Blühende Wiesen das ganze Jahr über - das gibt es nur in Hochglanzmagazinen. In der Realität legt die Natur immer wieder Pausen ein. Dann wird aus einer attraktiven Blumenwiese vorübergehend eine unattraktive Stengelwüste. Ein Anblick, an den man sich gewöhnen muss, wenn man wirklich etwas für Insekten tun will, so die überwiegende Meinung im Umweltausschuss. Der befasste sich in seiner Sitzung am Montag mit dem Wunsch, in diese Richtung aktiv zu werden.
Stadtrat Norbert Wasner (CSU) und der Bund Naturschutz sind im vergangenen Oktober etwa zeitgleich aktiv geworden und haben von den städtischen Ämtern ein Mehr für die Insekten gefordert. Norbert Wasner beispielsweise beantragte, bei den verpachteten landwirtschaftlichen Flächen der Stadt und ihrer Stiftungen mindestens drei Prozent der Fläche als Blühstreifen mit heimischen Pflanzen auszuweisen. Der Bund Naturschutz hingegen legte ein lange Liste an Vorschlägen vor, wie der Natur auch in der Stadt mehr Platz eingeräumt werden kann - beispielsweise durch weniger Mäheinsätze beim sogenannten Straßenbegleitgrün.
327 Hektar verpachtet
Nun hat das Liegenschaftsamt laut Umweltreferent Bernhard Mitko mitgeteilt, dass derzeit rund 327 Hektar an landwirtschaftlicher Fläche, die der Stadt gehören, verpachtet sind. Davon 192 an "konventionelle" Landwirte, 34 an Öko-Bauern und 98 Hektar werden von einem Schäfer bewirtschaftet. "Diese Beweidung stellt eine äußerst insektenfreundliche Bewirtschaftung dar", so Mitko. Drei Hektar würden vom Landschaftspflegeverband gepflegt.
Zusätzlich seien auch noch zahlreiche naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen angelegt worden - wie die große Blühwiese in der Köferinger Heide. Damit, so Mitko, seien die von Wasner geforderten drei Prozent längst erreicht. Unabhängig davon zählte er eine ganze Reihe an Maßnahmen auf, die künftig zum Schutz der Insekten gemacht werden sollen. Neben den längeren Mahdzeiten ist das Anlegen spezieller Blühstreifen und -flächen im Stadtgebiet sowie auf den Friedhöfen Möglichkeit in diese Richtung.
An geeigneten Stellen soll mit Hilfe von Schildern dann darauf aufmerksam gemacht werden, dass hier nicht städtische Flächen verwahrlosen, sondern vielmehr ökologischen Zielen dienen. Allerdings müsse jetzt zunächst einmal abgewartet werden, was der Runde Tisch in Sachen Volksbegehren "Rettet die Bienen" bringe. Da daraus ja möglicherweise ohnehin eine Reihe von Unternehmungen in Sachen Naturschutz resultieren können, so Mitko.
"Wir müssen vielleicht Abschied davon nehmen, dass wir einen gepflegten Rasen haben", stimmte Norbert Wasner dem zu. Wobei Roland Pirner (SPD) schon bat, darauf zu achten, dass es nicht zu "unordentlich" aussieht. Aber was ist unordentlich? "Das Straßenbegleitgrün gefällt den Insekten vielleicht besser, als uns", merkte Bernhard Mitko dazu an. Und so setzte sich quer durch alle Parteien die Einstellung durch, dass man künftig vielleicht ein bisschen weniger auf Optik und mehr auf die Ökologie schauen sollte.
Hans-Jürgen Bumes (Grüne) legte dabei aber großen Wert darauf, einen ernsten Hintergrund zu bekommen. "Es ist bitter notwendig und keine Nice-to-Have-Diskussion", sagte er angesichts eines Insektenrückgangs um mehr als 70 Prozent in den vergangenen Jahrzehnten. Man möge daher doch bitte auch in den Bebauungsplänen verstärkt darauf achten, Vorgärten aus purem Stein zu verhindern, so Bumes. "Wir unterhalten uns hier über Zusatzmaßnahmen, nicht über welche, die anstelle des Volksbegehrens treten", warf an dieser Stelle Bernd Mrasek ein, der als Landesvorsitzender der ÖDP vehement hinter diesem steht.
ÖDP will ein Plus
"Von unserer Seite ist es die Absicht, beim Runden Tisch ein Plus zu erzielen", ging er auf die Strategie seiner Partei ein. Und weil 51 Prozent der Fläche in Bayern landwirtschaftlich genutzt würden, beziehe sich das Volksbegehren eben ganz bewusst auch auf die Landwirte. "Von daher ist der Ansatz hier zu suchen." Letztendlich war sich der Ausschuss einig darin, dass mehr für die Insekten im Stadtgebiet gemacht werden soll und muss. Einstimmig ging die Empfehlung an den Stadtrat, hier zu folgen.













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