28.09.2020 - 14:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Frauengefängnis Rosenberg - nur eine Legende?

Schweigsam wie in einem Trappistenkloster mussten Frauen mit lasterhaftem Mundwerk ihre Strafe abarbeiten. Der Stummhof soll einst das Frauengefängnis von Rosenberg gewesen sein. Aber gab es ihn wirklich? Auf Spurensuche am Meierfeld.

Ausschnitt aus einer alten Grenzkarte der Landgerichte Amberg (Obere Pfalz) und Sulzbach (Pfalz-Sulzbach). Unten rechts ist der „Stumenhof“ eingezeichnet.
von Heidi FranitzaProfil

"Welche Schande! Nun stehe ich hier im eiskalten Wasser, spüre meine Beine kaum noch und muss schweigend Wäsche waschen. Kein einziger Ton darf über meine Lippen kommen." Diese imaginäre Erinnerung könnte aus einer uralten Aufzeichnung einer Insassin des Rosenberger Frauengefängnisses stammen, bekannt unter dem Namen Stummhof.

In manchen Schriften findet man Hinweise auf den Stummhof. In dem Heftchen "Heimatgeschichtlicher Führer durch Rosenberg" widmete der Autor Karl Zwack einen ganzen Absatz dem Stummhof. Er schrieb: "Stummer Hof ist der Flurname für das Gelände bei Malermeister Zacherl am Ende des Meierfeldes. Auf diesem Platz soll einmal ein Gefängnis mit einer Kapelle (Flurname: Kapellenacker) gestanden haben, in dem nur Frauen eingesperrt waren, welche ein allzu lasterhaftes Mundwerk besaßen."

"Zur Strafe", so der Text weiter, "war hier alles still und stumm. Selbst bei den Arbeiten auf den Feldern der näheren und weiteren Umgebung des Gefängnisses durfte kein Sterbenswörtchen gesprochen werden. Nur außerhalb der Schweigergrenzen (obere Grenze die Ortschaft Oberschwaig, untere Grenze die Ortschaft Unterschwaig) war das Sprechen erlaubt."

Nicht belegbar

Jedoch lesen sich diese Sätze eher wie eine Legende, weniger als belegbare historische Tatsache. Auch Sepp Lösch geht davon aus, dass Zwack eine Legende aufgreift oder sich sogar auf die Worte des Rosenberger Expositus und historisch sehr interessierten Dr. Johannes Markstaller (in Rosenberg vom 20. Februar 1914 bis Oktober 1921) stützt. Dass es sich hier um die Wiedergabe einer Überlieferung handeln könnte, darauf weist auch der in Klammern gesetzte Schlusssatz des Autors hin: Tatsächlich wurden bei früheren Grabungen im Zacherl-Garten Grundmauerreste eines Gebäudekomplexes festgestellt, die aber wahrscheinlich von dem ehemaligen adeligen Gut Stummhof zeugen.

Im Ortsnamenbuch von Bayern, Ausgabe Oberpfalz, Sulzbach-Rosenberg, sind Dokumente aufgelistet, in denen die Bezeichnung Stumhof, Stumenhof oder auch Stumenhoff auftaucht. Nach Recherchen von Daniel Butz vom Historischen Verein Stiber-Fähnlein tauchten im 13. Jahrhundert Gefolgsleute des Grafen von Hirschberg auf. Sie wurden in Verbindung mit dem Stummhof genannt.

Hin und her verkauft

Gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts taucht als Besitzer der Rosenberger Pfleger Niclas von Raydenbach auf. Er verkaufte den Hof an den Sulzbacher Bürger Heinrich Schricker. Dann gelangte das Anwesen an die Kemnather, die es mehrmals ver- und wieder zurückkauften. In den Urkunden wird der Hof stets als frei-eigenes Gut bezeichnet. Das dürfte erklären, warum der Hof weder im böhmischen Salbüchlein noch im Urbar der Bayernherzöge von 1326 auftaucht. "Man kann davon ausgehen, dass ein Frauengefängnis nicht sang- und klanglos in der Geschichte verschwunden wäre", so Martin Franitza, der dieser Legende im Rahmen von Rosenbladl-Recherchen auf den Grund gegangen ist. "

Da die Frauen mit dem lasterhaften Mundwerk nur in der mündlichen Überlieferung auftauchen, zumindest bis Karl Zwack seinen heimatgeschichtlichen Führer schrieb, müsse man wohl davon ausgehen, dass es eine Geschichte sei, "die sich in den Bereich der Sagen einordnen lässt und an der sich hauptsächlich die Männer erfreuen." Aber wer weiß das schon so genau...

Noch ein geschichtliches Thema

Sulzbach-Rosenberg
Info:

Hintergrund

Die Stadtbibliothek hält das im Artikel beschriebene Werk bereit: „Heimatgeschichtlicher Führer durch Rosenberg, jetzt Stadtteil von Sulzbach-Rosenberg; aus Urkunden, Chroniken, Pfarrbüchern, Fachwerken, Berichten und eigenen Aufzeichnungen“, Erscheinungsjahr 1953, Verlag: Sulzbach-Rosenberg, J.E. v. Seidel, Mediengruppe: SB (Sachbuch).

Ob die Frauen zur Strafe im Rosenbach Wäsche waschen mussten, sofern überhaupt ein Körnchen Wahrheit an der Überlieferung des Frauengefängnisses dran ist, wissen wir nicht. Das Bild soll schwere körperliche Arbeit darstellen.
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