Seit einiger Zeit flammt die Diskussion um die Bebauung des Bürgerspitalareals ins Amberg wieder auf. Stein des Anstoßes ist dieses Mal die geplante Einfahrt zur Tiefgarage unter dem Areal, die direkt neben dem Ring-Theater erschlossen werden soll. Zum einen haben sechs Vereine, die sich regelmäßig im Ring-Theater treffen, einen offenen Brief an die Stadt Amberg und den Bauherrn, das Werkvolk, geschrieben. Darin kritisieren sie außer der Einfahrt auch die vom Werkvolk geplante Fassadenhöhe und die Nähe des Gebäudes zum Ring-Theater. Unterm Strich befürchten die Autoren, dass das alte Kino dadurch als Veranstaltungsort seinen Charme verlieren könnte. Der Plan, das Ring-Theater wieder mit mehr Leben zu füllen, "sollte von der Stadt unterstützt und gefördert, nicht eingeengt und behindert werden".
Zum anderen erwägen Anwohner des Paradeplatzes wegen der Tiefgarageneinfahrt eine Klage gegen das Projekt am Bürgerspitalareal. Stadtrat Eberhard Meier (FW) hat seine Praxis noch am Paradeplatz. Gegenüber Oberpfalz-Medien sagte er "Drei Wochen vor dem Bauantrag ist plötzlich die Änderung gekommen." Er sprach von einer "Discounter-Lösung auf Kosten der Anwohner". Anwohner Bertolt Bernreuter sieht nicht nur die geplante Ein- und Ausfahrt kritisch, sondern hält vom gesamten Projekt nicht viel. Im Interview sagte er, dass die Pläne seiner Meinung nach nichts mit den Empfehlungen des 40-köpfigen Bürgerrats zu tun haben. "Das ist ein drauf Spucken auf das Ergebnis des Bürgerrats."
Cerny erklärt Hintergründe
Nun hat Oberbürgermeister Michael Cerny auf beide Kritiken reagiert und zwei längere schriftliche Stellungnahmen sowohl auf der Website der Stadt veröffentlicht als auch an die Amberger Redaktion von Oberpfalz-Medien geschickt. In seiner Antwort auf den offenen Brief der Vereine hebt Cerny zunächst hervor, dass auch die Stadt "ein großes Interesse daran habe, das Ring-Theater weiterhin zu nutzen und das kulturelle Leben [...] zu bereichern". Allerdings glaubt der Rathauschef nicht, dass der Neubau durch sein Erscheinungsbild dem Ring-Theater schaden wird. Cerny: "Übrigens wurde auch der Bau des Ring-Theaters durch die Familie Wörz damals massiv diskutiert und der Baukörper in seiner Form und Gestaltung als vollkommen unpassend für die Amberger Altstadt angegriffen. Was würde heute fehlen, wenn auf Basis dieser Bedenken die Bebauung damals verhindert worden wäre?"
Bei Werkvolk und dem Architekturbüro EVH handle es sich um zwei Partner, die mit den Rahmenbedingungen der Amberger Altstadt vertraut seien, die auch das Ring-Theater im Blick hätten. "Allerdings bedeutet das Bauen in einer historisch gewachsenen Altstadt immer auch, Kompromisse einzugehen. Die Umsetzung einer "Wunschplanung" wird hier – anders als auf der grünen Wiese – nie möglich sein." Die enge Bebauung der Altstadt sei hier ausschlaggebend, die Diskussionen um die Anzahl der Stellplätze im Stadtrat sei Zeichen für das Ringen um eine Lösung. Die einen hätten mehr Stellplätze gewollt, um die Anwohner zu entlasten, die anderen hätten am liebsten gar keine gehabt. "Die jetzt vorgesehene Anzahl orientiert sich an der im Wettbewerb gewünschten Erschließung der circa 30 bereits vorgesehenen Anwohnerparkplätze unter der Wirtschaftsschule und dem baulich sinnvollen, aber auch rechtlich notwendigen Stellplatznachweis für die Neubebauung", so Cerny. Auch die Zufahrt neben dem Ring-Theater richte sich nach "den baulichen und rechtlichen Möglichkeiten". Eine Zufahrt über Ziegelgasse sei brand- sowie schallschutztechnisch und obendrein verkehrstechnisch nicht möglich gewesen.
Wertschätzung und Einschätzung
Weiter geht Cerny in seiner Antwort auf die Kritik ein, die Planung sei erst kürzlich öffentlich geworden. Der Siegerentwurf sei bereits 2024 vor- und eine Visualisierung ausgestellt worden, Weiterentwicklungen seien regelmäßig im Bauausschuss besprochen worden. Nachdem der Bauausschuss positiv über den Bauantrag entschieden habe, sei dieser nun seit vergangener Woche zur Prüfung im Baureferat – samt dem offenen Brief der Vereine. Cerny verspricht, dass sich der Bauausschuss aber vor der Erteilung der Baugenehmigung noch einmal mit dem Bauantrag auseinandersetzen wird. "Ich möchte aber darauf hinweisen, dass Baugenehmigungen Verwaltungsakte sind, keine politischen Entscheidungen." Er sei dankbar für die kulturelle Arbeit, die die Vereine in der Stadt leisteten. Schließlich zeigt sich Cerny jedoch überzeugt davon, dass sich die Kernzeiten, in denen Bewohner die Tiefgarage anfahren, kaum mit denen überschneiden werden, zu denen Veranstaltungen im Ringtheater stattfinden.
Cerny verurteilt Wortwahl
Cernys Wortwahl in seiner Replik an FW-Stadtrat Eberhard Meier ist deutlich rauer. Die Stellungnahme alleine ist schon mit "OB Cerny verurteilt entgleisende Wortwahl" überschrieben. Erstens, so Cerny, war die Ein- und Ausfahrt über den Spitalgraben nicht plötzlich drei Wochen vor dem Bauantrag in die Planung gekommen, wie Meier behauptet. "Tatsächlich war die Tiefgaragenzufahrt bereits im ersten abgegebenen Entwurf im August 2024 in dieser Form und an dieser Stelle vorgesehen. Es handelte sich somit nicht um eine kurzfristige Änderung kurz vor Einreichung eines Bauantrags, sondern um eine Planungsvariante, die von Beginn an Bestandteil der vorgelegten Unterlagen war." Weil Meiers FW-Fraktion auch einen Sitz im Bauausschuss habe und dort alle Änderungswünsche, Prüfaufträge und Ergebnisse öffentlich vorgestellt würden, habe er alle nötigen Informationen gehabt. Besonders über die Aussage "Das ist ein drauf Spucken auf das Ergebnis des Bürgerrats" ärgert sich Cerny. „Diese Wortwahl ist unsäglich. Ich distanziere mich davon ausdrücklich und widerspreche dem Eindruck, der dadurch entsteht. Weder Mitarbeitende der Stadtverwaltung noch der Stadtrat haben sich in dieser Weise geäußert.“ Im Gegenteil seien die Ergebnisse des Bürgerrats sehr ernst genommen und in die Abwägungen einbezogen worden.

















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