02.09.2018 - 15:28 Uhr
AmbergOberpfalz

Obst spenden oder tauschen

So einen heißen Sommer wie heuer, gab es schon lange nicht mehr. Während viele unter der Hitze leiden, finden es Äpfel und Zwetschgen anscheinend toll. Die Folge: Sie sind früher reif und reichlicher vorhanden. Wohin mit dem ganzen Obst?

Dieses Jahr ist die Apfelernte üppig.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

(anv) Die Gartenbesitzer kommen nicht mehr hinterher, oder sind schon älter und können die Ernte alleine nicht mehr bewerkstelligen. "Was ich schon an Apfelkuchen gebacken habe, nur damit ich die Äpfel wegkriege", sagt Gertraud Weiß.

Die Ebermannsdorferin will, dass dem Obst und Gemüse mehr Beachtung geschenkt wird. Sie versucht etwas gegen die Wegwerfmentalität zu unternehmen. Dafür hat die 52-Jährige einige Ideen: "Warum nicht mal ein Marktplatzfest, wo man Obst oder Obstkuchen tauschen und verkaufen kann?" Die Einnahmen sollten dann natürlich gespendet werden. Auch würde sie gerne einen Teil des Ertrags ihrer zwei großen Apfelbäume an Bedürftige weitergeben. Und sie kenne viele aus ihrem Bekanntenkreis, die ähnlich denken.

Der Tafel schenken

Irmgard Buschhausen von der Amberger Tafel freut sich immer über frisches Obst und Gemüse von Privatleuten: "Selbstverständlich nehmen wir das gerne an. Auch unsere Kunden freuen sich sehr darüber. Eine Birne aus dem Garten schmeckt halt einfach viel besser als aus dem Supermarkt." Am besten sollten die Spender vorher anrufen, damit ein Mitarbeiter die Ware entgegennehmen kann. Unter Umständen kann die Tafel die Lebensmittel auch abholen. "Nur selber auf den Baum kraxeln, das können wir nicht", sagt die zweite Vorsitzende. Natürlich soll das Obst in einem guten Zustand sein, damit eine Lagerung möglich ist.

In diesen Tagen erhielt die Tafel sogar so viele Obstspenden, dass Vorsitzender Bernhard Saurenbach die Devise ausgegeben hat, erst einmal keine mehr anzunehmen. "Wir kriegen das sonst in der Menge gar nicht los und müssen es dann zum Schluss selbst entsorgen", erklärt er die Beweggründe. Deshalb empfiehlt auch er einen kurzen Anruf im Vorfeld. Eine weitere Möglichkeit, sein Obst sinnvoll zu verwerten, ist, es in eine der Verwertungsstellen im Landkreis zu bringen. Dort wird Fruchtsaft gepresst, der etwa ein Jahr hält. Laut Arthur Wiesmet von der Kreisfachberatung für Gartenbau und Landschaftspflege ist aber nicht jedes Obst geeignet, zu Saft zu werden. "Saures, unreifes Obst gibt keinen guten Saft und kann zudem noch im Lager schlierig werden. Zu reifes Obst hingegen schmeckt im Saft fad und ganz besonders reife Birnen machen beim Pressen viel Ärger."

Besonders wichtig sei, dass das Obst noch keinen Kontakt mit der Erde gehabt habe, beziehungsweise einwandfrei sauber sei. Auch faule Früchte haben im Saft nichts verloren. "Aber braune Druckstellen haben mit Fäule nichts zu tun", sagt Wiesmet. Für das gewisse Etwas rät er, Fruchtsorten zu mischen. "Ein paar Quitten bringen gutes Aroma."

Im Internet anbieten

Gertraud Weiß fährt ihre Äpfel auch zur Obstverwertung. Doch das ist ihr noch nicht genug. "Es geht um die Früchte, die hängen bleiben. Erst habe ich mir schon überlegt, eine Anzeige in die Zeitung zu setzen, dass man bei mir Äpfel pflücken und mitnehmen darf." Dann hatte sie aber Angst, überrannt zu werden. Einen ähnlich nachhaltigen Ansatz hat die Website mundraub.org. Dort kann angegeben werden, wo sich welche Sorten Obst, Gemüse oder Kräuter frei zugänglich befinden.

Auch Besitzer von Obstbäumen können dort die Erlaubnis erteilen, dass bei ihnen geerntet werden darf. Natürlich müssen die, die das Angebot in Anspruch nehmen, ein paar Verhaltensregeln beachten. Sie lauten: Eigentumsrechte beachten, behutsam mit Baum und Natur umgehen, die Früchte teilen und sich bei der Pflege von Obstbäumen engagieren. Nächstes Jahr, so sagt die erfahrene Gartenbesitzerin Gertraud Weiß voraus, werde weniger Obst wachsen. "Die Bäume merken sich, dass es heiß und trocken war und wollen sich davor schützen. Deswegen sind sie auf Sparflamme." Ratsam sei es, jetzt so viel wie möglich haltbar zu machen, um noch nächstes Jahr von der Obstschwemme zu profitieren.

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