25.11.2021 - 17:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Nur noch sechs freie Betten in zwei Städten: Intensivstationen in Amberg und Sulzbach-Rosenberg am Anschlag

Die Folgen der vierten Welle sind auch am Klinikum St. Marien in Amberg und am St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg voll zu spüren. Auf den Intensivstationen liegen fast nur Ungeimpfte – und die Betten werden knapp.

Die Corona-Situation in den Krankenhäusern in Amberg und Sulzbach-Rosenberg spitzt sich zu: In Sulzbach-Rosenberg sind noch zwei Intensivbetten frei, in Amberg noch vier.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

265 neue Corona-Fälle gibt es laut RKI in Amberg und dem Landkreis allein am Donnerstag. Die Inzidenzen liegen jenseits der 300 – nie zuvor in der Pandemie waren sie so hoch. Zwar ist es in anderen bayerischen Regionen noch schlimmer, doch das macht die Situation im Amberger Klinikum St. Marien und dem Sulzbach-Rosenberger St.-Anna-Krankenhaus nicht besser. Immer mehr Corona-Patienten landen dort auf den Intensivstationen – allen voran die Ungeimpften.

So hat Oberpfalz-Medien auf Anfrage erfahren, dass in Amberg aktuell nur noch vier Intensivbetten frei sind. Insgesamt liegen laut Pressesprecherin Sandra Dietl 59 Covid-Patienten in St. Marien, 12 davon brauchen eine intensivmedizinische Behandlung. 3 davon stammen aus anderen Regionen Bayerns. Sie wurden übernommen, um die dortigen überfüllten Krankenhäuser zu entlasten.

Kein Platz mehr auf Normal-Intensivstation

Von drei Intensivstationen, die das Amberger Klinikum gegenwärtig betreibt, seien zwei ausschließlich mit Corona-Infizierten belegt. Das bedeutet, dass nur noch eine Intensivstation übrig bleibt, um Nicht-Corona-Patienten zu behandeln – und diese Station mit zwölf Betten sei momentan "ausgelastet", gibt Dietl bekannt. Das Krankenhaus arbeitet somit am Anschlag. Um mehr Kapazitäten für Covid-Fälle zu schaffen, habe die Klinik ihre sogenannte „Weaning-Station“, auf der normalerweise beatmete Patienten behandelt werden, in eine Corona-Station umfunktioniert. „Aktuell betreiben wir drei Stationen für Covid-Normal-Patienten und zwei Intensivstationen für Covid-Intensivpatienten“, erklärt Dietl.

Den Corona-Patienten auf der Intensivstation gehe es oftmals sehr schlecht. "Weil die Patienten aus eigener Kraft nicht genug Luft bekommen, müssen sie ins künstliche Koma gelegt und künstlich beatmet werden. Die Verläufe sind sehr langwierig. Es vergehen oft mehrere Wochen, bis Patienten wieder eigenständig atmen können", beschreibt die Pressesprecherin die dramatische Situation. Und oft genug komme es vor, dass die Infizierten überhaupt nicht mehr selbst atmen würden: Den jüngsten Corona-Todesfall habe es vorgestern gegeben, am 23. November.

Nur noch zwei freie Betten

Auch im Sulzbach-Rosenberger Krankenhaus St. Anna ist die Situation auf den zwei Intensivstationen sehr angespannt. Laut Pressesprecherin Marie Ehras waren am Donnerstag, 25. November, von insgesamt 14 Intensivbetten nur noch 2 frei. Folglich werden momentan 12 Patienten auf der Intensivstation behandelt, 5 davon sind mit Corona infiziert, die restlichen 7 sind "normale" Patienten. Insgesamt liegen im St.-Anna-Krankenhaus gegenwärtig 15 Covid-Patienten.

Das Krankenhaus hat keine Möglichkeit, seine Intensivkapazitäten weiter zu steigern – das ist nämlich schon passiert. Weil es immer mehr Corona-Infizierte gibt, die stationär behandelt werden müssen, sei in St. Anna die Zahl der Intensivbetten bereits von 10 auf 14 erhöht worden. "Neben den 10 Beatmungsplätzen auf der regulären Intensivstation haben wir zusätzlich eine zweite Intensivstation im Aufwachraum des OP-Bereichs eingerichtet", informiert Ehras. Zudem würden in Sulzbach-Rosenberg nicht nur Corona-Patienten aus der Region behandelt. Weil die Lage in Südbayern teils noch dramatischer ist, seien vor zwei Wochen Covid-Infizierte aus Niederbayern auf die Intensivstation in St. Anna verlegt worden.

80 Prozent sind ungeimpft

Zudem bestätigt sich auch in Sulzbach-Rosenberg, dass eine Impfung in den allermeisten Fällen effektiv vor einem schweren Krankheitsverlauf schützt. Infizierte, die auf der Intensivstation in St. Anna landen, sind Ehras zufolge fast immer ungeimpft. "Wir können für den Zeitraum der sogenannten 4. Welle einen Anteil der Ungeimpften von circa 80 Prozent feststellen", informiert die Pressesprecherin. Im Amberger Klinikum zeigt sich laut Sandra Dietl das gleiche Bild: "Wir können die Aussagen des RKI bestätigen. Der weitaus größte Teil der intensivpflichtigen Covid-Patienten mit schweren Verläufen hat keinen vollständigen Impfschutz."

Das St. Anna Krankenhaus gibt weiter an, dass Corona-Patienten auf Intensivstation zudem nicht nach wenigen Tagen wieder entlassen werden könnten, sondern die Betten über viele Wochen belegen würden – und damit auch für anderweitige Notfälle wie Unfälle oder dringende Operationen blockieren. Hintergrund seien "schwere und komplikationsträchtige Verläufe". Dass die Kranken beatmet werden müssten, sei "die Regel", und es gebe bei ihnen eine "unsichere Langzeit-Prognose", so die Auskunft.

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Oberpfalz
Hintergrund:

Die Situation in St. Anna Sulzbach-Rosenberg

  • Insgesamt 15 Covid-Patienten, davon 5 auf Intensivstation
  • Aktuell 14 Intensivbetten, davon 12 belegt
  • Ursprünglich nur 10 Intensivbetten, 4 weitere Betten wurden in einer provisorisch eingerichteten Hilfs-Intensivstation aufgebaut
  • Anteil der ungeimpften Corona-Patienten auf der Intensivstation bei circa 80 Prozent (während der 4. Welle)
  • Corona-Patienten aus Niederbayern wurden zur Entlastung der dortigen Kliniken aufgenommen
Hintergrund:

Die Situation in St. Marien in Amberg

  • Insgesamt 59 Covid-Patienten, davon 12 auf Intensivstation
  • Aktuell drei Intensivstationen in Betrieb, davon zwei Corona-Intensivstationen mit noch 4 freien Betten
  • Eine "Weaning"-Station (Beatmungsstation) umgewandelt in eine Covid-Intensivstation, um die Kapazitäten zu erhöhen
  • Momentan sind 3 Corona-Intensivpatienten aus Niederbayern in Amberg

 

 

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