wenn es jemand bis jetzt nicht kapiert hat, den werden wir auch mit einem Zuschuss nicht verändern", vertritt hingegen Helmut Weigl die Gegenposition. PV-Anlage auf dem Dach plus Speicher ist seiner Meinung nach das Non-Plus-Ultra. Von daher sieht Weigl nicht ein, da noch einmal Geld reinzugeben, um den Anreiz zu steigern. Außerdem, so ergänzte Oberbürgermeister Michael Cerny in der Diskussion, würden auf diese Weise wieder einmal die gefördert, die ohnehin Geld hätten. Frei nach dem Motto: Wer sich eine PV-Anlage samt Speicher bei derzeit deutlich fallenden Preisen leisten könne und wolle, müsse nicht auch noch öffentlich gefördert werden. Josef Witt (ÖDP) sprach von "einer künstlichen Nachfrage", die mangels Handwerkerkapazitäten ohnehin nicht gedeckt werden könne. Sein Fazit: "Der Zeitpunkt für eine Förderung ist zu früh, legen wir den Antrag doch auf Wiedervorlage." So wird es jetzt auch gemacht.
So viele PV-Anlagen gingen ans Netz
- Stadt Amberg
- 2024 (bis März): 111 Anlagen; 1,14 MW Leistung
- 2023: 684 Anlagen; 7,76 MW Leistung
- 2022: 263 Anlagen; 20,4 MW Leistung
- 2021: 108 Anlagen; 2,3 MW Leistung
- 2020: 99 Anlagen; 1,4 MW Leistung
- Kreis Amberg-Sulzbach
- 2024 (bis März): 366 Anlagen; 8,1 MW Leistung
- 2023: 2522 Anlagen; 79,9 MW Leistung
- 2022: 858 Anlagen; 97,8 MW Leistung
- 2021: 589 Anlagen; 31,2 MW Leistung
- 2020: 536 Anlagen; 12,8 MW Leistung
- Quelle: Marktstammdatenregister



















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