17.01.2020 - 22:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Neujahrsempfang des Landkreises Amberg-Sulzbach: Schützenhilfe von Gerhard Polt

Richard Reisinger ist bekannt für seine launigen Reden. Da wurden die Gäste des Neujahrsempfangs im König-Ruprecht-Saal nicht enttäuscht. Heuer holte sich der Landrat aber Schützenhilfe von zwei Kabarettisten.

Landrat Richard Reisinger umringt vom "who is who" des Landkreises Amberg-Sulzbach und der Stadt Amberg. Rund 400 Gäste sind in den König-Ruprecht-Saal gekommen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Gerhard Polt und Dieter Nuhr waren nicht persönlich da beim großen Schaulaufen der Landkreis-Prominenz in der guten Stube des Landratsamtes. Aber der Landrat hat die beiden Humoristen des öfteren zitiert - und zwar an den passenden Stellen, wie der Beifall der rund 400 geladenen Gäste zeigte. Die 37 Minuten, die die Ansprache dauerte, vergingen deswegen wie im Flug. "Die kürzeste Rede dieses Jahr habe ich heuer am Dreikönigstag in Hahnbach gehalten. Das hat manche verwirrt. Dafür bekommen Sie zum Ausgleich meine längste. Und dann können Sie wirklich sagen: Lange Rede, kurzer Sinn", gab Reisinger am Anfang die Richtung vor.

Er streifte die Themen Wirtschaft, Öffentlicher Personennahverkehr, Tourismus und regionale Wertschöpfung. Bei letzterer hob er besonders die Bioprodukte aus dem Landkreis hervor, die 2019 bei einer Kampagne der Metropolregion Nürnberg groß rausgekommen sind, Schmankerln vom Allerheiligenspitzl über Biokäse und Juradistl-Lamm bis hin zur Sauhammelwurst. Von einigen dieser Köstlichkeiten durften die Gäste nach der Rede probieren. "Das Büfett ist zum Teil antivegan", warnte Reisinger. "Aber da halte ich es mit Gerhard Polt, der mal anmerkte: Wenn du vor einer Schildkröte stehst, und es sagt dir einer, die ist jetzt 260 Jahre alt, dann hast du schon einen Respekt. Du kannst allerdings auch sagen: 260 Jahre lang bloß Salat fressen, das ist die andere Seite der Medaille.“

Breiten Raum nahm die Würdigung des Ehrenamts ein. Eine "aktive Zivilgesellschaft", wie sie im Landkreis gepflegt werde, garantiere den sozialen Zusammenhalt. Dabei dankte Reisinger ausdrücklich den Bürgermeistern und Kreisräten, besonders denen, die nach der Kommunalwahl im März aus ihren Ämtern scheiden. "Allen, deren kommunalpolitischer Ruhestand schon sicher ist, vielen Dank. Ihr habt es geschafft. Ich wünsche Euch einen sitzungs- und grußwortfreien Lebensabend!"

Als es um die vielen Festivitäten in der Region ging und die Leidenschaft, die die Vereine dafür aufbringen, zitierte der Landrat noch einmal Polt. Da musste Franz Zeilmann, der Übersetzer für die Vertreter der US-Armee, schmunzeln und überlegen, wie er das jetzt rüberbringt: "The idea of Freibier in Bavaria is deeply religious." Auch der Amberger Stadtpfarrer Thomas Helm musste bei diesem barocken Bekenntnis bayerischer Lebensart herzhaft lachen. "Es heißt landläufig, an gute Reden erinnert man sich nicht immer. Eine schlechte Rede vergisst man nie. Falls letzteres zutrifft, dann habe ich zumindest mein Bedürfnis gestillt, unvergesslich zu bleiben", sagte Reisinger, um dann - vielleicht auch mit Blick auf die Landratswahl - seinen Schlusspunkt zu setzen: "Oder ich mache mir gar in übersteigerter Selbstzuversicht die Worte von Arnold Schwarzenegger alias Terminator zu eigen: Ich komme wieder. I’ll be back." Dafür gab's langanhaltenden Applaus.

So war der Neujahrsempfang im Vorjahr

Amberg

Die Neujahrsansprache war über weite Strecken auch von ernsten Themen geprägt. Nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte:

Wirtschaft und Demografie

"Wir blicken auf zehn Jahre Wirtschaftswachstum in unserem Raum zurück. Wir haben nicht nur eine nach wie vor niedrige Arbeitslosigkeit und einen relativ gesunden Branchenmix. Und mit 29.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben wir einen neuen Höchststand erreicht. Zudem bekommen wir jedes Jahr unsere einst so düstere demografische Prognose immer günstiger." Der Landkreis werde seine Gemeinden weiterhin bei der bedarfsgerechten Ausweisung von Gewerbeflächen unterstützen. "Wir müssen und werden uns auch weiterentwickeln, die Infrastruktur ist nicht ungünstig. Breitband, Mobilfunk, das sind Dauerherausforderungen in den Gemeinden und das muss auch so bleiben."

Schulen und Bildung

Nahezu an allen Schulen, für die der Landkreis zuständig ist, wird gebaut. "Wir investieren da in den nächsten 15 Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag, damit unsere Schulen, und damit die Bildungsperspektiven unserer jungen Menschen, auf dem modernsten Stand sind." Der Neubau des Sonderpädagogisches Förderzentrums in Sulzbach-Rosenberg ist abgeschlossen, aktuell stehen die Kräne an der Walter-Höllerer-Realschule. "Ein neuer Wissenschaftstrakt am HCA-Gymnasium entsteht. Und vermutlich brauchen wir auch noch zwei neue Turnhallen, bevor wir das Megaprojekt Neubau Berufsschule angehen, eine Schule, in der wir zukunftsträchtige Berufe ansiedeln konnten und deren Schülerzahl sich gen 1300 entwickelt." Außerdem sei es gelungen, das Fraunhofer-Zentrum in Sulzbach-Rosenberg zu stärken.

Klima und Energie

Im Landkreis drehen sich 27 Windräder, damit rangiere der Landkreis auf Platz zwei in der Oberpfalz. "Wir haben zusammen mit Bioenergie und Solarenergie insgesamt den bemerkenswerten Anteil von 86,09 Prozent erneuerbarer Energien am Gesamtstromverbrauch. Diese Zahl ist uns nicht zugeflogen, da steckt auch sehr viel fachliche Aufklärung und politische Überzeugungsarbeit dahinter." Aber Reisinger dämpfte auch zu viel Aktionismus. "Es ist einerseits Ausdruck von Bewusstseinsänderung, andererseits wohl schon auch ein bisschen Zeitgeist, dass wir in jedem Satz, die CO2-Ersparnis mitreflektieren müssen."

Landwirtschaft

Reisinger forderte von den Verbrauchern eine Verhaltensänderung und die Wertschätzung heimischer Produkte ein. "Die Landwirte sind uns in der Region enorm wichtige Verbündete. 86 Prozent der Fläche des Landkreises und der Stadt Amberg werden land- und forstwirtschaftlich genutzt." Die Menschen müssten den Bauern bei ihren wirtschaftlichen Nöten beistehen, sonst gebe es im Nahrungsmittelbereich, aber auch in der Landschafts- und Kulturpflege, keine regionalen Angebote mehr. "Mit Folgen, die sich jeder ausmalen kann."

Krankenhäuser

Der Landrat ging auf die Petition für den Erhalt kleiner Krankenhäuser ein. "8341 Unterschriften aus dem Landkreis für die bundesweite Petition gegen das Krankenhaussterben im ländlichen Raum bringen das Anliegen der Bevölkerung zum Ausdruck, dass weiterhin eine wohnortnahe stationäre Versorgung möglich sein muss." Der Landkreis unternehme weiterhin alles, "damit leistungsstarke stationäre Angebote in beiden Häusern an den Orten Auerbach und Sulzbach-Rosenberg möglich sind".

Zitate:

"Welcome everybody, it‘s good to see you here, so ein gängiges englisches Kinderlied. Und wenn Sie mit dieser einfachsten Form der Begrüßung ausnahmslos einverstanden wären, hätten wir bereits fünf Minuten Zeit gewonnen."

"Geben wir uns bitte nicht der neoromantischen Vorstellung hin, dass wir im ländlichen Raum die Mobilität auf Radwegen, ausschließlich mit Bussen oder E-Rollern bewältigen können. Das ist irreführend. Ich bin selber zum leidenschaftlichen Radfahrer geworden, aber ehrlich gesagt und bei aller Euphorie für Radwege und Fahrräder, der Mainstream fährt doch meist nur bei erträglichem Wetter innerhalb eines überschaubaren Temperaturspektrums, bei Helligkeit und nicht von November bis März."

"Ein Landrat verbringt viel Zeit bei Vereinen, bei Jubiläen, in Gottesdiensten, bei kilometerlangen Festzügen durch unbewohnte Landstriche, in überhitzten dezibelstarken Festzelten, bei mehrstündigen Kommersabenden mit historischen Lichtbildervorträgen von pensionierten Lehrern, Basaren, Wohltätigkeitsevents, Geflügel- Hasen-, Taubenausstellungen, Feuerwehrehrungen, Schützenvereinen, Modelleisenbahn, ja auch Faschingsveranstaltungen, Konzerte... Sie entschuldigen die unsystematische Reihenfolge. Ich schätze da wirklich alles, nur nicht gleichzeitig."

"Ich hoffe, Sie urteilen über diesen Abend abschließend nicht wie der Hauptdarsteller in der britischen Sitcom Black Adder: Es fing schlecht an, ließ in der Mitte etwas nach und über den Schluss schweigen wir besser, aber sonst: toll.“

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