14.10.2018 - 12:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Markt als Diskussionspunkt

Erst einmal ist es reine Routine: Lidl will den Verbrauchermarkt in der Infanteriestraße neu bauen. Was an sich auch kein Problem darstellt. Doch lässt sich an diesem Beispiel trefflich über Generelles debattieren.

Der Lidl-Markt in der Infanteriestraße soll kommendes Jahr weggerissen und neu gebaut werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

(ass) Ort für diese Debatte war der Bauausschuss. Der hatte formal über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Amberg 137 "Sondergebiet an der Infanteriestraße" zu entscheiden, der im Gegensatz zum ersten Entwurf an einigen Stellen verändert worden ist. Generell ging es dabei darum, dass Lidl ursprünglich geplant hatte, die Zufahrt zur Anlieferungszone von der Infanteriestraße in die kleine Straße Am Fiederbach zu verlegen.

Was unter anderem den dortigen Anliegern naturgemäß nicht gefiel. Beantragt ist die Erweiterung der Verkaufsfläche von jetzt 1000 auf dann 1500 Quadratmeter, womit aber keine Sortimentserweiterung einher gehen soll. Der Markt soll einfach nur großzügiger, jedes Regal etwas niedriger werden. Im Lauf der kommenden Jahre will Lidl zusätzlich ein kleines Backcafé samt Freisitz bauen.

Nightclub nicht möglich

Grundsätzlich eine tolle Sache, befand Helmut Weigl (CSU). Der allerdings Bedenken hinsichtlich der Ausweisung des Areals als Sondergebiet hatte. "Das lässt bei mir alle Warnlampen angehen", sagte Weigl und verband damit die Hoffnung, es möge an dieser Stelle nicht in ferner Zukunft ein böses Erwachen geben. "Ich will da nicht irgendwann einen Nightclub haben."

Das sei aber schon im vorhabenbezogenen Bebauungsplan entsprechend eingeschränkt, konnte ihn Baureferent Markus Kühne beruhigen. Womit die Diskussion sinnbildlich erst einmal an der nahe gelegenen Pflegerkreuzung Station machte. Dieter Amann (SPD) stellte nämlich fest, dass der Rückstau in der Infanteriestraße immer länger wird. Höchste Zeit also, sagte er, an der Kreuzung endlich tätig zu werden. Planungsvereinbarung mit dem Staatlichen Straßenbauamt hin oder her. "Wir sollten uns von denen nicht immer gängeln lassen", forderte Amann, erntete aber bei seinen Stadtratskollegen keinen Beifall für den einsamen Vorstoß.

Ein kleiner Seitenhieb

Nur gut, dass Hans-Jürgen Bumes (Grüne) den Flächenverbrauch aufs Tapet brachte. Ebenerdige Parkplätze, ein ebenerdiger Bau, sagte er, das müsste doch besser auch gehen. Beispielsweise mit einer zusätzlichen Wohnbebauung über dem Markt. "Mietwohnung wären doch hier interessant", sagte Bumes. Gut, dass wenigstens eine Photovoltaikanlage auf dem Dach vorgesehen sei. "Wir müssen doch mal mit gutem Beispiel vorangehen und ein Vorbild schaffen", appellierte er an den Stadtrat.

Womit er aber Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) gerade recht kam. Unten Parken, oben Einkaufen und Wohnen? Das sei doch genau das Konzept auf dem ehemaligen Bürgerspitalgelände in der Altstadt, gegen das sich die Grünen vehement aussprechen würden. Da gehe man doch als Stadt beispielhaft voran, genau wie es Bumes für den Lidl-Markt jetzt fordere.

Natürlich sei es möglich und es werde auch gemacht, dass man solche Vorschläge an die Investoren weitergebe, sagt Baureferent Markus Kühne dazu, nachdem diese kleine Diskussion beendet war.

Allerdings habe das Baureferat damit bisher überhaupt keinen Erfolg gehabt. Oder anders gesagt: Die Investoren scheuen solche Dinge wie der Teufel das Weihwasser. Wahrscheinlich, so Markus Kühne, sei einfach der Grund und Boden bei uns in Amberg noch viel zu billig.

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