Amberg
24.09.2026 - 09:49 Uhr

Markus Frauendorfer: "Mein Credo ist Führung auf Augenhöhe"

Die Geschichte des Amberger Geschäftsmannes ist eine über Tradition, Verantwortung und Zugehörigkeitsgefühl. Sie gibt eine Vorstellung davon, warum Familienunternehmen im deutschen Mittelstand so wichtig sind.

Von Reiner Wittmann

Die Familie Frauendorfer ist in Amberg ein Begriff, ihr Möbelgeschäft gleich hinter dem Bahnhof seit vielen Jahrzehnten eine Institution. Markus Frauendorfer ist – zusammen mit seiner Schwester Andrea – der Chef dieses Traditionsunternehmens. Obwohl, Chef, das hört er vermutlich gar nicht so gerne. Er sieht sich eher als jemand, bei dem die Fäden zusammenlaufen, der das Wissen und die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter koordiniert. Deren Know-how und Motivation sei entscheidend für alle: „Jeder einzelne ist ein Fachmann auf seinem Gebiet. Die Mitarbeiter haben die Erfahrung, die es braucht, sie kennen die Details, um die man wissen muss.“ Das müsse jeder Geschäftsführer, jede Führungskraft verstehen. „Nur gemeinsam ist man stark“.

Auf der nur wenigen Menschen zugänglichen Dachterrasse des Möbelhauses kommt er schnell auf solche Themen zu sprechen. Die Besucher des Karrieremagazins „work:life OBERPFALZ“ gelangen durch die ehemalige Wohnung seiner verstorbenen Mutter, die heute zu Büros umfunktioniert wurde, ins Freie. Die Sonne scheint an diesem herrlichen Sommertag. Irgendwie, so hat man den Eindruck, sind diese lichtdurchfluteten Räume und die Terrasse ein Besinnungsort für Frauendorfer, ein Platz, der für eine Zäsur steht. Als Teenie und junger Mann war dies hier auch für ihn auch ein Zuhause…

Handel mit schönen Dingen

Überraschend viele Kunden für einen Vormittag mitten unter der Woche, kommt es einem in den Sinn, als Frauendorfer weiter durchs Haus führt. „Einzelhandel ist nicht gleich Einzelhandel. In manchen Branchen wird nur verteilt. Wir beschäftigten uns hier aber mit schönen Dingen. Und wenn Kunden nach der Anlieferung ihrer Möbel bei uns anrufen und sich bedanken, dann sind das schon echte Glücksmomente“, erzählt er beim Spurt durch schier endlose Verkaufsräume.

Und: „Der stationäre Einzelhandel hat weiterhin Zukunft“, gibt sich Frauendorfer überzeugt und wirbt für sein Metier als Karriereoption für junge Menschen. „Natürlich ist das branchenabhängig“, schränkt er ein. „Es gibt aber Produkte, die wollen die Kunden einfach in Augenschein nehmen. Keiner kauft sich für ein paar Tausend Euro ein Sofa, ohne darauf gesessen zu haben.“

Auch für seine Kinder wäre es eine attraktive Option, in die Fußstapfen des Vaters zu treten – sollten sie das wollen: „Momentan studieren alle drei noch. Sie sollen frei entscheiden, welchen beruflichen Weg sie einschlagen.“ Allerdings hat man sich in der Familie schon vor einiger Zeit auf „Begleittage“ verständigt, an denen Andreas, Konstanze und Theresa im Betrieb mitarbeiten, um mit den Abläufen vertraut zu werden: „Sie wissen um die Charakteristika der Branche und kennen die Zahlen.“

Anzug, weißes Hemd, höflich und zugewandt: Markus Frauendorfer ist ein Mensch, der auf gute Umgangsformen Wert legt. Der Fotografin hält er die Tür auf, er trägt die Kameratasche. Ein Gentleman. Er kann aber auch anpacken. Nach dem Abitur, Anfang der 8oer-Jahre, macht er eine Lehre als Schreiner. Er will das Geschäft von der Pike auf erlernen, schließlich hatte das Unternehmen in diesem Handwerk seine Wurzeln (und betreibt noch heute eine hauseigene Möbelschreinerei).

Es kommt auf den Menschen an

Nach der handwerklichen Ausbildung studiert er Betriebswirtschaftslehre, erst in Regensburg, dann an der Uni in Mannheim. Er spielt mit dem Gedanken, zunächst in die Unternehmensberatung zu gehen, aber „ich habe gesehen, dass die mit Menschen umgehen wie mit Nummern. Das wollte ich nicht. Ich wollte in einem Unternehmen arbeiten, in dem Menschen Menschen sind.“ Also folgen nach dem Studium ein Jahr lang Abstecher in andere Möbelhäuser, „um unterschiedliche Perspektiven und unternehmerische Herangehensweisen kennenzulernen.“

Nach dem frühen Tod seines Vaters in den 70er-Jahren hatte die Mutter von Markus Frauendorfer die Führung der Geschäfte übernommen. Sie führt ihn und seine Schwester nach und nach an die Rolle als Leiter eines Unternehmens mit heute rund 100 Mitarbeitern heran. Er wird Geschäftsführer, Anfang der Nuller-Jahre Gesellschafter.

Wenn Frauendorfer heute von seiner vor zehn Jahren ebenfalls verstorbenen Mutter, der „Senior-Chefin“, spricht, so ist das eine Mischung aus Achtung vor deren Lebenswerk und dem frühen Bekenntnis, die Dinge anders machen zu wollen als sie, die als Chefin fest das Zepter in der Hand hielt. „Ich habe viel von meiner Mutter über das Unternehmen gelernt, wofür ich dankbar bin, vieles übernommen. Was ich nicht übernommen habe, war der Führungsstil. Mein Credo ist Führung auf Augenhöhe. Zuhören. Mir ist wichtig, dass ein Mitarbeiter offen auf mich zugeht, wenn er ein Problem hat. Gerne auch in privaten Angelegenheiten. Man muss den Menschen ganzheitlich sehen.“

Dazu gehört in Frauendorfers Augen eine Fehlerkultur, die konstruktive Kritik zulässt. Auch am Chef, an Vorgesetzten. Dieser offene Umgang ist Markus Frauendorfer nicht nur im Betrieb ein Anliegen, sondern auch in der Gesellschaft. „Wenn es Probleme gibt, muss man die identifizieren und ansprechen, um sie lösen zu können.“ Mit dieser Überzeugung geht er an seine Aufgabe als Gremiumsvorsitzender der Industrie- und Handelskammer für die Region Amberg-Sulzbach heran. Ehrenamtlich artikuliert er hier als gewählter Repräsentant der Mitgliedsbetriebe die Interessen der lokalen Wirtschaft - und damit der Menschen, die in diesen Betrieben arbeiten.

„Zutiefst dankbar“

Bleibt da nicht das Private, die Familie, auf der Strecke? „Ich empfinde das nicht so. Für mich gehört es immer dazu, Familie, Geschäft und mein gesellschaftliches Engagement zusammen zu denken. Ohne das Verständnis meiner Familie, den Rückhalt meiner Frau, wäre das aber nicht möglich. Für dieses gegenseitige Verstehen bin ich zutiefst dankbar.“

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