01.10.2020 - 12:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Nur die Brauerei hat überdauert

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Das Amberger Franziskaner-Kloster wird 1802 mit der Säkularisation aufgelöst. Aus den Gebäuden entstehen mit den Jahren die Brauerei Bruckmüller, das Stadttheater und das Casino-Wirtshaus.

Das einstige Franziskaner-Kloster. Zu erkennen ist auf der Zeichnung von Otto Schmidt auch die Kirche mit Dachreiter.

Von Dieter Dörner

Wir schreiben das Jahr 1452. Amberg ist reich, der Rat der Stadt selbstbewusst. Der Bau der Martinskirche dokumentiert eindrucksvoll das durch Erzabbau, Eisenverarbeitung, Eisen- und Salzhandel entstandene "Wirtschaftswunder". Amberg hat etwa 4000 Einwohner. Doch bei weitem nicht alle partizipieren am Wohlstand. Reformen sind überfällig. So findet ein aus Italien kommender Franziskanermönch, der Bußprediger, Beichtvater und Wunderheiler Johannes Capistrano, "Geißel der Hebräer" genannt, auch in Amberg vielfaches Gehör.

Drei Stunden soll seine Predigt in lateinischer Sprache mit zeitgleicher Übersetzung gedauert haben. Im Wortlaut sicher die gleiche, die er im selben Jahr in Regensburg, Nürnberg, Bamberg und in zig anderen Städten gehalten hat. Capistrano predigt gegen die Eitelkeiten, gegen Luxus, Spiel und Völlerei. Er will, was ihm teilweise auch gelingt, die Hussiten, die Türken und die Juden zum katholischen Glauben bekehren. Gelingt dies nicht, ist Vertreibung und auch Tötung die Alternative. Gleiches soll mit Ketzern geschehen.

"Retter des Abendlandes"

Capistrano ruft zu Kreuzzügen auf und gilt nach der - mit seiner Unterstützung - gewonnenen Schlacht bei Belgrad 1456 als "Retter des Abendlandes". 1690 spricht man ihn heilig. Inzwischen gibt es Bestrebungen, die dem Hl. Capistrano geweihten Kirchen umzubenennen, was jedoch nach geltendem Kirchenrecht nicht möglich ist.

Die aus heutiger Sicht sicher etwas fragwürdige Predigt begeistert die Amberger Bürger damals - vor allem Hans Pachmann. Sie stiften im gleichen Jahr den Grund zum Bau eines Observanten-(Franziskaner-)Klosters, dessen Patron St. Bernhard wird. Almosen und Ablassgelder tragen zum zügigen Klosterbau bei, selbst Kurfürst Friedrich I., mit gestörtem Verhältnis zu Amberg, wird zum Fürsprecher.

Hervorgegangen aus dem von Franziskus von Assisi im 12. Jahrhundert gegründeten "Orden der minderen Brüder", entsteht im 14. Jahrhundert der Franziskanerorden, ein Barfüßer- beziehungsweise Bettelorden und damit mittellos. Es ist ein volksnaher Orden, der sich vor allem der Armen annimmt, wobei die Mönche selbst nach dem Ideal der Armut leben.

Nach gut zehn Jahren ist das Kloster, nach etwa 30 Jahren die Kirche St. Bernard fertiggestellt. Die Freude soll nicht lange währen, denn mit Beginn der Reformation in Amberg, 1538, beginnt der erste Niedergang des Klosters. Es ist nach dem Tod des katholischen Stadtpfarrers 1553 zum Leidwesen des inzwischen lutherischen Rates bis 1555 die letzte Stätte katholischer Religionsausübung in Amberg.

Bildersturm

Gerne hätte sich nun die Stadt das Kloster angeeignet, doch der Kurfürst kommt dem Rat zuvor. Die Bilderstürmer zerstören Heiligenbilder und Altäre, die Calvinisten siedeln im Kloster das wenig erfolgreiche und - entsprechend des Glaubens des Regenten - zwischen Calvinismus und Luthertum wechselnde Pädagogium an.

1621, nach der vom calvinischen Kurfürsten Friedrich V. verlorenen Schlacht am Weißen Berg bei Prag, beginnt die Rekatholisierung der Oberpfalz. 1626 dürfen die Franziskaner ihr Kloster wieder in Besitz nehmen und fangen umgehend damit an, die Kirche wieder mit Altären auszustatten.

Wenige Jahrzehnte später erfolgt der Umbau zur Wandpfeilerkirche und - gegen Ende des 17. Jahrhunderts - vermutlich im Zusammenhang mit der Heiligsprechung des "Gründers" eine Generalüberholung der Kirche. Das Fest wird mit einem 77 Reitern umfassenden Heer, in Eisenketten gelegten Türken, die Schlacht um Belgrad symbolisierend, gefeiert.

Zum Beichten ins Kloster

Zeitgleich, ein Beleg für die Beliebtheit der Franziskaner, kommt die Übertragung der Wallfahrt mit der zugehörigen Seelsorge auf Maria-Hilf. Erzählt wird, dass die Amberger lieber zu den Franziskanern als zum Stadtpfarrer zum Beichten gehen. 80 000 Beichten sollen es im Jahresdurchschnitt gewesen sein. Sind weniger Bußgebete der Grund? Oder trägt die in deutscher Sprache gehaltene Messe zur Beliebtheit bei?

Nicht zu vergessen die 1490 erstmals nachgewiesene Brauerei der Franziskaner. Klöster dürfen damals ungeltfrei brauen, ihnen ist es jedoch verboten, Bier zu verkaufen. Des bekannt guten Klosterbieres wegen kommt sicher ein Handwerker oder auch ein Stadtrat häufiger als notwendig zu einer Besprechung ins Kloster. Der Franziskanerkeller, wohl einer der ältesten Bierkeller in Amberg, existiert noch heute.

Im Kloster - bis 1934 direkt an die Vils grenzend - wird von den Franziskanern eine Walkmühle betrieben. Sie versorgen von Amberg aus alle Franziskanerklöster in Bayern mit Lodenstoffen.

Schwarze Wolken ziehen auf, die Säkularisation. Im Februar 1802 müssen die ersten acht Franziskaner - Ausländer, also keine Bayern - das Kloster verlassen und ziehen in sogenannte "Aussterbeklöster", auch "Krepierklöster" genannt. Im Oktober 1802 die restlichen Mönche.

Jeder Mönch erhält 125 fl (Gulden) Jahrespension, während an Mönche anderer Orden 600 fl (Gulden) gezahlt werden. Doch Franziskaner sind ja das Betteln gewohnt.

Stadttheater und Wirtshaus

Die 13 Altäre gehen nach Bärnau (abgebrannt), Thansüß, Kümmersbruck, Illschwang und München, die Orgel nach Seligenporten. Das Kloster mit der Brauerei ersteigert zum überwiegenden Teil Thomas Pruckhmiller (heute Bruckmüller) am 4. Mai 1803 für 25 052 fl (Gulden), die Kirche die Stadt für 300 fl (Gulden).

Aus dem Franziskaner-Bier wird nach einigen Jahrzehnten Bruckmüller-Bier, aus der Kirche das inzwischen viele Male umgebaute Stadttheater. Der Chor wird als Getreideschranne zweckentfremdet, später von der Casino-Gesellschaft genutzt und ist heute Casino-Wirtshaus.

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Der Franziskanermönch, Bußprediger, Beichtvater und Wunderheiler Johannes Capistrano findet 1452 auch in Amberg vielfaches Gehör. Dieses Werk eines unbekannten Künstlers zeigt den Hl. Capistrano auf dem Domplatz in Bamberg.
Der Seitenaltar als der Franziskanerkirche befindet sich heute in St. Wolfgang in Kümmersbruck. Er zeigt die Heilige Familie, vermutlich von Caspar de Crayer. Insgesamt wurden 13 Altäre auf Kirchen der Region verteilt.
Blick in den Franziskanerkeller: Auf den Steinen lagen die Bierfässer, in den Rinnen dazwischen lief das Eiswasser ab.
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