15.01.2019 - 12:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Messern auf Inkasso-Tour

Sie kommen als bewaffnetes Inkasso-Trio nach Amberg und sollen Geld bei einem syrischen Landsmann eintreiben. Bis zu 200.000 Euro. Das Unternehmen ist nicht sehr erfolgreich. Denn durch Zufall erscheinen Polizisten am Tatort.

Symbolbild.
von Autor HWOProfil

Sie brachen am Abend des 9. Mai 2018 in einem Ort am Ammersee auf. Drei syrische Asylbewerber im Alter von 20, 21 und 24 Jahren. Mit Messern ausgerüstet, in einem eigens für ihren Coup beschafften Uralt-Auto mit vorher gestohlenen Kennzeichen. Im Vorfeld, so wurde jetzt beim Prozessauftakt vor der Großen Jugendstrafkammer des Landgerichts deutlich, von einem 46-jährigen und ebenfalls in Oberbayern lebenden Araber zum Rollkommando beauftragt.

Die Order lautete offenbar: Nach Amberg fahren und in einer Wohnung am westlichen Stadtrand 200 000 Euro beitreiben, die ein dort mit seiner Familie lebender Syrer angeblich illegal hatte. Das Trio traf in der vierten Morgenstunde des 10. Mai in Amberg ein und ging zielorientiert und fast schon kriminell-professionell vor. Die Asylbewerber gelangten in das Haus, stellten den Strom ab und stürmten in die Wohnung eines ihnen nicht näher bekannten Landsmanns.

"Nur zur Einschüchterung"

Was sich in den Räumen der damals vierköpfigen Familie abspielte, ist bei dem spektakulären Verfahren bisher nur skizzenhaft deutlich geworden. Die drei Syrer haben zwischenzeitlich zugegeben, mit der Abholung von viel Bargeld beauftragt worden zu sein. Zwei von ihnen wollen zur Bedrohung auch Messer dabei gehabt haben. "Allerdings nur zur Einschüchterung", wie die Richter vernahmen.

Was geschah zwischen Dämmerung und Morgen? Die Ehefrau des Überfallopfers, gerade einmal 20 Jahre alt und damals Mutter von zwei kleinen Kindern (heute sind es drei), ließ als Zeugin anklingen, dass sie und ihr Ehemann mit Messern angegangen wurden, dass es auch Drohungen in Richtung des Nachwuchses gab. "Sie wollten Geld", sagte die junge Frau. Doch die genauen Umstände seien ihr nicht deutlich geworden.

Die per Auftrag geschickten Täter durchsuchten alle Räume und fanden 1050 Euro. Außerdem sackten sie angeblich eine Uhr und eine Parfümflasche ein. Viel zu wenig für den mutmaßlichen Auftraggeber. Der wollte per Handykontakt nach Angaben eines der Angeklagten (20) die Summe von 200 000 Euro haben und hatte dafür ein Honorar von jeweils 25 000 Euro für zumindest zwei der Beschuldigten angekündigt. Bei lediglich 50 000 beigebrachten Euro wäre eine Entlohnung von 5000 Euro fällig geworden. Doch von dem Familienvater bekamen die drei Syrer angeblich nur die Zusicherung, er könne innerhalb von 48 Stunden 12 000 Dollar beschaffen.

Wie kann ein 28-Jähriger aus Syrien über solche Beträge verfügen? Welche Rolle spielte der Mann in einem offenbar hoch kriminellen Gefüge? Der Verdacht liegt nahe, dass es sich hier um Geldwäsche handelte. Auf illegalen Wegen von Asylbewerbern vereinnahmt, bei ihm eingezahlt und als Unterstützung für Angehörige in der Heimat gedacht. Angenommen von Kriminellen, die daran verdienen, Beträge aus zwielichtigen Geschäften nach Arabien zu transferieren. Unbehelligt offenbar von deutschen Behörden.

Lachen nicht vergangen

Die drei Handlanger wurden am Tatort festgenommen. Zumindest zwei von ihnen erheitern sich jetzt und lachen. Doch es könnte durchaus sein, dass sie die deutsche Justiz für Jahre einsperrt. Das allerdings wollen die drei Verteidiger Jörg Jendricke, Andreas Lösche und Reinhard Zinkl verhindern. Doch ihnen sitzt Staatsanwältin Jennifer Jäger gegenüber. Sie geht von besonders schwerem Raub, gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und versuchter Erpressung aus.

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