Amberg
15.12.2025 - 13:35 Uhr
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Ein Neuanfang nach der Flucht: Daoud Shekho Seleman betreibt ein Lokal in Amberg

Daoud Shekho Seleman floh aus Angst vor Verfolgung aus dem Irak nach Deutschland. Seit 2008 lebt er in Amberg. Am 12. September eröffnete Seleman am Rotkreuzplatz 2 sein eigenes Lokal – eine Geschichte aus Flucht, Neubeginn und Engagement.

Wenn Daoud Shekho Seleman über seine Vergangenheit spricht, tut er das ruhig, aber eindringlich. Er wurde im Irak geboren, stammt aus einer jesidischen Oberfamilie und war Mitglied im Vorstand der jesidischen Gemeinde. Jesiden sind eine religiöse Minderheit, deren Glaube Elemente verschiedener Religionen vereint.

Dieser Hintergrund habe keinen Schutz, sondern Gefahr bedeutet: Schon Jahre vor dem Vormarsch der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hätten viele Jesiden im Irak in Angst vor Gewalt und Diskriminierung gelebt, da der IS sie als "Ungläubige" eingeordnet habe. "Jeder Jeside, der erwischt wurde, wurde getötet. Deswegen haben wir unsere Heimat verlassen", sagt Seleman. Ab 2014 habe die Verfolgung der Jesiden durch den IS schließlich eine neue, besonders brutale Dimension erreicht: "In diesem Jahr haben sie unsere Religion vernichtet. Frauen verschleppt und Kinder mitgenommen."

Auch sein Wunsch, im Irak zu studieren, sei durch Diskriminierung erschwert worden: Seleman habe ein Studium der Betriebswirtschaft begonnen, doch die Behörden hätten Jesiden das weitere Studieren verweigert. Aus all diesen Gründen floh er 2008 nach Amberg – gemeinsam mit seiner Familie.

Schritte in der neuen Heimat

In Amberg begann für Seleman ein neues Kapitel – eines, das zunächst alles andere als leicht gewesen sei: "Die erste Zeit in Deutschland war sehr schwierig wegen der Sprache." Doch er gab nicht auf: Seleman absolvierte erfolgreich einen Sprachkurs und nahm anschließend eine Arbeit auf.

Seit 2009 ist er bei einem Hausmeisterservice angestellt – bis heute sein Hauptberuf. Die Menschen in Amberg hätten ihn freundlich aufgenommen, betont Seleman. Hier baute er sich eine neue Existenz auf, kaufte ein Haus und zwei seiner Kinder wurden in Amberg geboren.

Neben seinem Hauptberuf hat sich der 43-Jährige einen lang gehegten Traum erfüllt: Seit dem 12. September betreibt Seleman das Lokal "ARAM'S Café & Bar" am Rotkreuzplatz 2 in Amberg – unterstützt von seinem Bruder. Geöffnet ist täglich ab 14 Uhr.

Auf der Karte stehen sowohl alkoholische als auch alkoholfreie Getränke sowie irakische Spezialitäten wie das traditionelle Gericht "Qali" – "Lamm- und Putenfleisch gekocht und gebraten mit Zwiebeln, Paprika und irakischen Gewürzen", erklärt Seleman.

Politisches Engagement

Seit 2020 unterstützt Seleman die Liste Amberg und kandidiert bei der Stadtratswahl 2026. Dabei gehe es ihm nicht um große Politik, sondern um seine neue Heimatstadt. Er wolle sich für Menschen einsetzen, die neu nach Amberg kommen – und für die Interessen seiner Landsleute. "Ich will mich in der neuen Heimat einbringen."

Seleman hat auf seinem Weg nach Amberg viel verloren – und zugleich viel gewonnen. Aus Verfolgung wurde Sicherheit, aus Fremde ein Zuhause, aus Angst ein neuer Lebensabschnitt. Mit seiner Arbeit, seinem politischen Engagement und seinem neuen Lokal zeigt er, wie Integration gelebt werden kann: Mit Mut, Ausdauer und dem Willen, etwas zurückzugeben.

Kommentare

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Stefan Reuther

Solche Menschen wie ihn brauchen wir mehr bei uns. Ich hoffe er kommt in den Stadtrat

15.12.2025
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