15.01.2021 - 19:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Moses-Projekt: Regensburger Fall darf sich nicht wiederholen

Donum Vitae Amberg hat vor 20 Jahren das Moses-Projekt gegründet, um Schwangeren in ausweglosen Situationen helfen zu können. Vor allem soll dadurch verhindert werden, dass sich ein Fall von Kindstötung, wie in Regensburg, wiederholt.

Der Schrei des Lebens wird durch das in Amberg gegründete Moses-Projekt auch durch eine anonyme Geburt im Krankenhaus möglich.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Der Fall der 24-jährigen Regensburgerin, deren neugeborenes Baby tot in einer Mülltonne gefunden wurde, lässt viele fassungslos zurück. So auch Ute Schieder, Leiterin von Donum Vitae Amberg: "Man verspürt Hilflosigkeit. Wenn die Frau den Weg zu uns gefunden hätte, hätte ein Leben gerettet werden können und die Frau wäre nicht inhaftiert." Wegen des Falles in Regensburg möchte Schieder daran erinnern, dass es Beratungsstellen gibt für Menschen, die in Notsituationen sind. "Wir als Gesellschaft müssen da mitwirken. Es gibt immer einen guten Ausweg für Notsituationen", erklärt die Sozialpädagogin.

Frauen, die ein Kind nicht behalten wollen oder können, können sich an die Beraterinnen von Donum Vitae wenden. Vor allem das Moses-Projekt ermöglicht es Frauen, anonym und vertraulich in einer Klinik unter medizinischer Versorgung zu gebären. Die Frauen bleiben vor, während und nach der Geburt anonym und müssen ihre persönlichen Daten nicht angeben.

Die Ansprechpartnerin für das Moses-Projekt ist die Sozialpädagogin Julia Wiesend. Der Regensburger-Fall lässt auch sie nicht kalt: "Man fragt sich, was die Frau daran gehindert hat, Hilfsangebote für Schwangere in Anspruch zu nehmen. Es kann sich bei dem Fall nur um eine Verzweiflungstat handeln." Denn oft seien diese Frauen allein. Durch das Moses-Projekt, das es schon seit 20 Jahren gibt, soll verhindert werden, dass Kinder ausgesetzt oder getötet werden.

Frauen handeln mit Verantwortung

Dennoch gibt es den Frauen gegenüber, die ihr Kind nach der Geburt abgeben, in der Gesellschaft große Vorurteile. Was für eine Frau gibt ihr Kind ab?, fragen sich die Leute oft. Auch Wiesend hat den Eindruck, dass diese Frauen schnell verurteilt werden, aber zu Unrecht: "Diese Frauen handeln verantwortungsbewusst. Sie wollen, dass ihr Kind ein besseres Leben hat. Den Frauen fällt diese Entscheidung auch oft nicht leicht."

"Diese Frauen handeln verantwortungsbewusst. Sie wollen, dass ihr Kind ein besseres Leben hat. Den Frauen fällt diese Entscheidung nicht leicht."

Julia Wiesend, Sozialpädagogin und Betreuerin des Moses-Projekts

Julia Wiesend, Sozialpädagogin und Betreuerin des Moses-Projekts

Doch welche Frauen kommen zu Julia Wiesend? Laut der Sozialpädagogin gibt es keinen pauschalen Fall: "Es geht durch alle Schichten und durch alle Altersgruppen. Manche Frauen kommen alleine vor der Geburt zu uns, wieder andere bringen ihren Partner mit. Aber wir haben auch die Fälle, da bekommen wir einen Anruf vom Krankenhaus, dass eine Frau ihr Kind nicht behalten will." Dann muss schnell gehandelt werden. Aber für solche Notfälle gibt es das Notruftelefon, das rund um die Uhr auch am Wochenende erreichbar ist. Schieder sagt dazu: "Wir sind für jeden da. Auch während der Corona-Pandemie sind wir da und beraten entweder telefonisch oder per Videochat."

Akzeptanz in der Gesellschaft

Das Moses-Projekt ist noch nicht gesetzlich verankert. Aus diesem Grund werden alle Kosten einer anonymen Geburt durch Spenden getragen. Anders ist es bei der vertraulichen Geburt. Diese ist 2014 gesetzlich in Kraft getreten. Hier wird die Anonymität der Mutter nach 16 Jahren aufgehoben, da das Kind ein Recht auf Kenntnis der Herkunft hat.

Nachdem es aber Frauen gibt, die auch nach 16 Jahren noch anonym bleiben wollen, wünscht sich die Leiterin von Donum Vitae, dass das Moses-Projekt rechtlich sichergestellt werde: "Einmal ist es wichtig, dass das Moses-Projekt rechtlich verankert wird, damit wir die Kosten nicht selber tragen müssen. Aber es ist auch wichtig für die Beraterinnen. Sie unterliegen zwar der Schweigepflicht, agieren aber trotzdem in einer Grauzone." Auch Julia Wiesend wünscht sich das: "Rechtliche Sicherheit wäre schön. Es böte dann mehr Sicherheit für die Frauen, die zu uns kommen, und für die Berater."

"Ich wünsche mir, dass jede Frau und jeder Mann das Moses-Projekt kennt, damit Menschen in Notsituationen den Weg zu uns finden."

Ute Schieder, Leiterin Donum Vitae Amberg

Ute Schieder, Leiterin Donum Vitae Amberg

Neben der gesetzlichen Verankerung des Projektes wünscht sich die Leiterin von Donum Vitae, dass diese Frauen in der Gesellschaft mehr akzeptiert werden: "Ich wünsche mir, dass jede Frau und jeder Mann das Moses-Projekt kennt, damit Menschen in Notsituationen den Weg zu uns finden." Es freue die Sozialpädagoginnen immer sehr, wenn sie sehen, dass sie jemanden helfen konnten. "Darum machen wir das", erklärt Schieder.

Die Beraterinnen sind für Sie da

Amberg
Service:

Kontakt zu Donum Vitae

Schwangere in einer Notsituation können sich anonym an die Beraterinnen von Donum Vitae wenden.

  • Notrufnummer Moses-Projekt: 0800/0066737
  • Telefonnummer Donum Vitae Amberg: 09621/973966

Wer die Beratungsstelle unterstützen will, kann sich im Förderverein engagieren, Mitglied werden oder spenden (IBAN DE32 7525 0000 0200 2052 01 BIC BYLADEM1ABG, Sparkasse Amberg-Sulzbach).

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