24.04.2019 - 16:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Neue Münze: Streit um neue Ideen

Die SPD im Amberger Stadtrat will eine schnelle Lösung. Mit der Idee, im Forum-Innenhof eine Markthalle einzurichten, geht Fraktionschefin Birgit Fruth auf den Marktplatz der Ideen. Auch OB und CSU-Fraktionschef äußern sich.

Blick in den versperrten Innenhof des ehemaligen Kaufhauses Forum. Die SPD fordert nun dazu auf, die Idee einer Markthalle an dieser Stelle schnell zu verwirklichen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Der Kommunalwahlkampf ist voll entbrannt und Gegenstand der Auseinandersetzung ist das Projekt Neue Münze. Nach dem Rückzug des Ankermieters präsentierte die SPD-Stadtratsfraktion am Mittwoch die Idee, im Forum-Innenhof so schnell wie möglich eine Markthalle einzurichten. Ein Vorschlag, der bei der CSU mitunter heftige Reaktionen auslöst.

"Nach dem Abspringen des potentiellen Ankermieters Mode Frey für die Neue Münze, muss unaufschiebbar ein Plan B her", fordert die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Amberger Stadtrat, Birgit Fruth. Ihre Fraktion schlägt nun vor, in erster Linie auf heimische, regionale Kaufleute zuzugehen, "auf die Menschen, die unsere Stadt und ihre ganz besonderen Gepflogenheiten am besten kennen."

Eine Erkenntnis sei, dass die Amberger den Wochenmarkt, mittwochs, freitags und samstags, sehr gut annehmen. "Dort ist an den Öffnungszeiten immer sehr reges Treiben zu beobachten. Auch die Ausweitung der Öffnungszeiten auf 13 Uhr hat nur positive Rückspiegelung gegeben", wird Fruth in einer Pressemitteilung der Fraktion zitiert. "Der Amberger setzt auf Frische und auf Qualität von Lebensmittel-Produkten, von Anbietern, die man kennt, die verwurzelt sind mit unserer Stadt. Das Gefühl ,hier kennt man sich' ist ebenso ein sehr positiver Baustein im Einkaufserleben. Etwas, dass das Internet eben nicht bietet."

Bericht über den Rückzug von Mode Frey

Amberg

"Warum sollte man dieses Pfund nicht auch an anderen Tagen ausspielen? Warum sollte man diese Möglichkeit des besonderen Einkaufs an Produkten des täglichen Bedarfs, die eben auf dem Wochenmarkt angeboten werden, nicht auch an allen anderen Tagen in unserer Stadt anbieten?", fragt die Fraktionschefin. Aus diesem Grund schlägt die SPD nun vor, den Innenhof der Neuen Münze dahingehend zu gestalten, dass eine Markthalle entsteht.

Unabhängig von Wetter und von Jahreszeiten könnten so regionale, kulinarische Besonderheiten im Innenhof in kleinteiligen, stationären Ladenlokalen angeboten werden. "Ergänzt werden sollte das Konzept durch eine ansprechende Gastronomie." Die Mieten könnten, da das Gebäude in der Hand der städtischen Tochter Gewerbebau GmbH ist, laut Fruth "moderat" an die interessierten Händler weitergegeben werden.

Ähnlich hatte sich in den vergangenen Tagen bereits der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Uli Hübner, geäußert. Als Reaktion auf die Berichterstattung über die Versammlung des CSU-Kreisverbandes-Stadt schrieb er, die CSU solle zum fairen politischen Wettbewerb um die besten Ideen zurückkehren: „Beim Forum hätte man schon früher parallel eine Alternative denken und planen können, auch schon in Richtung kleinteilige Lösung als Plan B."

Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) reagierte am Mittwoch auf die Vorschläge. "Der überdachte Innenhof mit Gastro, kleinen Geschäften und hoher Aufenthaltsqualität war und bleibt Kernelement einer geplanten Lösung", betonte er. "Natürlich hat die Gewerbebau neben der Lösung mit großflächigem Einzelhandel auch andere Lösungswege vorangetrieben, deshalb muss kein Plan B gefunden werden, sondern die Gewerbebau verfolgt diese anderen Lösungswege weiter." Birgit Fruth wisse dies auch sehr genau.

Gleichzeitig warnt der Rathauschef vor voreiligen Festlegungen. "Wir sollten den Markt auf dem Marktplatz nicht gefährden. Wir suchen hier ja auch beständig nach zusätzlichen Anbietern und es ist nicht einfach. Der Markt ist ein Frequenzbringer, der nicht in Frage gestellt werden sollte", sagte er. Dennoch finde er die Idee, frische und lokale Waren in einem oder mehreren Geschäften im Innenhof anzubieten, gut. "Die Umsetzung hängt natürlich davon ab, ob wir dafür die Anbieter finden. Eine komplette Markthalle sehe ich ohne Gefährdung des Marktes am Marktplatz aber aktuell als nicht umsetzbar."

Reaktion:

"Populistischer Vorschlag"

"Ich frage mich, wieso muss der Plan her? Er ist doch schon längst da", bezieht CSU-Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann Stellung zu den Vorschlägen der SPD. Bei der Gewerbebau GmbH gebe es eine Reihe weiterer Optionen, die jetzt als Plan B verfolgt werden. "Keiner weiß das exakter und genauer als Birgit Fruth als Aufsichtsrätin der Gewerbebau GmbH. Was soll also der populistische Vorschlag, den Innenhof als Markthalle auszubauen, wenn damit wieder alles bei Null beginnt und die gesamte Maßnahme weiter hinausgezögert wird?", fragt Mußemann. Er schreibt in seiner Stellungnahme weiter: "Warum ist Frau Fruth nicht bereit, am Plan B, über den sie als Aufsichtsrätin der Gewerbebau GmbH informiert ist und an dem sie selbst mit festgehalten hat, plötzlich nicht mehr weiterzuarbeiten?"

Die Idee einer Markthalle sei in früheren Jahren auf und ab diskutiert und wieder verworfen worden, weil es keine tragfähige Lösung mit entsprechenden Betreibern gegeben habe. "Für uns als CSU-Fraktion gilt: Wir wollen keine Lösung für das Forum, die auf Kosten des Wochenmarktes auf dem Marktplatz geht." Dass darüber hinaus frische und regionale Waren auch in den Läden des Forum-Innenhof angeboten werden können, sei schon immer Bestandteil des bisherigen Konzeptes für das Forum gewesen, soweit sich entsprechende Anbieter dafür finden.

Mußemann sieht bei dem SPD-Vorschlag auch keinen Unterscheid zum bisherigen Innenhof-Konzept, das nahezu von allen Stadträten forciert und mitgetragen worden sei: "Es soll einen überdachten Innenhof geben, mit Gastronomie, kleinen Geschäften und vor allem einer hohen Aufenthaltsqualität als öffentlichem Platz. Diese Ideen bleiben auch die Kernelemente einer Lösung B, wie sie derzeit von der Gewerbebau gemeinsam mit der Stadtverwaltung vorangetrieben wird." Der Stadtrat habe die Richtung klar vorgegeben, Gewerbebau und Verwaltung seien jetzt am Zug. "Damit das Projekt zu einem guten Ende geführt werden kann, muss man nun verlässlich zu seinen Beschlüssen stehen und nicht bei jedem Problem, das auftaucht, alles in Frage stellen."

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