15.04.2020 - 10:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Maskiert und mit Abstand zur Blutspende

Blutspenden in Zeiten von Corona: Beim Termin in einer Amberger Turnhalle kommen so viele willige Spender, dass sie zum Teil wieder weggeschickt werden. Manche warten bis zu zwei Stunden. Viele kommen zum ersten Mal.

Abstand halten ist derzeit die Devise - auch beim Blutspenden. Zwischen 14 und 20 Uhr lassen 230 Menschen 115 Liter Blut in der Turnhalle. Das entspricht etwa der durchschnittlichen Füllung einer kleinen Badewanne.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Es ist wie eine stumme Absprache. Nirgendwo ist zu lesen, dass Abstand gehalten werden soll. Aber alle halten sich daran. Am Mittwoch bildet sich auch deswegen eine lange Schlange vor der GMG-Turnhalle. Die Menschen wollen Blut spenden. Nach sechs Stunden sind es 230 Leute, davon 58 Erstspender, die ihr Blut, abgepackt in 500-Milliliter-Beutel, dalassen. "Es waren so viele, ich musste sogar einige wieder wegschicken, sonst wären wir in der Nacht noch dagestanden", sagt der Chef-Organisator Rainer Endres am Tag danach. Manche hätten eineinhalb Stunden gewartet, bis sie an die Reihe kamen. Es ist ungewöhnlich, dass so viele zu einem regulären Blutspende-Termin kommen. Normalerweise finden diese in den Räumen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) am Amselweg statt.

Der Ablauf in Bildern

Aus gegebenem Anlass musste ein größeres Domizil gefunden werden. Am Eingang wird bei jedem potenziellen Blutspender Fieber gemessen. Alle über 37, 5 Grad müssen wieder gehen. Insgesamt werden 27 Menschen an diesem Nachmittag wieder weggeschickt. Die Leute, die noch keinen Mund- und Nasenschutz tragen, bekommen einen ausgehändigt. Rainer Endres ist Gebietsreferent beim BRK und in ganz Niederbayern und der Oberpfalz unterwegs, um Veranstaltung wie diese zu organisieren. Blutspenden in Zeiten von Corona? „Das sind für mich zwölf bis 14 Stunden Arbeit pro Tag“, sagt er. Es gibt viele Richtlinien, zum Beispiel das Einhalten von Abständen, der Verweis auf die Bodenmarkierungen, das Ausgeben von Care-Paketen statt Brotzeit vor Ort. Viele Menschen auf einem Raum entfachen bei ihm keine Angst vor einer Ansteckung. Er zuckt mit den Schultern. Er mache das jetzt seit zwei Wochen.

Die Amberger Aktion gehört zu einer der größeren Veranstaltungen im Bezirk. Endres ist mit wechselnden Gruppen unterwegs, um die Blutspenden vor Ort abzuwickeln. Heute ist es Team F. Rund 13 Leute sind dabei. Von Ärzten über Krankenschwestern bis zu den Ehrenamtlichen: „Wir brauchen aber viel weniger Personal. Schon allein bei der Essensausgabe reichen hier zwei“, erklärt Endres. Wer zur GMG-Turnhalle kommt, absolviert einen Art Rundlauf. Neuankömmlinge kreuzen nicht mit fertigen Spendern.

Blutspenden: Wie geht's? Was passiert?

In der Halle geht es von der Maskenausgabe zur nächsten Station. Dort bekommt man einen Bogen ausgehändigt, der ausgefüllt werden will. Man muss Fragen nach den Urlaubszielen in den letzten zwölf Monaten oder nach einem etwaigen Infekt beantworten. Mit einem kleinen Piks wird schließlich der Eisenwert im Blut bestimmt. Erst dieser entscheidet, ob man zum Blutspenden zugelassen wird oder nicht.

In der Kolumne "Virus und wir" berichtet die Redakteurin von ihrer ersten Blutspende

Amberg

Blutspenden in Coronazeiten heißt auch, dass mehr Erstspender kommen. Warum ist das so? „Es kommt auf das Gebiet an. Wenn ich mich mit den Erstspendern unterhalte, dann sagen sie: Was soll ich sonst machen? Ins Fußballtraining kann ich nicht, rausgehen kann ich nicht. Ich kenne welche, die fahren mit dem Motorrad von Regensburg nach Straubing zum Blutspenden. Das ist dann schon fast sowas wie Freizeitbeschäftigung.“

Für Endres ist diese Bereitschaft grundsätzlich positiv. Vor allem da derzeit alle Firmentermine wegbrechen. Doch seiner Meinung nach wäre es wünschenswert, wenn die Erstspender auch bei der Sache blieben. Die Statistik spricht eine andere Sprache. Die Hälfte kommt nie wieder.

Auch zum Termin in Sulzbach-Rosenberg kamen viele Blutspender

Sulzbach-Rosenberg
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