20.02.2019 - 13:25 Uhr
AmbergOberpfalz

"Wir müssen den NC für Lehramt Grundschule abschaffen"

98 Prozent der Grundschullehrkräfte in Amberg sind weiblich. Der Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) beobachtet die Entwicklung in Bayern schon seit den 80er Jahren – und hat auch Lösungsansätze parat.

"Wir sind keine Mathematiker, sondern Pädagogen, die Mathematik vermitteln sollen." Zweiter BLLV-Bezirksvorsitzender Albert Schindlbeck fordert ein Umdenken in der Lehrerausbildung.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Mit Interesse las Albert Schindlbeck, stellvertretender BLLV-Bezirksvorsitzender, den Bericht über die "Seltene Spezies Grundschullehrer". Zwei Lehrer aus Amberg berichteten darin von ihrem positiven Unterrichtsalltag mit Dritt- und Viertklässlern. Die Feminisierung im Lehramtsberuf für Grundschulen liegt nach der Meinung von Schindlbeck in der guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hinzu komme, dass Frauen oft einen besseren Abiturschnitt hätten. Für bestimmte Fächer gebe es an bayerischen Universitäten eben einen Numerus Clausus. "Wir müssen den NC für Lehramt Grundschule abschaffen", fordert nun Schindlbeck.

Junge Männer würden sich bei dem Angebot an Arbeitsplätzen in der freien Wirtschaft gut aufgehoben fühlen, denn die Studienauswahl für IT- und Medieninteressierte sei groß. Die Berufsorientierung muss deshalb seiner Meinung nach bereits frühzeitig und viel stärker für Abiturienten erfolgen. Und nicht zuletzt ist laut Schindlbeck die unterschiedliche Bezahlung bei den Lehrämtern ausschlaggebend für die Studienwahl. Hier fordert der BLLV gleiche Besoldung für alle: Einstiegsgehalt A 13. Bislang verdienen Lehrer der Grundschule von Beginn an rund 500 Euro weniger als die Kollegen. Im Prinzip müsste die gesamte Ausbildung auf neue Füße gestellt werden.

Das flexible Lehrermodell des BLLV sieht ein gemeinsames Gundstudium für alle Schularten vor. Erst nach dem sechsten Semester sollte die Profilbildung erfolgen. "Wir sind keine Mathematiker, sondern Pädagogen, die Mathematik vermitteln sollen." Im Februar beenden an den bayerischen Gymnasien 600 "hochmotivierte Referendare" ihre Ausbildung, heißt es in einer Pressemitteilung des Bayerischen Philologenverbandes (bpv), die der Amberger Albert Schindlbeck zitiert. "Für diese stehen momentan aber nur 180 Stellen an den 321 Gymnasien zur Verfügung. 200 junge Gymnasiallehrer werden zusätzlich an den Grund- und Mittelschulen gebraucht. Rund 30 Prozent werden also dort arbeiten, wofür sie ausgebildet wurden."

Laut Schindlbeck könne man sich dieses "Schachteldenken" nicht mehr leisten. "Wir produzieren Lehrer und wissen nicht, wohin." Gleichzeitig gibt es aber an der Grundschule einen Lehrermangel. Das werde ein Thema sein, das bei der Bezirksdelegiertenkonferenz in Neumarkt im Mai diskutiert werden soll.

Grundschullehrer allein unter Frauen

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