13.01.2021 - 13:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Marderschäden nur auf dem Papier

Marder richten oft erhebliche Schäden an Autos an. Eher selten werden sie allerdings als Vorwand für fingierte Reparaturrechnungen benutzt. Der Urheber sitzt jetzt wegen Betrugs vor dem Landgericht Amberg.

Diesmal unschuldig: Der Marder hatte die Schäden nicht verursacht, die in den Meldungen an die Versicherung angegeben waren.
von Autor HWOProfil

Viele Autofahrer haben sich schon darüber geärgert: Ein Marder hat die Kabel im Motorraum angenagt. Das kann als Versicherungsschaden geltend gemacht werden. Ein Kfz-Meister und seine Kunden haben allerdings Marderschäden als Vorwand für fingierte Reparaturrechnungen benutzt.

Alle wussten Bescheid

Sie wussten alle Bescheid. Deswegen löste sich dann auch eine gewaltige Verfahrens-Lawine aus, als die Kriminalpolizei zu ermitteln begann. Die Fahnder nahmen zunächst einen Kfz-Meister aus dem südlichen Kreis Schwandorf ins Visier und konzentrierten sich nicht lange darauf auf zahlreiche seiner Kunden. Gemeinsam hatten sie einen in Stuttgart ansässigen Versicherungskonzern betrogen.

Die Justiz musste sich auch mit dem "Stinkefinger" befassen

Schwarzenfeld

Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts hat nun der 60-jährige Kfz-Meister zum Auftakt des gegen ihn laufenden Betrugsprozesses ein Geständnis abgelegt und zugegeben, dass in seiner unterdessen nicht mehr existierenden Werkstatt ab dem Jahr 2012 merkwürdige Dinge vonstatten gingen. Genauer: Als Autobesitzer kamen und Reparaturleistungen an ihren fahrbaren Untersätzen haben wollten, bot er ihnen an, sogenannte Abtretungserklärungen an ihn zu unterschreiben.

Dann wurde man stutzig

Die Leute hatten allesamt eine Teilkaskoversicherung beim gleichen Assekuranz-Unternehmen. Ihre Autos wurden repariert, sie mussten nichts bezahlen. Danach reichte der heute 60-Jährige Rechnungen bei der Versicherung ein, in denen Marder- und Glasschäden aufgeführt waren. In der Zentrale machte man sich zunächst keine Gedanken und überwies die Beträge an den Kfz-Meister.

Erst im Jahr 2015 wurde man in Stuttgart stutzig. Es fiel auf, dass da immer wieder Forderungen eintrudelten, die Mardern oder Glasbruch zugeschrieben waren. Hinzu kamen weitere Ungereimtheiten wie etwa bei Fotos, die den Rechnungen beilagen. Über ihre Anwälte ließ die Versicherung Anzeige erstatten. Ab dann ermittelten Staatsanwaltschaft und Betrugsfahnder der Amberger Kriminalpolizei.

Vor der Strafkammer sind nun 39 Einzelfälle mit einem Finanzschaden von insgesamt rund 25 000 Euro angeklagt. Das allerdings scheint nur die Spitze eines Eisbergs zu sein. Denn bereits im Vorfeld des Prozesses wurden offenbar etliche weitere Fälle eingestellt. Fakt ist, dass die Kfz-Werkstatt mit Verbindlichkeiten von rund 150 000 Euro in die Insolvenz ging und sich der Inhaber einen neuen Job suchen musste.

Prozess geht weiter

Für ein Geständnis stellte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber dem Angeklagten eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe in Aussicht. Der 60-Jährige gab alles zu und beantwortete Fragen des Gerichts. Dazu gehörte auch die Erklärung, dass viele seiner Kunden "nicht wussten, wie sie Reparaturen an ihre Autos zahlen sollten". Von daher habe er ihnen erklärt, wie man durch Rechnungen über Glas- und Marderschäden die Versicherung hinters Licht führen konnte. "Die haben es alle gewusst", erfuhr die Strafkammer. "Und das", bohrte Richterin Stöber fragend nach, "hat sich wohl herumgesprochen?" Die Bestätigung folgte umgehend: "Ja, das war so." Der Prozess wird fortgesetzt.

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