06.07.2021 - 11:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Opernfestival Oberpfalz: Ein ehemaliger Domspatz für den "Freischütz"-Chor

Auf einem Zettel, was er musikalisch noch erreichen wollte, stand: In einer Oper mitsingen. Das Opernfestival Oberpfalz macht's möglich: Quirin Scholz, ehemaliger Domspatz, ist beim "Freischütz" dabei. Premiere ist am Freitag, 9. Juli.

Quirin Scholz (19) aus Pfreimd ist einer der Mitwirkenden beim Opernfestival Oberpfalz. Der ehemalige Domspatz singt beim "Freischütz" im Chor mit.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Nur noch zwei Tage sind es bis zur Premiere. Quirin Scholz aus Pfreimd fiebert ihr entgegen. Lampenfieber hat er auch, aber die Vorfreude auf die Aufführung überwiegt natürlich, wie er selbst sagt. Der 19-Jährige aus Pfreimd, ein ehemaliger Regensburger Domspatz, wirkt an beiden Aufführungen des Opernfestivals Oberpfalz am Freitag, 9. Juli, und Samstag, 10. Juli, im Stadttheater Amberg mit. Als einer von 27 Sängern im "Freischütz"-Chor.

Durch seine Familie und einen Zeitungsaufruf hatte Quirin Scholz 2019 davon erfahren, dass Sänger für Aufführungen des Opernfestivals Oberpfalz gesucht würden. Das traf sich damals gut, denn der 19-Jährige, dessen Mutter und Zwillingsschwestern ebenfalls beim "Freischütz" mit von der Partie sind, hatte auf einem Zettel notiert, was er musikalisch noch erreichen wollte. Und da stand: In einer Oper mitsingen. "Das war Zufall – und genau der richtig Zeitpunkt", freut sich Scholz. Und so bewarb er sich damals fürs Vorsingen. Eigentlich hätte das Opernfestival Oberpfalz schon 2020 über die Bühne gehen sollen, doch wegen Corona musste es auf heuer verschoben werden. "Wahnsinnig froh" sei er, dass es jetzt klappt, sagt der ehemalige Regensburger Domspatz.

Tägliche Corona-Tests

Dank eines ausgefeilten Hygienekonzepts klappt es mit den Aufführungen. Scholz erzählt von den täglichen Tests für die Mitwirkenden. Außerdem sind im Amberger Stadttheater weniger Zuschauer als sonst üblich zugelassen. Und schließlich ist der "Freischütz" als Kammerstück konzipiert, in einer Länge von 90 Minuten. Am Stück, ohne Pause. "Die Vorfreude ist riesengroß", sagt Scholz. "Wir hoffen, dass wir unsere gute Stimmung aufs Publikum übertragen können."

Heuer im Frühjahr hatte Scholz erfahren, dass das Opernfestival stattfinden würde, so richtig real wurde es aber mit den Proben Mitte Mai beziehungsweise Anfang Juni mit den szenischen Proben. Erst da hatte er das Gefühl, "jetzt geht's wirklich los". Nicht einfach sei es gewesen, alleine zu proben. "Da war von allen sehr viel Eigenverantwortung gefragt", sagt er. Fasziniert ist er, wie es allen Mitwirkenden gelungen sei, "die Motivation über zwei Jahre hochzuhalten". Ihm mache es "wahnsinnig Spaß, gemeinsam zu singen und zu musizieren". Bei den beiden Aufführungen tut er dies mit 26 anderen Sängern im "Freischütz"-Chor und mit den Solisten.

Keine Online-Proben

Während des Lockdowns habe man zwar zuhause alleine geprobt, jeder für sich. Quirin Scholz, der im Februar nach Heidelberg gezogen ist, weil er dort ein freiwilliges soziales Jahr macht, erzählt aber auch von Online-Treffen der Chorsänger, um sich auszutauschen. "Das war schon etwas Besonderes", sagt er. Wenn er daheim bei seiner Familie in Pfreimd war, probte er selbstverständlich mit Mutter und Schwester. Der 19-Jährige weiß von anderen Chören, dass sie im Lockdown online probten. "Wir haben das nicht gemacht", erzählt Scholz und benennt das, was bei virtuellen Proben Probleme macht: die Zeitverzögerung und der Internet-Anschluss, der gerade auf dem Land nicht immer so gut ist, wie er sein sollte.

Vor einigen Wochen dann starteten die szenischen Proben in Präsenz in Amberg, erst im Musikomm, dann im Stadttheater. Für den nach Heidelberg umgezogenen ehemaligen Domspatz ist es kein Problem, dabei zu sein. Für den "Freischütz" nahm er sich extra Urlaub. Für ihn ist es eine ganz neue Erfahrung, "gleichzeitig zu singen und zu schauspielern", schwärmt er von dieser "ganz coolen Ausbalanciertheit". Dankbar ist er dem Regie-Team Andreas Wiedermann und Frauke Mayer für die vielfältigen Tipps.

Auf der Bühne werden die "Freischütz"-Chorsänger nebeneinander stehen, "zumal auch die Bühne im Stadttheater ja nicht riesig ist". Möglich wird dies, weil die Mitwirkenden täglich auf Corona getestet werden. Die Oper "Freischütz" gefällt dem 19-Jährigen. "Eine super Musik", urteilt er. "Sehr spannend, sehr energiegeladen." Er findet auch, dass das Thema der Oper gut in die heutige Zeit passt: Leistungsdruck und Versagensängste.

Vorfreude gleicht Lampenfieber aus

So langsam stellt sich bei Quirin Scholz das Lampenfieber ein. Schlimm findet er das nicht. Andererseits empfindet er auch eine Riesen-Vorfreude. "Das gleich die Nervosität wieder aus." Aus seiner Zeit bei den Regensburger Domspatzen erinnert er sich gerne an "viele schöne Auftritte" zurück. Konzertreisen führten ihn in Länder wie die USA, Italien und Luxemburg. Abseits der Auftritte sind ihm auch Übernachtungen in den Gastfamilien in schöner Erinnerung geblieben, "da sind teilweise Freundschaften entstanden". Genossen habe er es auch immer sehr, in ganz kleinen Kirchen zu singen. "Das war eine besondere Dynamik", erzählt er. Und auch Ostern im Regensburger Dom sei stets ein Highlight gewesen.

2020 mussten die Aufführungen auf 2021 verschoben werden

Amberg
Hintergrund:

Opernfestival Oberpfalz: die Aufführungen

  • "Der Freischütz" (ausverkauft): Freitag, 9. Juli, und Samstag, 10. Juli, jeweils um 19.30 Uhr
    im Stadttheater.
  • "inSOMNIA" (Uraufführung):
    Donnerstag, 15. Juli; Freitag,
    16. Juli; Samstag, 17. Juli,
    jeweils um 20 Uhr im Ringlokschuppen.
  • Restkarten für "inSOMNIA" an der Theaterkasse der Tourist-Information in Amberg (09621/10-1233); Preis: 29 Euro (freie Sitzplatzwahl).

 

 

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