So neu wie es der am 21. März dieses Jahres im Amberger Rathaus besiegelte Partnerschaftsvertrag vermuten ließe, ist der Kontakt zwischen Amberg und Freiberg bei weitem nicht: Schon vor 70 Jahren erreichte ein Brief aus Sachsen die damaligen Stadtoberen. Der darin geäußerte Wunsch der Freiberger, engere Kontakte mit Amberg zu knüpfen, zog aber zunächst einmal keine konkreten Ergebnisse nach sich.
Erst im Kielwasser der Wiedervereinigung nahm der Austausch Fahrt auf, 1990 kam es zu gegenseitigen Besuchen, eine Partnerschaft lehnte Freiberg damals aber ab – man sei eine solche bereits mit Darmstadt eingegangen. Der Kontakt riss dennoch nicht ab und entwickelte sich zu einem losen Kulturaustausch, der 1998 auch ein offizieller wurde. Nachdem beide Oberbürgermeister, Michael Cerny und Sven Krüger, schließlich im Städtetag näher ins Gespräch gekommen waren, machte man endlich Nägel mit Köpfen: Die erste Unterschrift unter den Städtepartnerschaftsvertrag erfolgte im Juni 2023 auf dem Freiberger Obermarkt, die Besiegelung eben jetzt im März in Amberg.
Beide Städte haben ungefähr die gleiche Zahl an Einwohnern vorzuweisen (Freiberg rund 41.000, Amberg rund 42.000), beide punkten mit historischen Stadtkernen sowie Universitäten beziehungsweise Hochschulen, und sowohl die Silberstadt Freiberg als auch Amberg tragen eine Bergbau-Historie in der Stadt-DNA. Aber auch architektonisch gibt es Verbindungen: Die Besonderheit des Chorumgangs und die Innengestaltung des Kirchenraums der Amberger Basilika St. Martin wurde im ausgehenden 15. Jahrhundert im Freiberger Dom übernommen, wie Kulturreferent Dr. Fabian Kern in der neuesten Folge des Stadttheaters-Podcasts „Alles Theater!“ beim Thema Kultur- und Städtepartnerschaft verrät. Darüber hinaus beherbergen sowohl Freiberg als auch Amberg ein historisches Stadttheater. Das 1790 von einem Kaufmann gebaute und ein Jahr später von der Stadt Freiberg übernommene Haus in Sachsen rühmt sich gar, das älteste Stadttheater der Welt zu sein, das an einem Ort permanent durchspielt. Mit Blick auf das Amberger Haus sagt Kern: „Wir wiederum sind sicherlich das älteste Theater, das schon zuvor über viele Jahrhunderte in einem Raum Theateraufführungen hatte.“
Damit hat es sich dann aber auch schon, was etwaige Nickeligkeiten angeht. Stattdessen ist man voll des Lobes für das jeweils andere Theater. Bei der Erinnerung an seinen Besuch vor zwei Jahren in Freiberg gerät der Kulturreferent immer noch ins Schwärmen: „Ich habe dort einen „Rigoletto“ (Oper von Giuseppe Verdi) gesehen, der herausragend war.“
Der Eindruck beschert nun der jungen Städtepartnerschaft einen ersten Höhepunkt: Zum Auftakt der offiziellen Verbindung begrüßt man am Mittwoch, 14. Mai, das Mittelsächsische Theater Freiberg in Amberg. Die Gäste zeigen ihre brandneue Inszenierung der Mozart-Oper „Don Giovanni“, die erst vor wenigen Tagen in Freiberg Premiere feierte.
Andere Akustik
Die gesamte Produktion in die Oberpfalz zu transferieren, rangiert durchaus in der Kategorie Herausforderung, wie auch der Musikalische Leiter und Dirigent José Luis Gutiérrez bestätigt: „Die Akustik ist bestimmt anders. Dinge, auf die wir in unserem Orchestergraben achten, müssen wir hier ganz anders umsetzen. Es gibt aber auch andere Themen, mit denen man konfrontiert ist. Aufstellung, Anpassung gewisser Szenen, Lautstärke-Möglichkeiten. Das ist alles sehr spannend!“.
Die erste Stippvisite des aus Mexiko stammenden Gutiérrez galt der Besichtigung des Stadttheaters Amberg, der zweite Besuch erfolgte bei der Städtepartnerschafts-Besiegelung: „Ich war sofort beeindruckt von der Atmosphäre, es ist wirklich ein wunderschöner Ort“. Des besonderen Stellenwerts dieser Aufführung ist sich der mit 29 Jahren jüngste Generalmusikdirektor Deutschlands - bis zum offiziellen Amtsantritt in der kommenden Spielzeit bereits kommissarisch und designiert in dieser Funktion tätig - durchaus bewusst: „Die Erwartungen sind hoch, und wir wollen uns würdig präsentieren. Das wird vor allem sehr emotional werden." Er selbst freue sich aber auch schon jetzt auf die Gesichter seiner Musiker und Sänger, wenn sie das wunderschöne Theater hier in Amberg kennenlernen.
Werk anpassen
Und auch wenn Wolfgang Amadeus Mozarts beliebte Oper „Don Giovanni“ zu den prägendsten Meisterwerken dieser Kategorie zählt – Gutiérrez entdeckt trotzdem immer wieder Neues. Natürlich müsse man dem Notenbild treu bleiben, aber auch die Werke an das Ensemble anpassen. Wie er das genau bewerkstelligt und umsetzt, lässt sich bei einem exklusiven Probenbesuch am Vortag erkunden. Voraussetzung ist allerdings eine gültige Mitgliedschaft bei den „Freunden des Stadttheaters". Wer eine solche besitzt oder schnell noch abschließt, hat dann über das reine Schauen und Staunen hinaus die Möglichkeit, bei einem Künstlergespräch mehr über Stück und Inszenierung zu erfahren.
Nach dem Verklingen des letzten Mozart-Tons warten übrigens schon weitere Ideen darauf, die Städtepartnerschaft Amberg–Freiberg mit Leben zu erfüllen. Mit einer Amberger Theaterproduktion kann man sich zwar mangels eigenem Ensemble nicht revanchieren, dafür repräsentiert die Knappschaftskapelle der Stadt Amberg Ende Juni die Oberpfälzer Farben beim Bergstadtfest in der Silberstadt Freiberg.
Zu den Veranstaltungen
- "Don Giovanni", Oper von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Mittelsächsischen Theater unter Leitung von José Luis Gutiérrez, am Mittwoch, 14. Mai, um 19.30 Uhr im Stadttheater Amberg, Werkeinführung 18.45 Uhr, Tickets bei der Tourist Information Amberg unter Telefon 09621/101233 oder online unter webshop.amberg.de
- exklusiver Probenbesuch für die Freunde des Stadttheaters mit Künstlergespräch am Dienstag, 13. Mai, um 19.30 Uhr im Stadttheater Amberg, Mitgliedsanträge unter www.stadttheater.amberg.de/downloads
















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