Amberg
11.02.2026 - 11:15 Uhr

Neue Orgel für St. Georg: Die Königin der Instrumente zieht ein

Vor den Westemporen in St. Georg steht ein stattliches Gerüst, das Orgelgehäuse ist hell erleuchtet, es wird gesägt, gehämmert, geschraubt. Die Techniker von Orgelbau Klais aus Bonn montieren das neue Instrument im alten Gehäuse von 1767.

Eine neue Orgel für St. Georg: Schon im Jahr 2025 begann die Werkstatt mit der Fertigung der zahlreichen Bauteile. Hochwertige Hölzer wie Fichte, Eiche, Birne und Nussbaum sowie Metalllegierungen, vorwiegend aus Zinn und Blei, spielen dabei eine große Rolle. Orgelbauer Matthias Kaps hatte zuvor die CAD-3D-Konstruktion erstellt. Besonders aufwendig ist sie für die Windladen, auf denen die Pfeifen angeordnet sind.

Ende Oktober besuchte eine Delegation von St. Georg die seit 144 Jahren bestehende Werkstatt, die als eine der größten in Deutschland etwa 60 Mitarbeiter beschäftigt. Firmenchef Philipp Klais und Orgelbauer Andreas Saage nahmen sich Zeit, um die Fertigungsschritte der Georgsorgel detailliert zu zeigen und zu erläutern. Orgelbau ist nach wie vor ein sehr anspruchsvolles Kunsthandwerk, das seit 2014 zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland zählt.

Rhein-Söhne reisen an die Vils

Am 12. Januar trafen dann Monteure der Firma in Amberg ein. Die sechs „Klaisianer“ bereiteten die Empore vor, installierten Aufzüge und eine helle Ausleuchtung ihres Arbeitsplatzes. Tags darauf rückte ein großer Lastwagen mit Orgelteilen an. Mit Hilfe eines Gabelstaplers wurden die in Kartons verpackten Materialien abgeladen und nach Anleitung eines Orgelbauers in der Kirche zwischengelagert. Die schwersten Teile (Spieltisch und Windladen) wiegen um die 300 Kilo. Kurz vor Einbruch der Dämmerung, nach knapp vier Stunden, war es geschafft – „geschafft“ waren auch die Helfer.

Dann begann die Arbeit der Orgel-Spezialisten. Los ging es mit den raumgreifenden Teilen: Das über sechs Meter hohe Hintergehäuse, die Windladen für Hauptwerk, Hinterwerk und Pedal, der Gebläsemotor, der restaurierte Magazinbalg und der vormontierte Spieltisch mit seiner edlen Nussbaumfront wurden 15 Meter hochgehievt und installiert.

32 Hertz und 16 Fuß

Parallel zur Montage des Hinterwerks wurden auch die größten Pfeifen eingebaut: Der Principalbass 16' steht knapp über dem Emporenboden vor der Kirchenwestwand. An den beiden Seiten rahmen je sechs trichterförmige Holzbecher des Posaunenbass 16' das Pedalwerk ein. 16' (gesprochen „Sechzehn-Fuß“) ist ein altes Längenmaß: Ein „Fuß“ misst 0,33 Meter, die längste 16'-Pfeife erreicht also über fünf Meter. Der von ihr erzeugte Ton C hat 32 Hz (Hertz, das sind Schwingungen pro Sekunde), der tiefste Ton der Orgel. In der vergangenen Woche kamen Elektriker dazu, sie installierten im Gehäuse (noch ohne Pfeifen) eine helle LED-Beleuchtung. Somit brauchen die Orgelbauer nicht mit hinderlichen Hand- oder Stirnlampen agieren.

Mechanische Trakturen: Robust und feinfühlig

Weiter ging es an die zeitaufwendige Montage der mechanischen Trakturen, mit denen vom Spieltisch aus die 34 Register gezogen werden können. Auch die Verbindungen von den 2 mal 56, also 112 Manual- und den 30 Pedaltasten zu den Ventilen sind mechanisch konstruiert. Sie ermöglichen eine zuverlässige und sehr feinfühlige Verbindung zwischen den Fingerspitzen des Organisten, den Tasten und Ventilen. Elektrisch betrieben sind nur das Gebläse, das bis zu 35 Kubikmeter Wind pro Minute liefert, und die Notenpultbeleuchtung.

Nach der Faschingswoche werden dann Andreas Saage und Bernd Reinartz an der Intonation der einzelnen Pfeifen arbeiten: Dabei erhält jede ihren besonderen musikalischen Charakter und Ausdruck. Am 26. April soll die Orgel geweiht und vorgestellt werden.

OnetzPlus
Amberg26.09.2025
 
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