14.11.2018 - 12:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Masterplan für den Sportpark in der Diskussion

Für die einen ist er Masterplan, für die anderen "nur" Entwicklungskonzept. Wieder einmal will die Stadt Amberg daran gehen, das Sportareal am Schanzl neu zu ordnen. Doch im Moment besteht vor allem eins: Redebedarf.

So könnte nach einem Entwurf der Stadt Amberg der „neue“ Sportpark aussehen. Gut zu sehen ist hier, dass im Bereich der Werner-von-Siemens-Straße ein Grundstück an die benachbarte Bauart verkauft wird.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Entwicklungskonzept - Version 10 für den Sportpark Amberg vom 2. Oktober 2018. Das ist die Basis der CSU-Stadtratsfraktion, auf der ihr inzwischen vom Hauptausschuss erst einmal teilweise auf Eis gelegter Haushaltsantrag fußt.

Als Begründung führen die Christsozialen an, durch die neue Skateranlage und den Bau der Beachvolleyball-Felder habe sich der Sportpark in den vergangenen beiden Jahren sehr gut entwickelt, jetzt gelte es den nächsten Schritt einer kompletten Neuordnung zu gehen. Stichwort Zukunftskonzept. Darin enthalten sind unter anderem ein neuer Allwetterplatz für Handball, Basketball oder Fußball, ein Calisthenicspark und ein Kunstrasenplatz, den nach dem Willen der CSU-Fraktion dann alle Amberger Sportverein nutzen dürften.

Toilette geht durch

Ganz dringend nötig wäre demnach auch eine öffentliche Toilettenanlage, am besten eine, die man sowohl vom Stadion als auch von außen nutzen kann. Der Punkt, bei dem der Hauptausschuss in seiner Etatsitzung am vergangenen Donnerstag dem Antrag folgte. Aber auch über eine zusätzliche - kleinere - Eisfläche am Eisstadion denkt man bei der CSU durchaus aktiv nach.

Soweit die bunte Theorie. Praktisch hingegen sieht es im Sportpark derzeit so aus, dass vor allem drei Vereine mit "eigenen" Liegenschaften dort von der Neuordnung betroffen wären: TV, DJK und ESV. Der TC am Schanzl sowie die Eisläufer und -hockeyspieler hingegen bleiben erst einmal außen vor. Theo Daller, der Vorsitzende der DJK, ist sehr angetan von dem Plan, der TV-Vorsitzende Thomas Bärthlein als CSU-Stadtrat ohnehin. Nur Thomas Wutz, der an der Spitze des Eisenbahnervereins ESV steht, lehnt kategorisch ab.

Vorerst nur Toiletten

Amberg

Das ist die Ausgangsposition, die es zu bewältigen gibt. Für Theo Daller und seine DJK wäre die Neuordnung wohl eine Art Befreiungsschlag. Der Verein muss aktuell zwei Fußballplätze für nur eine aktive Mannschaft unterhalten. Zudem müsste das Sportheim dringen im sechsstelligen Bereich saniert werden. Wofür Daller aber das Geld nicht hat, wie er im Gespräch mit der Amberger Zeitung unumwunden zugibt. "Uns laufen einfach die Sanierungskosten davon." Er könne ja noch nicht einmal die notwendige Modernisierung der Sanitäranlagen stemmen.

Für die DJK wäre damit die Aufgabe des eigenen Vereinsheims und die gewünschte Umwandlung des zweiten Fußballplatzes in weitere Beachvolleyballfelder für die extrem erfolgreiche Volleyballsparte der richtige Schritt. "Die Vereine müssen sich bewegen", sagt Theo Daller und hofft auf eine zeitnahe Lösung. Die mit dem ESV nicht zu machen sein wird. "Solang ich hier etwas zu sagen habe, wird überhaupt nichts gemacht", lehnt Vorsitzender Thomas Wutz jeden Vorstoß ab, den einzigen Fußballplatz seines Vereins in ein Kunstrasenfeld für alle Amberger Vereine umzuwandeln.

ESV zieht überhaupt nicht

Wutz weiß insbesondere auch die erfolgreichen Leichtathleten des ESV hinter sich. Diese Sparte - ursprünglich bei der inzwischen aufgelösten SG Siemens beheimatet - hatte sich bekanntlich geweigert, den von den Vereinsvorständen der SG Siemens und des TV 1861 vorgezeichneten Weg zum TV zu gehen, und sich stattdessen den Eisenbahnern angeschlossen. Laut Thomas Wutz existiert inzwischen auch ein umfangreiches Vertragswerk mit den Nachbarn vom TV, was die Nutzung des städtischen Stadions (es wird vom TV verwaltet) sowie umgekehrt der ehemaligen ESV-Tennisplätze als Beachvolleyballfeld durch den TV betrifft. Daran sei auch nichts zu ändern so Wutz unmissverständlich.

Bei der CSU-Fraktion hingegen, die den Prozess der Neuordnung nunmehr erneut ins Gespräch gebracht hat, sieht man vor allem die Chance, die eine solche Neuordnung mit sich bringt. Aber das Misstrauen gegen den "großen" TV kann auch die Politik nicht ausräumen.

Lukrative Verlockungen für den TV:

Was als Masterplan Sportpark firmiert, stellt sich als eine Flurbereinigung klassischer Prägung dar. Grundstücksgrenzen werden neu gezogen, Flächen getauscht und wohl auch verkauft. Mittendrin der TV 1861 Amberg.

Anruf bei TV-Vorsitzendem und CSU-Stadtrat Thomas Bärthlein. Danach ist klar, dass nichts klar ist. Selbst Journalist, dürfte der TV-Vorsitzende und kommissarische FC-Fußball-Abteilungsleiter, wissen, was er tut, wenn er einem Kollegen die Floskel „das kann ich weder bestätigen noch dementieren“ in den Block diktiert.

Diese Antwort gab Bärthlein auf die Frage, ob der TV in Grundstücksverhandlungen mit einem Anlieger seines ehemaligen Fußball- und Leichtathletikplatzes getreten sei. Gemunkelt wird das in entsprechenden Amberger Sportvereins-Kreisen schon länger.

Inzwischen liegen der Redaktion detaillierte Planskizzen vor, wie im Zuge des von der Stadtrats-CSU angekündigten Masterplans Sportpark sich auf mehrere Vereine verteilende Sportplatz- und Freiflächen im Stadtosten neu geordnet werden könnten. Eine Variante sieht vor, ein Stück des früheren TV-Platzes samt Aschenbahn-Teil an einen Anlieger abzutreten. Der infrage kommende Interessent möchte sich zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht äußern.

Die Hängepartie mit den FC-Fußballern ist derweil noch nicht ausgestanden. Bei einer Abteilungsversammlung vor vier Wochen wurde angekündigt, bis Ende Oktober das verzwickte, rund um den kurzzeitigen Regionalligisten Erste Mannschaft gesponnene GmbH-Konstrukt ordnungsgemäß auflösen zu wollen.

Ein Treffen der Beteiligten, die sich inzwischen nicht mehr allzu grün sind, habe stattgefunden, bestätigte Bärthlein. Es seien aber noch weitere Gespräche nötig. Die prekäre Lage, die nicht zuletzt von dem Schreckgespenst Insolvenz getrieben wird, ist also noch völlig in der Schwebe. Zwei Wochen nach dem als Stichtag angekündigten Termin einer dringend nötigen Entscheidung. Geld braucht der TV auf jeden Fall. Ein Grundstücksgeschäft kommt da nur zupass. (zm)

Das ist die weiße Linie, die nicht nur bei TV-Mitgliedern für Unmut und Unverständnis sorgt. Die Fläche links davon soll an den Nachbarn verkauft worden – oder ist das schon.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.