15.11.2019 - 18:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Opfer elf Tage im künstlichen Koma: Täter muss ins Gefängnis

Der Mann ist ein unberechenbares Kraftpaket. Er wird mit 31 Vorstrafen vorgeführt und schlägt zu, wenn er gerade mal auf freiem Fuß ist. 15 Jahre hat der 48-Jährige bisher in Gefängnissen zugebracht. Jetzt kommen weitere drei Jahre hinzu.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Man hätte durchaus über Sicherungsverwahrung nachdenken können. Denn bei einem Prozess vor dem Schöffengericht stellte sich die Frage: Wie viele Menschen muss dieser 48-Jährige noch verletzen? Eine knappe Viertelstunde benötigte Richterin Kathrin Rieger, um die bisher verhängten 31 Vorstrafen zu verlesen. Fast in jedem Fall waren Unschuldige das Opfer brutaler Gewalt geworden. Mit der Folge: Rein ins Gefängnis und schon kurz nach der Entlassung wieder hinter Gittern. Mehrfach angeordnete Therapien. Alle erfolglos. Gegenwärtig läuft erneut eine.

Im Obdachlosenheim

Die jetzt vorliegende Anklage war heftig. Wie viele andere vorher. Gerade mal wieder auf freiem Fuß, hatte der Arbeiter ein Quartier im Obdachlosenheim. Dieses Gebäude am östlichen Amberger Stadtrand bildet nahezu regelmäßig die Kulisse für Gerichtsverhandlungen. Dort wurde zugestochen, mit Rauschgift gehandelt und bei wüsten Schlägereien Zaunfelder in der Nachbarschaft herausgebrochen, um sich zu bewaffnen. An einem Februartag 2018 kam es dann zu einem Zwischenfall der übelsten Art. Der 48-Jährige ging, erstaunlicherweise zu diesem Zeitpunkt völlig nüchtern, in das Zimmer eines damals 34-Jährigen, nahm zwei Schritte Anlauf und drosch dem Mann ansatzlos seine Faust ins Gesicht. Das Opfer sackte auf einem Stuhl zusammen, auf dem Boden bildeten sich Blutlachen.

Offener Kieferbruch

Die Folgen waren gravierend: Offener Kieferbruch an mehreren Stellen, elf Tage künstliches Koma, komplizierte chirurgische Eingriffe, mehrwöchiger Aufenthalt in zwei Kliniken. Der Mann leidet bis heute. Er muss nach eigenen Angaben zumindest noch zwei Operationen über sich ergehen lassen. Das Motiv für den wuchtigen Hieb war vor dem Schöffengericht nicht eindeutig zu klären. Aber es stellte sich heraus: Das Opfer war erst tags zuvor aus dem Krankenhaus entlassen worden - dort behandelt wegen Serienrippenbrüchen nach einer tätlichen Auseinandersetzung mit anderen Widersachern.

Der für die schmerzhaften Kieferfrakturen verantwortliche 48-Jährige konnte sich, wie sein Anwalt erklärend vortrug, an wenig erinnern. Irgendwann im weiteren Prozessverlauf aber ergriff er dann doch das Wort, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen: "Ich bin auf einem guten Weg." Dank momentan in der Abschlussphase befindlicher Alkohol- und Drogentherapie.

Und nun? Staatsanwältin Raphaela Etzold verlangte vier Jahre Haft. Einer sich der gegenwärtig laufenden Entzugsmaßnahme anschließenden sozialtherapeutischen Maßnahme verschloss sie sich nicht. Das Schöffengericht verhängte drei Jahre Haft und ließ weitere Therapieunterbringungen offen.

Zehn Haft-Aufenthalte

Der Amberger hat unterdessen zehn Aufenthalte in der Justizvollzugsanstalt seiner Heimatstadt hinter sich. Noch einmal wollte er nicht in den vergitterten Bau. "Weil es dort Drogen gibt", wie er sagte, die ihn vom eingeschlagenen "guten Weg" abbringen könnten. Wo man ihn diesmal wegsperrt, ist Sache der Justizbehörden. Im Ohr bleiben die dem Schöffengericht vorliegenden schriftlichen Anmerkungen des Regensburger Bezirkskrankenhauses. Sie lauteten: "Ein unvorhersehbar handelnder und ständig gewaltbereiter Mensch."

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