02.08.2019 - 14:55 Uhr
AmbergOberpfalz

Neues Studienfach Physician Assistent ist der Renner an der OTH Amberg-Weiden

Das Studienfach ist ganz neu und in Bayern einmalig. Physician Assistant heißt es und wird ab Herbst an der OTH in Weiden gelehrt. Der offizielle Startschuss wird aber in Amberg abgegeben.

Das neue Studienfach Physician Assistant wird zwar künftig an der OTH in Weiden gelehrt, zur Unterschrift trafen sich die Beteiligten aber in Amberg. Im Bild die Vertreter der vier beteiligten Kliniken mit den Repräsentanten der Hochschule um ihre Präsidentin Andrea Klug (Mitte).
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Vier Klinikchefs versammelten sich am Donnerstag einträchtig im großen Senatssaal der OTH, um ihre Unterschrift unter die Kooperationsvereinbarung mit der Hochschule zu setzen. Denn das neue Studienfach Physician Assistant - erstmals wird damit dieses Fach als Vollstudium angeboten - setzt auf Praxisbezug. Den können sich die 45 Studierenden, die ab Oktober in Weiden diesen Weg einschlagen, in Amberg, Weiden, Neumarkt oder Passau erwerben.

Die vier Kliniken verpflichteten sich mit ihrer Unterschrift, ein gewisses "Kontingent" an Praktikanten zu übernehmen, um die gut 30 Prozent Arbeit am Patienten oder der Verwaltung abzunehmen, die im Studiengang vorgesehen sind. Für die Kliniken übrigens kein Problem, wie Ambergs Klinikchef Manfred Wendl betonte. Denn die Krankenhäuser suchen händeringend nach qualifizierten Fachkräften, die werden ihnen auf diese Art und Weise frei Haus geliefert.

Absoluter Trend-Beruf

Der demografische Wandel plus der medizinische Fortschritt sind es laut OTH-Präsidentin Andrea Klug, die nach einem neuen Angebot im Bereich Gesundheit und Pflege förmlich rufen. "Es gibt immer stärkere Anforderungen an das Personal und dazu kommt der digitale Wandel", sagte Klug. Das neue Studium ist laut Andrea Klug ein Zukunftsfeld, das es zu beackern gilt. Und trendy ist es auch noch. In einem Berufsranking sei es unter den Top Acht der aktuellen Trendberufe aufgetaucht. Hinter dem Bachelor-Studiengang steckt der Zweig Wirtschaftsingenieurwesen mit Sitz in Weiden. Dessen Dekan Professor Ralf Ringler machte deutlich, dass es bei dem neuen Berufsfeld um die Fachkräfte in der medizinischen Versorgung gehe. "In anderen Ländern vor allem in Nordamerika ist der Physician Assistant längst etabliert." In Deutschland hingegen existiere er bisher nur als Aufbaustudium. Das ändert sich nun mit einer Perspektive, die laut Ringler weit darüber hinaus reicht. Bis hin zum Medizinrecht, wie er sagte.

Für einen in der Runde war es ein erhebender Moment. Professor Stefan Sesselmann, wie sein Dekan übrigens ein ausgebildeter Mediziner, hat rund zwei Jahre daran gearbeitet, den neuen Studiengang zu entwickeln. Absicht hinter dem Physician Assistent sei es übrigens, die Ärzte in den Kliniken zu entlasten, sie von der ständig zunehmenden Bürokratie auch teilweise zu befreien. "Damit die ihre eigentliche Aufgabe am Patienten erfüllen können."

Kliniken sehen es positiv

Die Kliniken sehen es positiv, wie deren Vertreter bei der Vertragsunterzeichnung deutlich machten. So sprach der Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG, Josef Götz, von einer damit verbundenen Steigerung der Attraktivität der Krankenhäuser als Arbeitgeber. Und Manfred Wendl, sein Amberger Kollege, lobte die damit verbundene Möglichkeit, den medizinischen Nachwuchs zu sichern.

Der lässt sich nicht lange bitten, wie Stefan Sesselmann deutlich machte. Denn obwohl die Hochschule überhaupt noch nicht in die Werbung gegangen sei für den neuen Studiengang, habe es bisher rund 100 Bewerbungen auf die 45 Plätze gegeben. Mit der Folge, dass es für das erste Semester ein Auswahlverfahren, einen Numerus Clausus, geben wird. Aber es ist in Bayern eben einmalig, das neue Fach.

Physician Assistant:

Der oder die Physician Assistant ist kein Hilfsarzt und auch keine akademische Krankenschwester. Vielmehr soll das neue Studium Menschen hervorbringen, die die Ärzte über weite Strecken entlasten. „Sie dürfen alles tun, was der Arzt delegieren darf“, umschrieb es Dekan Ralf Ringler. Damit reiche das Spektrum vom Blut abnehmen über die Dokumentation im Büro bis hin zur Unterstützung bei der Anamnese. „Damit haben die Ärzte wieder mehr Zeit für die Patienten“, so sagt es Harald Hollnberger, der medizinische Direktor des Amberger Klinikums. „In einem Bachelorstudiengang erwirbt der Arztassistent die formalen Voraussetzungen, um delegierbare Tätigkeiten selbstständig auszuüben, die zuvor dem Arzt vorbehalten waren“, weiß die Online-Enzyklopädie Wikipedia dazu.

Die Delegation aus Weiden setzt ihre Unterschrift unter den Kooperationsvertrag mit der OTH.
Die Vertreter des Klinikums St. Marien Amberg bei der Unterschrift. Im Bild von links: Professor Stefan Sesselmann, Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor des Klinikums, Vorstand Manfred Wendl, OTH-Präsidentin Andrea Klug und Dekan Ralf Ringler.

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